Ratgeber

Frisch vom Acker vor die Haustür Gemüsekisten sind teuer

Gemüsekisten sind die bequeme Alternative zu Biomarkt und Hofladen. Sie enthalten Obst und Gemüse in Bioqualität, wer will, kann oft auch Brot, Eier oder Fleisch dazubestellen. Allerdings kommt nur selten alles, was in der Gemüsekiste landet, frisch vom Bauernhof. Zudem zahlt man meist deutlich mehr als im Handel.

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Das Gemüsekisten-Konzept gibt es schon seit Jahrzehnten.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Wer keine Zeit hat für den Wochenmarkt, kann sich die Vitaminration auch bequem vor die Haustür bestellen. Gemüsekisten-Abos machen's möglich: Rund 45.000 Haushalte lassen sich saisonales Obst und Gemüse, meist in Bio-Qualität, regelmäßig nach Hause liefern. Dabei zahlen sie in der Regel aber deutlich mehr als beim Einkauf im Bio-Supermarkt

Zu diesem Ergebnis kommt die "Welt", die neun Kistenangebote mit den Preisen von drei Bio-Supermärkten verglichen hat.  Im Schnitt müssten Haushalte mit Mehrkosten von knapp 20 Prozent rechnen, wenn sie sich das Gemüse und Obst an die Türe liefern ließen. Dieser Aufschlag falle an, unabhängig davon ob Sommer oder Winter sei. Einige Lieferanten verlangten inklusive Liefergebühren sogar über 40 Prozent mehr. Wer etwa bei einem Berliner Gemüsekisten-Anbieter Bio-Lauch bestelle, zahle 3,10 Euro, berichtete die "Welt". Im Bio-Markt sei das Gemüse hingegen schon für 2,49 Euro zu haben.

Zweifelhafte Umweltbilanz

Neben den erhöhten Preisen spreche auch die Umweltbilanz nicht unbedingt für die Lieferdienst, erklärte der Agrar- und Lebensmittelexperte der Universität Kassel, Ulrich Hamm, gegenüber der Zeitung. So legten die Mitglieder des Lieferanten-Verbandes "Ökokiste" pro beliefertem Haushalt mit ihren Fahrzeugen im Schnitt 2,2 Kilometer zurück. Um dies auszugleichen, müssten Verbraucher mindestens auf 2,2 Kilometer Autofahrt verzichten, was allerdings nur selten der Fall sei.

Was vielen Verbrauchern nicht so klar sein dürfte: Längst nicht bei jedem Anbieter stammt das gelieferte Gemüse zum Großteil aus der Region. Von den 50 Verbandsmitgliedern, die 2010 beim Verband "Ökokiste" registriert waren, haben 30 zugesichert, dass mindestens die Hälfte des ausgelieferten Gemüses von den Betrieben selbst oder von anderen Anbietern aus einem Umkreis von 200 Kilometern kommt. Ansonsten kommt Ware aus dem  Gemüsegroßhandel in die Kiste, die man auch im Supermarkt bekommt. Fast alle Lieferdienste setzen dabei aber auf Produkte, die zumindest das EU-Bio-Siegel tragen.

In Deutschland gibt es schätzungsweise insgesamt 400 Anbieter, die Haushalten Gemüse in Kisten liefern. Insgesamt erwirtschaften diese Betriebe rund 100 Millionen Euro jährlich. Die Kisten werden oft im Abonnement geliefert, aber auch Einzelbestellungen sind möglich. Für die Lieferung fallen in der Regel Gebühren an, manchmal auch Kistenpfand. Zudem gilt meist ein Mindestbestellwert.

Quelle: ntv.de, ino/AFP