Ratgeber

Auto geerbt Einfach weiterfahren geht nicht

Die Oma ist gestorben, ihr Auto soll die Enkelin bekommen. Die erbt dann aber nicht nur den Wagen, sondern muss auch den Versicherungsschutz der Vorbesitzerin übernehmen - auch wenn der deutlich teurer wird.

Wer ein Auto erbt, kann mit dem Wagen nicht einfach weiter fahren. Zum Beispiel müssen Versicherungsfragen geklärt werden. Foto: Andrea Warnecke

Wer ein Auto erbt, kann mit dem Wagen nicht einfach weiter fahren. Zunächst müssen Versicherungsfragen geklärt werden.

(Foto: dpa-tmn)

Der alte Golf der Oma oder der Corolla des Vaters – wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er oft auch ein Auto. Doch wie verfahren mit dem geerbten Stück? Spätestens wenn d er rechtmäßige Erbe das Auto dauerhaft fahren möchte, stellen sich Fragen nach dem Versicherungsschutz und nach der Ummeldung.

"Nach dem Tod des Besitzers sollte sich der Erbe als Erstes so schnell wie möglich mit der Kfz-Versicherung in Verbindung setzen", empfiehlt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Auch wenn dieser Schritt vielen vielleicht nicht dringlich erscheint, sei es wichtig, die jeweilige Versicherung über die neuen Eigentümerverhältnisse zu informieren. Der Versicherungsschutz bleibt zwar im Todesfall gemäß der Vertragslaufzeit bestehen. Allerdings ändert sich mit der Übernahme des Wagens nicht nur der Besitzer, sondern meist auch der Beitrag.

"Beim verstorbenen Vorbesitzer stand der Wagen vielleicht immer in der Garage. Der Erbe dagegen fährt jeden Tag und lässt auch seine Kinder den Wagen benutzen", erklärt Boss beispielhaft. Die neue Sachlage müsse dem Versicherer gemeldet werden, damit dieser die Beitragshöhe und die Prozente des Schadenfreiheitsrabatts anpassen kann. Früher konnte man den Rabatt des Vorbesitzers einfach übernehmen. Heute übertragen die meisten Versicherer den Rabatt nur noch auf direkte Verwandten mit Fahrerfahrung. "Dass ein blutjunger Fahranfänger Opas 30 Prozent übernimmt, ist nicht mehr möglich", so Boss. In vielen Fällen müsse der neue Versicherungsnehmer sogar genauso viel Fahrerfahrung vorweisen, wie der Verstorbene hatte.

Kündigung erst zum Jahresende

"Wichtig zu wissen ist außerdem, dass der Todesfall dem Erben kein außerordentliches Kündigungsrecht für die Kfz-Haftpflicht einräumt", betont Boss. Der Vertrag bleibt bestehen und geht automatisch auf den Erben über. Damit soll verhindert werden, dass der Erbe die Kfz-Versicherung kündigt und trotzdem noch den ein oder anderen Weg mit dem Auto des Verstorbenen erledigt, bevor er es zum Beispiel verkauft, erläutert die Expertin. Ist der Haftpflichtschutz zum Todeszeitpunkt schon abgelaufen, steht es dem Erben natürlich frei, eine andere Versicherungsgesellschaft zu wählen. Im Gegensatz zur Kfz-Haftpflicht sind Teilkasko- und Vollkaskoversicherungen gesetzlich nicht vorgeschrieben. Bezahlen muss sie der Erbe trotzdem, wenn bis jetzt Versicherungsschutz bestanden hat.

Beim Weiterverkauf des Autos gehen die Rechte und Pflichten auf den Käufer über. "Das bedeutet, dass der Käufer in den Versicherungsvertrag einsteigt und den Vertrag erst einmal so übernimmt, wie er ist", erklärt Boss. Er muss sich dann binnen eines Monats selbst um den Versicherungsschutz kümmern: Entweder schließt er mit dem bisherigen Versicherer einen neuen Vertrag ab oder er wählt eine andere Kfz-Versicherung. Da die Kfz-Haftpflicht eine Pflichtversicherung ist, kann der Vorbesitzer sie bei einem zugelassenen Fahrzeug nur kündigen, wenn der neue Eigentümer eine neue Versicherung nachweist, so Boss.

Rechtzeitig ummelden

Will der Erbe das Auto selber fahren, sollte er es möglichst schnell bei der zuständigen Kfz-Zulassungsstelle auf den eigenen Namen ummelden, rät Paul Grötsch, Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht. Denn bei einem Wechsel des Autohalters gibt es eine Mitteilungspflicht. Nachlässigkeit kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Mit 15 Euro ist das Bußgeld aber noch überschaubar.

Für die Ummeldung braucht der Erbe keinen Erbschein. Wichtig ist aber eine elektronische Versicherungsbestätigung (eVB), so Grötsch. Die siebenstellige eVB-Nummer gilt als Nachweis der bestehenden Kfz-Haftpflichtversicherung und wird vom Versicherer mitgeteilt. Auch hier führt kein Weg daran vorbei, die Versicherung zu kontaktieren.

Ein geerbtes Auto bringt einige Pflichten mit sich. Trotzdem kann sich der Aufwand gerade bei älteren Modellen auch steuerlich lohnen: "Ein geerbtes Auto muss praktischerweise nicht versteuert werden, solange es nicht mehr als 12.000 Euro wert ist", erklärt Grötsch. Autofahrer mit den Steuerklassen I, II und III können nach dem Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) für sogenannte bewegliche Gegenstände Steuerbefreiungen in dieser Höhe in Anspruch nehmen.

Quelle: ntv.de, ino/dpa