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Grüner Strom von Tchibo Ein echter Lichtblick?

Tchibo erweitert mal wieder sein Sortiment: Neben Kaffee, Kleidung, Versicherungen und Handyverträgen ist nun also auch Ökostrom im Angebot. Kann der "Grüne Strom" mit der Konkurrenz mithalten?

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Der Tchibo-Strom wird in norwegischen Wasserkraftwerken erzeugt.

Vor zwölf Jahren wurde Strom zum ersten Mal zur Gewissensfrage. Damals traten die ersten Ökostrom-Anbieter auf den liberalisierten Strommarkt. Wer erneuerbare Energien unterstützen wollte, musste dafür allerdings tief in die Tasche greifen. Energie aus Solar-, Wind-, Wasser-, Biomasse- und Geothermiekraftwerken war sehr viel teurer als die des regionalen Versorgers. Inzwischen ist kaum noch ein Preisunterschied festzustellen, viele Ökostrom-Tarife können mit konventionellen Angeboten locker mithalten. Zudem haben die Kunden jetzt deutlich mehr Auswahl: Neben Pionieren wie Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy mischen zahlreiche weitere Versorger auf dem Ökostrom-Markt mit.

Seit ein paar Tagen ist auch Tchibo mit dabei. Der Konzern, der früher einmal für Kaffee bekannt war und mittlerweile alles vom Ratenkredit bis zur Unterwäsche liefert, bietet mit dem "Grünen Strom" nun erstmals einen eigenen Stromtarif an. Erfahrungen im Strombereich hat Tchibo schon früher gesammelt, als man Stromkontingente von Lichtblick an den Mann brachte. In einem ersten Schnelltest hat die Stiftung Warentest das Angebot unter die Lupe genommen und für tauglich befunden, insbesondere für diejenigen, die noch keinen Ökostrom beziehen.

Es geht auch günstiger

Ob sich der Tarif rechnet, hängt vom Wohnort ab. Sowohl der monatliche Grundpreis als auch der Preis pro Kilowattstunde schwanken regional. Oft ist aber zumindest der Grundpreis günstiger als der des Basistarifs. Auch den Vergleich mit Ökostrom-Klassikern wie Lichtblick und Greenpeace muss Tchibo, zumindest was die Kosten betrifft, nicht scheuen. Wer ein Preisvergleichsportal bemüht, wird aber problemlos auch günstigere Anbieter finden. Das liegt auch daran, dass Tchibo auf die andernorts üblichen großzügigen Willkommensprämien verzichtet. Statt mit Guthaben sollen Kunden mit einem 25 Euro Tchibo-Einkaufsgutschein geködert werden, bei den ersten 10.000 Verträgen legt Tchibo nochmal 25 Euro drauf.   

An den Vertragsbedingungen gibt es nichts auszusetzen: Der Tarif ist jederzeit mit einer Frist von vier Wochen kündbar und die Preise sind für ein Jahr festgeschrieben. Im Vergleich zu vielen Konkurrenzangeboten ist das sehr kundenfreundlich.

Der Tchibo-Strom trägt das "OK Power"-Siegel für Ökostrom, das vom WWF, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und dem Öko-Institut unterstützt wird. Ökostrom-Puristen gehen die Anforderungen des OK-Siegels aber nicht weit genug. "OK-Power" lässt nämlich auch den Handel mit RECS-Zertifikaten zu. Bei diesem Modell müssen die Versorger  nicht selbst komplett Ökostrom liefern, sondern sie können Zertifikate von Öko-Erzeugern kaufen, selbst aber konventionellen Strom einspeisen. Tchibo verpflichtet sich aber, den Strom tatsächlich selbst herzustellen. Doch auch damit haben manche Probleme: Der Tchibo-Strom kommt nämlich nicht aus Windparks, Biomasse oder Solaranlagen, sondern aus norwegischen Wasserkraftwerken. In der Anlage großer Staugebiete sehen Kritiker eine Bedrohung für die Ökosysteme. Wer solche Bedenken nicht teilt, findet im Tchibo-Strom aber eine gute Alternative.        

Quelle: n-tv.de

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