Ratgeber
Dienstag, 10. April 2007

Werbung mit Zinsversprechen: Emittenten werfen Köder aus

von Alexander Klement

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er für seine Geldanlage die höchstmögliche Rendite wünscht. Daran ist zunächst einmal auch nichts verkehrt. Weniger schön ist allerdings das Erwachen, wenn man sich von falschen Zahlen hat blenden lassen. Aktuell haben wir für Sie beispielhaft zwei Produkte herausgesucht, die momentan beworben werden - mit wahrhaft schönen Zahlen.

Das erste ist ein Zertifikat von Estlander & Rönnlund mit dem klangvollen Namen "Global Balance" (WKN BC0BQ0) und wird von der Barclays Bank PLC herausgegeben. In der Werbung heißt es: "Die Antwort auf Ihr Tagesgeldkonto. 6% Zielrendite täglich verfügbar." Ganz platt gesagt, handelt es sich bei dem beworbenen Produkt um ein Indexzertifikat, dass am 15.01.2027 fällig ist.

Die tägliche Verfügbarkeit rührt von der Tatsache her, dass man Zertifikate an der Börse börsentäglich verkaufen und kaufen kann. Da das Indexzertifikat keine laufenden Zins- oder Dividendenzahlungen ausschüttet, errechnet sich die tatsächliche Rendite aus Kauf- und Verkaufskurs. Geld, das auf Tagesgeldkonten angelegt ist, hat meist den Charakter, dass es kurzfristig zur Verfügung stehen muss. Da das Indexzertifikat Markteinflüssen unterworfen ist, kann es während der Laufzeit auch unter den Kaufkurs zurückfallen. Das bedeutet, eine tägliche Verfügbarkeit ist zwar gegeben. Diese kann jedoch mit Verlusten verbunden sein.

Darüber hinaus ist natürlich auf die bei Zertifikaten üblichen Risiken hinzuweisen. Der Anleger kann sein eingesetztes Kapital ganz oder teilweise verlieren und bei Kauf und Verkauf an der Börse können zusätzliche Kosten entstehen, die die Rendite schmälern.

Der Vergleich mit einem Tagesgeldkonto ist also mehr als unpassend. Dieses wirft einen garantierten Zins bei 100-porzentiger Kapitalgarantie ab - zumindest bei in Deutschland ansässigen Banken - und ist täglich ohne jegliche Kursschwankungen verfügbar.

"Give me 5"

Auch die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, ist mit einem flotten Werbespruch unterwegs. "Jetzt profitieren mit 5% p.a.", so der Werbetext für den "DWS 5% Target Return 2010" (WKN DWS0DH). "Give me 5 - direkt aufs Konto!" ist das Angebot auf den Seiten der DWS überschrieben. "Give me 5" suggeriert Freundschaft. Schlag ein, wenn ein Geschäft gut geklappt hat.

Bei dem beworbenen Produkt handelt es sich um eine Art Dachfonds. Investiert wird in andere Fonds, die sich laut Computeranalysen nicht nur in der Vergangenheit besser entwickelt haben als der Vergleichsindex, sondern dies auch in Zukunft tun werden. Die Käufe werden durch eine Alpha-Strategie abgesichert, so dass auch bei einer negativen Entwicklung des Marktes der Fonds noch Gewinne machen kann. Letztlich hängt aber alles davon ab, ob die Computer der DWS die richtigen Fonds ausspucken, die sich dann auch den Berechnungen entsprechend besser als der Markt entwickeln.

Nach drei Jahren wird der Fonds wieder geschlossen. Fünf Prozent Zinsen fallen jährlich für jeden ab, der zeichnet. Der Ausgabeaufschlag beträgt drei Prozent, die jährliche Kostenpauschale 1,1 Prozent. Rechnet man den Ausgabeaufschlag raus, bleibt eine Rendite von knapp vier Prozent. Um diese zu erreichen, muss der Fonds wegen der jährlichen Kostenpauschale allerdings mindestens eine Rendite von 6,1 Prozent erwirtschaften.

Da am Ende der Laufzeit eine Rückzahlung des Anlagebetrags von 100 Euro je Anteil nicht garantiert ist, kann die Rendite auch geringer ausfallen - oder wenn der Fonds eine Rendite über 6,1 Prozent pro Jahr erwirtschaftet, kann die Rendite auch noch steigen. Das Kursrisiko trägt allein der Anleger.

Fazit: Wenn beim DWS-Fonds alles wie geplant läuft, wird für eine dreijährige Anlagedauer eine Rendite von rund vier Prozent gezahlt. Der Anleger kann zwar börsentäglich den Fonds verkaufen, trägt aber das volle Kursrisiko. Völlig risikolos sind hingegen festverzinsliche Anlagen mit Laufzeiten von einem, zwei oder auch drei Jahren, die eine garantierte Rendite von vier Prozent abwerfen. So bieten beispielsweise die Deutsche Bank und Dredsner Bank für ein Jahr 4,0% bzw. 4,1% und die BMW-Bank sowie die Comdirect 4,0% für Laufzeiten von zwei und drei Jahren. Während dieser Zeit kommt man allerdings auch im Notfall nicht an das festgelegte Geld heran.

Quelle: n-tv.de

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