Ratgeber

Auch auf der falschen Seite Fahrradfahrer haben Vorfahrt

Es war ein Unfall, der leicht vermeidbar gewesen wäre: Ein Radler fährt in verkehrter Richtung auf einem Radweg, eine Autofahrerin will rechts abbiegen. Beide vertrauen auf ihre Vorfahrt, am Ende ist der Radfahrer tot. Selbst schuld, meint die Autofahrerin.

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Beim Abbiegen müssen Autofahrer auf Verkehr aus beiden Richtungen achten.

Autofahrer müssen beim Rechtsabbiegen auch auf möglichen Fahrradverkehr aus der Gegenrichtung achten. Wer einen Radfahrer überfährt, der verbotenerweise den falschen Radweg nutzt, trägt die volle Schuld. Das hat das Oberlandesgericht Saarbrücken entschieden und den Erben eines verstorbenen Radfahrers den vollen Schadenersatz zugesprochen (Az. 4 U 406/12).

Der Mann war mit seinem Rennrad auf dem Radweg links der Straße unterwegs. Beim Rechtsabbiegen kreuzte ein Auto den Radweg. Die Fahrerin bremste nicht, weil sie meinte, Vorfahrt zu haben. Dasselbe dachte der Rennradler und vertraute darauf, dass der abbiegende Pkw vor dem Radweg anhalten würde. Daher kam es zur unvermeidlichen Kollision der beiden mit fatalen Folgen: Der Radfahrer starb noch am Unfallort.

Die Erben wollten nun alle aus dem Unfall resultierenden Schäden von der Autofahrerin ersetzt haben. Die Summe aus über 50.000 Euro berechneten sie aus Sachschäden, Beerdigungskosten sowie entgangenen Unterhalts- und Haushaltsführungsschäden. Ihr Vorwurf: Die Frau sei unbeirrt abgebogen, obwohl sie den Radfahrer schon von Weitem gesehen haben musste. Trotz der falschen Radwegseite hätte der Radfahrer Vorfahrt gehabt.

Die Autofahrerin sah das anders. Der Radfahrer müsse die Hälfte der Schuld schon allein deswegen tragen, weil er verbotenerweise auf dem linken Radweg fuhr. Er hätte daher nicht darauf vertrauen dürfen, dass er dort Vorfahrt genoss.

Das Oberlandesgericht Saarbrücken gab den klagenden Erben recht. Die Autofahrerin habe beim Abbiegen die Fahrbahn des Radverkehrs gekreuzt. Deshalb müsse sie grundsätzlich Rücksicht nehmen, auch wenn ein Radfahrer in falscher Richtung unterwegs sei. "Die Regelung über die Benutzung linker Radwege schützt lediglich den Gegenverkehr - und nicht den Einbiege- und Querverkehr", erklärt Rechtsanwalt Frank Böckhaus von der Deutschen Anwaltsholtline. Das abbiegende Auto hatte daher keine Vorfahrt, deswegen hat die Fahrerin den Unfall in vollem Umfang selbst zu verantworten.

Quelle: ntv.de, ino

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