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Kursziel: 3000 Dollar Gold schützt vor Inflation

Mit Gold hinterlegte Wertpapiere können eine gute Anlage sein. Foto: Sven Hoppe

Für Gold sprechen im aktuellen Umfeld vor allem die niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen.

(Foto: dpa)

Gold zählt in diesem Jahr zu den besten Investments überhaupt. Das Plus beläuft sich schon auf mehr als 14 Prozent. Und die Rally könnte weitergehen. Denn Experten erwarten ein Anziehen der Verbraucherpreise.

Es herrscht Anlagenotstand. So sind deutsche Aktien, gemessen am Deutschen Aktienindex (Dax), trotz der hohen Kursverluste in der zweiten Juniwoche seit dem Tief Mitte März um sage und schreibe mehr als 40 Prozent gestiegen. Seit Jahresanfang liegt der Dax keine zehn Prozent im Minus. Dagegen brechen die Gewinne der entsprechenden Unternehmen sehr viel stärker ein. Unter dem Strich führt dies dazu, dass sich Aktien im Vergleich zum Jahresbeginn spürbar verteuert haben. Das gilt nicht nur für deutsche Anteilsscheine, sondern auch für amerikanische und weitere. Und Aktien waren schon vor der Corona-Pandemie nicht gerade günstig bewertet.

Gleichzeitig kommen die Renditen von Anleihen nicht aus dem Negativ-Bereich heraus. Die europäische Benchmark, deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, werfen schon seit geraumer Zeit Minus-Zinsen ab. Die Anleger zahlen also drauf, wenn sie dem Staat Geld leihen.

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Gold hat dagegen in diesem Jahr wieder zu seinem alten Glanz zurückgefunden. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) hat seit Anfang Januar um mehr als 200 Dollar zugelegt. Damit hat sich der Abstand zum Allzeithoch - das lag bei 1920 Dollar - auf weniger als 200 Dollar verkleinert. Und es könnte durchaus sein, dass der alte Höchststand noch in diesem oder im nächsten Jahr erneut in Angriff genommen wird. In Euro und vielen anderen Währungen bewegt sich das Edelmetall schon wieder auf Rekordniveau.

ETFs pushen Goldpreis

Nach den Angaben des World Gold Councils verzeichneten allein mit Gold unterlegte Indexfonds (ETFs) im ersten Quartal des laufenden Jahres Mittelzuflüsse, mit denen sie 298 Tonnen des Edelmetalls kauften. Ihre Bestände stiegen in gerade einmal drei Monaten um gut zehn Prozent auf 3185 Tonnen. Das entspricht ziemlich genau der weltweiten Förderung eines Jahres.

Es sind zurzeit vor allem diese ETF-Investoren, die den Goldpreis nach oben treiben. Für sie ist das Edelmetall vor allem eine Vermögensklasse, die mit Aktien und Anleihen konkurriert.

Für Gold sprechen im aktuellen Umfeld vor allem die niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen. In "normalen" Zeiten fallen bei dem Edelmetall sogenannte Opportunitätskosten an. Gemeint sind damit entgangene Zinsen von Anleihen. Wenn diese jedoch negativ rentieren, werden aus den entsprechenden Kosten Opportunitätsgewinne. Wahrscheinlich werden die Zinsen auch weiterhin im negativen Terrain verharren. Vor Kurzem erst hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihenkauf-Programm von 750 auf 1350 Milliarden Euro aufgestockt. Die US-amerikanische Fed kauft sogar unbegrenzt Wertpapiere. Damit stützen sie die Anleihen-Kurse und drücken die Zinsen nach unten.

Comeback der Inflation

Gleichzeitig ist es möglich, dass die Preise wieder stärker anziehen. Noch ist die Inflation durch die Corona-bedingte Rezession extrem niedrig. Dass muss aber aus zwei Gründen nicht so bleiben. Erstens herrscht aktuell nicht nur ein Nachfrage-, sondern auch ein Angebotsschock. Bis ein Impfstoff gefunden ist, dürften beispielsweise Hotels oder Flugzeuge nur in etwa die Hälfte ihrer früheren Kapazitäten anbieten.

Zweitens pumpen die verschiedenen Notenbanken und Regierungen sowohl die Finanzmärkte als auch die Realwirtschaften mit bislang unbekannten Mengen Geld voll. Das begrenzte Angebot an Waren und Dienstleistungen steht also einer deutlich größer gewordenen Menge Geld gegenüber. Dasselbe gilt natürlich auch fürs Gold. Lehrbuchmäßig müsste das zu steigenden Preisen führen.

Zur Diversifikation des Depots

Kehrt die Inflation tatsächlich zurück, dürften die Notenbanken sie erst einmal nicht bekämpfen. Denn würden sie die Zinsen anheben, liefen sie Gefahr, die sowieso schon schwer angeschlagene Konjunktur zusätzlich zu belasten. Einem solchen Vorwurf dürfte sich kaum ein Geldpolitiker aussetzen wollen. Außerdem wären steigende Preise durchaus willkommen, zumindest solange, wie sie nicht aus dem Ruder laufen. Denn erfahrungsgemäß gelingt es Staaten nur durch eine höhere Inflation (zusammen mit Wirtschaftswachstum), ihre Schuldenberge real abzutragen. Und die sind in den zurückliegenden Monaten in die Höhe geschossen.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen sind viele Banken und Vermögensverwalter optimistisch für den Goldpreis. Am bullishsten ist die Bank of America. Ihr Kursziel liegt bei 3000 Dollar. Das würde ein Plus von fast 75 Prozent bedeuten. Gold ist nicht nur aufgrund seiner Kursaussichten interessant. Das Edelmetall eignet sich auch gut zur Diversifikation des Depots, denn es korreliert negativ mit Aktien. Das bedeutet, dass sich meistens die beiden Anlegeklassen in entgegengesetzter Richtung entwickeln.

Anleger sollten beachten, dass sie beim Erwerb von Anlagegold, also Barren und Münzen, teilweise hohe Aufgelder zahlen. Außerdem müssen sie sich bei Käufen für mehr als 2000 Euro ausweisen. Preiswerter und einfacher zu ordern ist Xetra-Gold. Dabei handelt es sich um eine Inhaberschuldverschreibung, also eine Anleihe, die mit physischem Gold unterlegt ist. Bei Anleihen besteht grundsätzlich das Risiko, dass der Emittent ausfällt. Sowohl bei Anlage- als auch bei Xetra-Gold sind etwaige Kursgewinne bei einem Verkauf nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei. Gold-Aktien sind sicherlich spekulativer und unterliegen dem allgemeinen Aktienrisiko.

Über den Autor: Wolfgang Böhm arbeitet als freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Quelle: ntv.de