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Zu schade zum Wegschmeißen? Entrümpeln mit Momox & Co

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Für die meisten CDs bekommt man höchstens zwei Euro, aktuelle Alben werden aber oft höher gehandelt.

C.Nöhren

Alte Bücher, Handys, DVDs oder Elektroartikel lassen sich auf Re-Commerce-Portalen wie Momox, Rebuy oder Flip4New relativ einfach zu Geld machen. Die virtuellen An- und Verkaufsläden bieten Festpreise und sorgen für eine unkomplizierte Verkaufsabwicklung. Wer zu Hause Platz schaffen will, ist gut damit bedient. Wer reich werden will, nicht unbedingt.

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Ein Blick ins Warenlager von Momox.

Die CD-Sammlung liegt inzwischen digitalisiert auf der Festplatte, ausgelesene Bücher setzen im Regal Staub an und das letzte Handy veraltet neben anderem Technikkrempel in der Schublade. Klar, man könnte sich einen Stand auf dem nächsten Flohmarkt mieten. Oder die Teile bei Ebay einstellen. Beides ist ziemlich aufwendig. Und wer will schon Ware fotografieren, beschreiben und zur Post zu bringen, für die er am Ende vielleicht nur ein oder zwei Euro bekommt? Eine relativ stressfreie Alternative sind sogenannte Re-Commerce-Anbieter.

Re-Commerce-Portale sind so etwas wie moderne Trödler: Sie kaufen gebrauchte Ware an und verkaufen sie dann teurer weiter, entweder über eigene Plattformen oder über Marktplätze wie Amazon oder eBay. Die meisten beschränken sich auf Warengruppen wie Bücher, CDs und DVDs, Computerspiele und Elektronik. Sie sind zum Teil international verwertbar, zudem können die Aufkäufer die Marktwerte relativ gut einschätzen. Für Kleidung, Möbelstücke oder Omas Silberbesteck sind Ebay oder der Kleinanzeigenmarkt die bessere Wahl.

Ein Markt mit viel Bewegung

Ganz neu ist die Idee vom An- und Verkauf im Internet nicht: Der Branchenpionier momox.de ging schon 2006 online. Anfangs kaufte das Start-Up nur CDs und DVDs an, inzwischen sind Bücher, Spiele, Handys und Tablets dazugekommen. Die Konkurrenz von Rebuy.de startete, damals noch unter anderem Namen, als Tauschbörse für Computerspiele. Seit 2009 werden neben Büchern, Filmen und Musik auch Konsolen und natürlich Handys und Tablets gehandelt. Wirkaufens.de hat auch MP3-Player, Camcorder und Navis im Sortiment, dafür aber keine Bücher oder CDs. Daneben gibt es noch diverse kleinere Anbieter. 

Auch die etablierten Händler sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen: Ebay kauft seit 2011 gebrauchte Elektrogeräte an, zur gleichen Zeit begann Amazon damit, seinen Kunden gebrauchte Bücher abzunehmen. Und die Media-Saturn-Gruppe ist im letzten Herbst bei dem Frankfurter Re-Commerce-Unternehmen Flip4New eingestiegen, nachdem zuvor ein Deal mit Rebuy.de in letzter Minute geplatzt war. In einzelnen Saturn-Märkten gibt es jetzt Pilotprojekte, bei denen Kunden alte Geräte und Medien gegen Einkaufsgutscheine tauschen können. Dabei nimmt Flip4New auch defekte Geräte an. Dafür bekommt man zwar allenfalls ein paar Cent gutgeschrieben, hat aber wenigstens die Entsorgungsfrage gelöst.

Verkaufsrang entscheidet über Preis

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Warenprüfung bei Rebuy: CDs und Bücher sollten in gutem Zustand sein. Hat der Verkäufer bei der Beschreibung geschummelt, muss er den Artikel zurücknehmen.

