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Nach Streit krankgemeldet Chef darf Mitarbeiter nicht rauswerfen

Nach einem unerfreulichen Gespräch mit dem Chef meldet sich eine Mitarbeiterin krank. Die Quittung kommt in Form einer fristlosen Kündigung. Doch so einfach kann es sich der Arbeitgeber nicht machen.

Wird ein Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden krank, hat er Anspruch auf Entgeldfortzahlung. Der besteht für sechs Wochen. Foto: Arno Burgi

Der Arbeitgeber prüfte nicht lange, sondern schickte gleich die Kündigung.

(Foto: dpa)

Der Arbeitgeber trifft eine Anordnung, die dem Arbeitnehmer nicht passt und bekommt am nächsten Tag die Quittung dafür: Der Mitarbeiter meldet sich krank. Auch wenn der Chef vermutet, dass etwas faul ist: Er darf da s eingereichte Attest nicht einfach mit einer Kündigung beantworten. Das hat das Arbeitsgericht Berlin entschieden und der Kündigungsschutzklage einer Arzthelferin stattgegeben (Az. 28 Ca 19104/13).  

In dem Fall hatte ein Arzt mit einer seiner Angestellten Mitte Dezember ein längeres Gespräch, indem diese ihn um die Kündigung gebeten haben soll. Er entsprach dieser Bitte zunächst allerdings nicht. Stattdessen bat er die Frau, ihm angesichts "der schwierigen Personalsituation zu den Weihnachtstagen" zu helfen. Am nächsten Tag meldete sich die Frau krank und reichte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Zeitraum von 20 Tagen ein.

Krankmeldung ist Pflicht

Die Antwort des Arztes kam postwendend –  als fristlose Kündigung. Der Grund: Noch einen Tag vorher sei seitens der Mitarbeiterin von einer Krankheit nicht die Rede gewesen. Außerdem müsse er sich sofort um andere Mitarbeit in seiner Praxis kümmern. Auf weitere Zusammenarbeit mit ihr könne und wolle er nicht länger rechnen. Den im Voraus bezahlten Lohn des restlichen Monats möge die Gekündigte bitte zurücküberweisen.

Den prompten Rausschmiss wollte sich die Arzthelferin nicht gefallen lassen und erhob Kündigungsschutzklage. Mit Erfolg, das Arbeitsgericht Berlin erklärte die Kündigung für wirkungslos. Sie verstoße aufgrund ihrer Begründung gegen das Maßregelungsverbot. Das besagt, dass kein Arbeitnehmer benachteiligt werden darf, wenn er seine Rechte ausübt. Und es sei nicht nur das Recht der Angestellten, sich krankzumelden, sondern sogar ihre Pflicht gewesen, wie das Arbeitsgericht betonte. Zudem sei die Klägerin Angestellte und nicht Patientin des Arztes gewesen, so dass dieser nicht über ihre Gesundheit urteilen könne.

Quelle: n-tv.de, ino

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