Ratgeber

Kollision auf dem Gehweg Geisterradler muss voll haften

Ein Radfahrer befährt einen Fußweg in falscher Richtung. Ein Autofahrer rollt aus einer Ausfahrt und sieht ihn zu spät, ein Unfall ist unausweichlich. Der Radler verlangt Schmerzensgeld. Vom Auto gehe schließlich grundsätzlich eine Betriebsgefahr aus.

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Radfahrer dürfen nicht auf Gehwegen fahren. Autofahren müssen aber damit rechnen, dass sich nicht jeder daran hält.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei Kollisionen mit nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern haften Autofahrer normalerweise schon aufgrund der Betriebsgefahr ihres Fahrzeugs. Doch es gibt Ausnahmen: Wenn ein Radfahrer in entgegengesetzter Richtung auf  einem Gehweg unterwegs ist und mit einem ausfahrenden Pkw zusammenstößt, dann kann er die Schuld nicht auf den Autofahrer abwälzen – zumindest nicht, wenn der sich korrekt verhalten hat. Das hat das Amtsgericht Essen klargestellt und den Schmerzensgeldanspruch eines Radfahrers abgelehnt (Az. 11 C 265/13).

Der Mann war auf einem Bürgersteig entgegen der Fahrtrichtung unterwegs, obwohl es auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen beidseitig befahrbaren Radweg gibt. Der Autofahrer kam aus einer Ausfahrt und wollte nach rechts in den fließenden Verkehr einbiegen. Allerdings war die Sicht nach rechts durch eine Hecke auf dem Gehweg beschränkt. Der Autofahrer übersah den Radfahrer, es kam zur Kollision. Dabei trug der Fahrradfahrer unter anderem mehrere Brüche davon.

Vor Gericht verlangte er nun ein angemessenes Schmerzensgeld und 50 Prozent Schadensersatz. Hätte der Autofahrer vor dem Auffahren auf den Gehweg nach rechts gesehen, dann hätte er rechtzeitig abbremsen können, so der Radler. Beweisen konnte er diesen Vorwurf allerdings nicht. Das Gericht schenkte der Schilderung des Autofahrers mehr Glauben. Demnach sei er auf die Ausfahrt langsam zugerollt und habe erst nach links, dann nach rechts geschaut, den Radfahrer aber nicht mehr rechtzeitig gesehen.

Haftung ist nicht ausgeschlossen

Zwar müssten Autofahrer schon damit rechnen, dass auf Gehwegen manchmal unerlaubt Radfahrer unterwegs seien. Eine Mithaftung könne deshalb durchaus in Betracht kommen, stellte der Richter klar. Im vorliegenden Fall ließ dich der Radler aber auch noch zuschulden kommen, dass er in verkehrter Richtung unterwegs war. Das mache den Pflichtenverstoß so gravierend, dass eine Mithaftung des Autofahrers nicht in Betracht komme.

Generell dürfen nur Kinder mit dem Rad auf Gehwegen fahren. Bis zum achten Geburtstag ist das Pflicht, ab zehn Jahren muss man aber Straße oder Radweg nutzen.  

Quelle: ntv.de, ino