Ratgeber
Entscheidend ist die Differenz zwischen Zins und Inflation.
Entscheidend ist die Differenz zwischen Zins und Inflation.(Foto: imago/McPHOTO)
Montag, 22. Januar 2018

Geldanlage im Ausland: Ein Prozent Zinsen aufs Tagesgeld möglich

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Lohnt es sich, über einen Vermittler Tagesgeld im Ausland zu bunkern? Die FMH-Finanzberatung sieht keine unüberwindbaren Probleme. Dennoch wollten wir es genau wissen und wagten den Selbstversuch.

Sicherheitsbewusste Sparer in Deutschland haben es in diesen Tagen schwer. Rund 350 Banken im Bundesgebiet zahlen auf Tagesgeld null Prozent Zinsen. Eigentlich müssten davon die Vermittler von Tagesgeld- und Festanlagen im Ausland profitieren: Sie bieten deutlich bessere Konditionen. Die aktuellen Top Ten der Tagesgeldanbieter mit Zinsen zwischen 0,50 bis 1,00 Prozent pro Jahr liegen alle im europäischen Ausland. Beim ältesten Vermittler, Weltsparen, können Kunden, die ihr Geld auf ein Tagesgeldkonto in Schweden transferieren lassen, zum Beispiel 0,6 Prozent Zinsen kassieren. Wer 10.000 Euro für ein Jahr auf einem Festgeldkonto in Tschechien packt, erhält sogar 1,15 Prozent. Ähnliche Angebote finden sich bei den Wettbewerbern Zinspilot und Savedo.

Das ist allemal besser als Null- oder gar Negativzinsen, mit denen hiesige Banken ihre Kunden malträtieren. Dennoch schrecken viele Anleger davor zurück, ihr Geld in fremden Ländern anzulegen. Zu Recht?

Kassandra-Rufe der Stiftung Warentest

Grundsätzlich gilt bei allen Geldanlagen: Je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko. Dementsprechend ist zum Beispiel die Redaktion des Magazins Finanztest sehr skeptisch, was Geldanlagen im Ausland angeht – selbst dann, wenn die Bank in einem anderen Eurostaat sitzt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Wir bei der FMH-Finanzberatung halten das für übertrieben: Zum einen sind Guthaben von 100.000 Euro pro Bank und Sparer EU-weit abgesichert. Eine Richtlinie aus dem Jahr 2014 verpflichtet die Mitgliedsstaaten, bis 2024 ihre Einlagensicherungsfonds mit so viel Geld und Kapazitäten auszustatten, dass Kunden bei einer Bankenpleite binnen einer Woche entschädigt werden. Noch befinden sich diese Fonds zwar im Aufbau und sind nicht so schlagkräftig, wie sie sein sollten. Doch trotz dieses Mankos halten wir Tagesgeldangebote über Vermittler im EU-Ausland für relativ gefahrlos. Wir glauben fest daran, dass der Zusammenhalt und die Hilfestellungen unter den EU-Staaten noch funktionieren würde, wenn ein Mitglied seinen Verpflichtungen gegenüber den Sparern nicht nachkommen könnte. Wichtig ist jedoch, dass sich Anleger, die den Schritt in die Ferne wagen, regelmäßig über Wirtschaftsthemen und neue Entwicklungen informieren. Zeichnet sich ab, dass ein Land Probleme hat, können sie den Vermittler beauftragen, ihr Geld wieder nach Deutschland zu transferieren – und haben es am übernächsten Tag wieder auf dem Konto ihrer Hausbank.

Boni, Steuern und Währungsrisiken

Eine gute Informationsquelle für Auslandsanleger ist auch der Tagesgeldvergleich der FMH-Finanzberatung : Hier sind die Länderratings nach Moodys (sowie Bonuszahlungen für Neukunden) aufgeführt. Zudem empfehlen wir, zur Sicherheit nie das gesamte ersparte Geld bei einer Bank einzahlen. Ebenfalls bedenken sollten Anleger, dass ihre Zinserträge aus dem Ausland auch in Deutschland zu versteuern sind. Das kann, je nach Land, einen gewissen Mehraufwand bei der Steuererklärung verursachen.

Bedenken sollten Sparer überdies, dass nicht jedes EU-Land Mitglied der Währungsunion ist. Wer also, wie in den obigen Beispielen, sein Geld in Tschechien oder Schweden parkt, trägt ein gewisses Währungsrisiko. Die Geldanlage erfolgt zwar in Euro. Sollte eine Bank aber pleitegehen, nähme der Einlagensicherungsfond die Erstattung in der Landeswährung vor – bis zum Gegenwert von 100.000 Euro.

Schlaflose Nächte sollte deshalb trotzdem niemand haben. Nehmen wir an, ein Kunde legt 50.000 Euro in der besagten Bank auf ein Tagesgeldkonto. Damit ihm im Fall einer Insolvenz wirklich ein Währungsnachteil entsteht, müsste sich der Wechselkurs innerhalb der Auszahlungszeit des Sicherungsfonds von 7, im Extremfall 20 Tagen um mehr als 50 Prozent verschlechtern. Ein solches Szenario wird aber umso unwahrscheinlicher, je sicherer das Land ist. Innerhalb der Eurozone ist das Währungsrisiko ganz ausgeschlossen.

Geld auf Reisen - der Selbstversuch

Nicht nur das Risiko schreckt manche Sparer ab. Viele scheuen auch den Aufwand, den eine Kontoeröffnung bei einem Vermittler mit sich bringt. Zu Unrecht.

Wir haben bei Weltsparen den Selbstversuch gewagt – und waren sehr positiv überrascht. Die Registrierung auf der Website ist ausgesprochen simpel. Nach der Identifikation per Post-Ident-Verfahren dauerte es nur wenige Tage, dann konnten wir uns mit unserer privaten PIN-Nummer einloggen und schon das erste Geld an die MHB-Bank, die Abwicklungsbank von Weltsparen, überweisen. Diese Institut mit Sitz in Frankfurt bietet die gesetzlich vorgeschriebene Absicherung von 100.000 Euro pro Kunde.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de