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Öko-Test beunruhigtHähnchenbrustfilet: Über die Hälfte mit antibiotikaresistenten Keimen belastet

06.01.2026, 12:22 Uhr
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Die Belastung ist dem Fleisch nicht anzusehen. (Foto: imago/Westend61)

14 von 23 Hähnchenbrustfilets fallen wegen der Belastung mit antibiotikaresistenten Keimen im Öko-Test durch. Was darauf hinweist, dass die Geflügelfleischindustrie massiven Anteil daran hat, Krankheitserreger in die Umwelt und in die Lebensmittelkette einzuschleppen.

Eins vorneweg: Es gibt keine Organismen ohne Keime und Bakterien. Das gilt auch für Hühner. Dass die als Nahrungsmittel besonders gefragt sind, macht die Sache aber problematisch. Denn sie enthalten oft auch vermehrt resistente Bakterien, wie Öko-Test festgestellt hat. Die Tester hatten 23 Hähnchenbrustfilets im Labor auf antibiotikaresistente Keime untersuchen lassen. Einheitlich auf 1000 Gramm umgerechnet bezahlten die Tester dafür zwischen 8,32 und 39,90 Euro.

7 Bio-Hähnchen und 7 Hähnchen aus konventioneller Haltung stufen die Verbraucherschützer als "bedenklich" ein. Testnoten wurden nicht vergeben. Akut gesundheitsgefährdend sind die Belastungen zunächst nicht, aber antibiotikaresistente Keime sind weltweit eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit, weil sie dazu führen, dass eigentlich gut behandelbare Infektionen zunehmend schwerer therapierbar sind. Dass auch Bio-Fleisch im Test betroffen ist, kann unter anderem an Kreuzkontaminationen in Schlachthöfen liegen, wo oftmals Tiere aller Haltungsformen verarbeitet werden und die Keime entsprechend übertragen werden können.

In der Vergangenheit ließen bereits Stichproben von Ämtern und Institutionen darauf schließen, dass die Geflügelfleischindustrie in hohem Maße dafür verantwortlich ist, antibiotikaresistente Krankheitserreger in Umlauf zu bringen. Landet belastetes Fleisch in unseren Küchen, können sich die Keime bei mangelnder Hygiene auf den Menschen übertragen und Infektionen auslösen. So können sie sich immer weiter verteilen und vermehren - mit der fatalen Folge, dass Antibiotika in vielen Fällen nicht mehr wirken.

Antibiotikaminimierungskonzept scheint nicht zu wirken

Der Einsatz von Antibiotika ist in der konventionellen Massentierhaltung weit verbreitet. Bemühungen, diesen durch das gesetzlich verankerte Antibiotikaminimierungskonzept zu verringern, um unter anderem die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen aufzuhalten, scheinen nicht zu wirken. Laut eines Berichts des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gab es 2024 in keiner Wirkstoffklasse einen Rückgang der absoluten Verbrauchsmengen.

Unauffällig bei der Antibiotikaresistenz waren unter anderem die "Bio Hähnchenbrustfilet Teilstücke" von Aldi Nord, das "K-Bio Frisches Hähnchen-Brustfilet" von Kaufland, das "Bio Hähnchenbrustfilet, Naturland" von Rewe und das "Metzgerfrisch Frische Hähnchen-Brustfilet-Teilstücke" von Lidl.

Grundsätzlich ist zu beachten: Damit der Verzehr von Hühnerfleisch nicht in die Hose geht, sind Verbraucher aufgefordert, auf Hygiene zu achten. Damit Keime und Bakterien nicht überhandnehmen, gehören gekaufte Keulen sofort in den Kühlschrank. Vor und nach der Zubereitung sollten die Hände sorgfältig gewaschen werden. Rohes Geflügel, Fleisch und Fisch werden am besten in einem gesonderten Küchenbereich mit eigenen Messern und Brettchen zubereitet. Aber immerhin: Das vollständige Durchgaren oder -braten tötet Keime und Bakterien, auch die schädlichen und resistenten.

Quelle: ntv.de, awi

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