Ratgeber

Entschädigung für Gestrandete Flug gestrichen - das gilt

imago92773876h.jpg

Bei kurzfristigen Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden steht Flugreisenden oft eine Ausgleichszahlung zu.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Unerfreulicherweise häufen sich die Flugausfälle - ob Easyjet oder Lufthansa, etliche Flüge wurden oder werden gestrichen. Verhinderte Passagiere gucken in die Röhre. Welche Rechte Sie dann haben, lesen Sie hier.

Die Fluggesellschaften Easyjet, British Airways und KLM sowie der Reiseveranstalter TUI machten den Anfang. Sie hatte rund um das Pfingstwochenende viele Flüge gestrichen. Im Falle von Easyjet angeblich wegen eines Softwarefehlers, wohl aber auch wegen Verzögerungen an den Flughäfen. Denn es fehlte wohl, wie bei den anderen Gesellschaften auch, das Personal zur Abfertigung der Passagiere. Nun streichen auch Lufthansa und Eurowings Hunderte Flüge für den Ferienmonat Juli. Auch ihnen und den Flughafendienstleistern fehlt es an Arbeitskräften. Das ist bitter für Kunden. Deshalb sollten diese ihre Rechte kennen. Hier sind sie:

Entschädigungssumme

Bei kurzfristigen Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden steht Flugreisenden oft eine Ausgleichszahlung zu. Die Höhe richtet sich nach der Flugdistanz: 250 Euro sind es bei maximal 1500 Kilometern, 400 Euro bei 1500 bis 3500 Kilometern und 600 Euro bei mehr als 3500 Kilometern. Eine deutliche Verschiebung des Fluges - etwa vom Morgen in den Abend - ist rechtlich ebenfalls als Annullierung zu bewerten.

Bedingungen und Ausschlusskriterien

Die Entschädigung nach EU-Recht steht Kunden nur zu, wenn die Fluggesellschaft für die Annullierung oder Verspätung verantwortlich ist. Eine Airline muss nicht zahlen, wenn die Probleme auf sogenannte außergewöhnliche Umstände zurückgehen, die sie nicht beeinflussen kann. Dazu zählen zum Beispiel ein Ausfall der IT-Systeme am Flughafen und oft auch Sturm und Gewitter - nicht aber technische Probleme des Flugzeugs. Häufig kommt es auf den Einzelfall an. Streitfälle landen oft vor Gericht.

Nicht zahlen muss die Airline auch, wenn sie Flugstreichungen und größere Änderungen der Flugzeiten mindestens 14 Tage im Voraus angekündigt hat. Dann kann der Kunde zwar vom Vertrag zurücktreten und bekommt sein Geld zurück. Eine Entschädigung gibt es aber nicht.

Erstattung oder alternative Beförderung

Die Fluggesellschaft ist verpflichtet, für die Passagiere eine Ersatzbeförderung zum Zielort zu organisieren oder die Kosten für das Flugticket zu erstatten. Das gilt auch dann, wenn die Airline den Flugausfall nicht zu verantworten hat. Sie muss ihre gestrandeten Kunden betreuen und verpflegen. Wird eine Hotelnacht nötig, kommt sie dafür auf.

Geltungsbereich

Die EU-Fluggastrechte gelten für alle Flüge, die in der Europäischen Union starten. Und sie greifen für alle Flüge, die in der EU landen - hier jedoch mit einer Bedingung: Die Airline muss ihren Sitz in der EU haben. Wer etwa mit einer US-amerikanischen Airline von New York nach Frankfurt fliegt, bekommt bei einer langen Verspätung keine Entschädigung. Andersherum schon.

Durchsetzung der Rechte

Nicht immer zahlen Fluggesellschaften, obwohl sie es rechtlich müssten. Sie versuchen teils, Kunden abzuspeisen oder hinzuhalten. Daher kann es manchmal schwierig sein, das Geld von der Airline zu bekommen. Hartnäckigkeit lohnt sich.

Verbraucherschützer raten dazu, sich erst einmal direkt an die Fluggesellschaft zu wenden. Und am besten eine Frist zu setzen. Zeigt sich die Airline trotz berechtigten Anspruchs nicht einsichtig, können sich Kunden an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Eine Alternative sind Inkassodienste, oft Fluggastrechtportale genannt. Sie klagen die Ansprüche ein, kassieren dafür aber häufig teils hohe Provisionen. Außerdem können sich Fluggäste eine Anwältin oder einen Anwalt nehmen und vor Gericht ziehen.

Mehr zum Thema

Wichtig für Passagiere

Ungeachtet dessen wird Passagieren von nicht gestrichenen Flügen besonders in der Ferienzeit empfohlen, rechtzeitig am Flughafen zu sein. Laut Reiseexperten dürfen es statt der üblichen zwei auch gerne vier oder fünf Stunden sein. Darüber hinaus sollte Gepäck nach Möglichkeit bereits am Vorabend aufgegeben und zudem der Online-Check-in genutzt werden. Das Handgepäck sollte auf das Nötigste reduziert werden, um lange Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen zu vermeiden.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen