Ratgeber

Gute Zeiten für Immobilienkäufer Die Zinsen sind im Keller

Viele Immobilienmakler reiben sich zurzeit die Hände. Die Menschen haben Angst vor Inflation und wollen in den vermeintlich sicheren Hafen einer Immobilie flüchten. Dafür sprechen gleich zwei Argumente: Gute Immobilien bleiben bei einer Inflation wertstabil. Die Hypothekenzinsen markieren fast täglich Tiefstände.

Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung sind bereits für 3,35 Prozent pro Jahr zu haben. Das zeigt auch unser Baugeld-Vergleichsrechner. Wer da nur mit einem Prozent tilgt, zahlt bei einer Kreditsumme von 200.000 Euro gerade mal rund 720 Euro im Monat. Drei Prozent Tilgung sollten in der aktuellen Niedrigzinsphase allerdings drin sein. Doch selbst dann liegt die Monatsrate bei moderaten 1050 Euro.

Nahezu paradiesische Zustände herrschen bei Laufzeiten von fünf Jahren. Hier liegt der Effektivzins teilweise sogar unter 2,5 Prozent pro Jahr. Die gesamte Finanzierung einer Immobilie sollte man natürlich nicht auf ein so kurzfristiges Fundament setzen. Ist aber zum Beispiel die Zeit bis zur Auszahlung einer Lebensversicherung oder eines Bausparvertrages zu überbrücken, kann es sinnvoll sein, die Gesamtkreditaufnahme in zwei oder drei Kredite zu teilen.

Langfristig nur wenig teurer

Auch im längerfristigen Bereich können Immobilienkäufer mit sehr günstigen Zinsen rechnen. Bei 15-jähriger Laufzeit sind Effektivzinssätze ab 3,73 Prozent pro Jahr möglich. 20 Jahre laufende Hypothekenkredite sind ab 3,87 Prozent zu haben.

Die günstigen Zinssätze erhält allerdings bei weitem nicht jeder. König ist der Kunde, der ein durch eine Grundschuld abgesichertes Darlehen benötigt und das Eigenheim-Projekt nur zu rund der Hälfte über die Bank finanzieren möchte.

Wer den Immobilienkredit nicht innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen kann, sollte bei dem momentanen Zinsniveau lieber zu einer längeren Laufzeit greifen. Dabei können sich die Kunden  ruhig 15 Jahre und länger festlegen, denn nach zehn Jahren greift die gesetzlich festgeschriebene Kündigungsmöglichkeit. Da die Zinsen bei Laufzeiten von 15 und 20 Jahren fast identisch sind, empfiehlt es sich, die längere Laufzeit einfach mitzunehmen.

Entscheidungshilfe zur Laufzeit

Erst wenn der Zinsunterschied parallel zur Laufzeit deutlich wächst, sollte man nicht eine zu lange Laufzeit wählen, ist Max Herbst von der FMH-Finanzberatung überzeugt. In diesem Fall rät er im Gespräch mit n-tv.de zu einer 15-jährigen Laufzeit. Wegen des Kündigungsrechts nach zehn Jahren hat man so fünf Jahre Zeit, um für die Vertragsverlängerung oder Umschuldung einen günstigen Zeitpunkt zu wählen.

Die Zinsentwicklung läuft meist parallel zur Konjunktur. Boomt die Wirtschaft, sind die Zinsen relativ hoch, in einer schlechten wirtschaftlichen Situation sind die Zinsen relativ niedrig. Da diese Konjunkturzyklen in der Vergangenheit sechs bis acht Jahre betragen haben, stehen die Chancen also gut, dass man in einem Korridor von fünf Jahren einen günstigen Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung findet.

Mit Forward-Darlehen Zinssatz sichern

Experten rechnen nicht damit, dass die momentane Zinsdelle lang anhält. Daher kann es sinnvoll sein, wenn eine Anschlussfinanzierung in den nächsten Monaten ansteht oder der Bau/Kauf einer Immobilie schon fest geplant ist, sich die günstigen Zinssätze mit Hilfe eines Forwarddarlehens zu sichern.

Zu lange Laufzeiten sollte man hierbei allerdings nicht wählen. Während ein paar Monate bei vielen Banken gratis angeboten werden, wird bei längeren Laufzeiten in der Regel ein Zinsaufschlag von 0,02 bis 0,025 Prozentpunkten pro Monat fällig. Nach zwei Jahren beträgt der Zinsaufschlag dann schon einen halben Prozentpunkt und mehr.

Quelle: n-tv.de