Wer lieber Geld als Gutscheine sehen möchte, muss die Ware einschicken. Die Versandkosten übernimmt in aller Regel der Ankäufer, nur bei Rebuy.de muss man das Porto selbst bezahlen, wenn der Warenwert unter zehn Euro liegt. Wie viel man für seine alten Bücher, Handys oder Spiele bekommt und ob die Ware überhaupt angenommen wird, erfährt man vorher. Alle Artikel, die angekauft werden, sind auf der jeweiligen Webseite ve rzeichnet. Man gibt den Barcode oder das Modell ein, und der Ankäufer macht gleich ein verbindliches Angebot, abhängig vom Zustand der Ware. Entscheidend für den Preis ist der Verkaufsrang. Muss der Ankäufer damit rechnen, dass er den Artikel nur schwer wieder loswird, bezahlt er nur ein paar Cent – auch wenn er die Ware für ein Vielfaches am Markt anbietet.

Bei dem, was gezahlt wird, gibt es durchaus Unterschiede: Für das 2010er Smartphone HTC Legend etwa verspricht Wirkaufens.de rund 45 Euro, vorausgesetzt das Gerät ist in gutem Zustand und ohne SIM-Lock. Rebuy.de würde ebenso viel zahlen.  Flip4New dagegen bietet für das Gerät nur gut 29 Euro und Momox nimmt es gar nicht erst an. Zum Vergleich: Bei Ebay wechseln funktionsfähige Geräte zu Preisen ab 55 Euro den Besitzer. Bei neueren und gefragten Geräten fährt man mit Ebay in aller Regel deutlich besser. So zahlen die Re-Commerce Anbieter für Samsungs Galaxy S2 160 Euro bis 180 Euro, bei Ebay sind auch mal hundert Euro mehr drin.

Am liebsten Bestseller und Charts

Auf der Suche nach dem lukrativsten Angebot helfen Vergleichsplattformen wie Werzahltmehr.de oder Verkaufsfuchs.de. Ebay decken sie zwar nicht ab, dafür aber zahlreiche Resale-Portale. Ein Vergleich kann auch bei Büchern hilfreich sein. So steht etwa die gebundene Ausgabe von Timus Vermes Bestseller "Er ist wieder da" neu für gut 19 Euro im Buchladen. Momox kauft das Werk für 10,46 Euro an, Rebuy für knapp 9 Euro, Flip4New für rund 6 Euro. Bei Ebay bekommt man für das Buch zwischen zwölf und 16 Euro.

Nun lassen sich Bestseller relativ einfach zu Geld machen und auch bei wissenschaftlichen Fachbüchern ist oft zumindest noch ein Viertel des Neupreises zu holen. Reich wird man aber kaum, wenn man sein Bücherregal ausmistet. Für ältere Bücher zahlen die Wiederverkäufer oft nur Minibeträge, manches nehmen sie gar nicht erst an. Den einstigen Kassenschlager "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" etwa, wird man allenfalls bei Momox los – für ganze 15 Cent. Das lohnt sich nur, wenn man ohnehin noch andere Sachen einschicken will.

CDs zum Beispiel. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Büchern: Je aktueller, desto besser der Preis. Für Chart-Alben gibt es teils deutlich über fünf Euro, Heinos Coveralbum "Mit freundlichen Grüßen" bringt beispielsweise bis zu 6,55 Euro, für Lana del Reys letztjähriges Debut "Born to die" sind es immerhin noch zwei bis drei Euro. Für viele andere Alben werden hingegen allenfalls symbolische Preise gezahlt. Airs Klassiker "Moon Safari" etwa bringt bei Flip4New gerade mal einen Cent. Da ist Ebay meist die bessere Alternative, hier darf man zumindest auf den Einstiegspreis hoffen.        

Den meisten Verkäufern geht es aber ohnehin nicht um das große Geld. Als die Marktforscher von Sempora vor ein paar Monaten Konsumenten zu ihren Re-Commerce-Aktivitäten befragten, war das Hauptmotiv für den Verkauf von Gebrauchtware ganz klar "entrümpeln". Und wenn dabei  noch ein paar Euro abfallen, ist ja schon etwas gewonnen.

 

Quelle: n-tv.de

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