Ratgeber

Erst Falschberatung, jetzt Verjährung? Immofonds-Anlegern rennt Zeit davon

Sicherheit und Stabilität versprachen sich Anleger, die in Offenen Immobilienfonds investierten. Die Finanzkrise machte einen Strich durch diese Rechnung. Große Fonds wurden eingefroren und werden mittlerweile abgewickelt. Nur bis Jahresende können Anleger noch mit juristischen Mitteln an ihr Geld kommen.

Die zehnjährige Spekulationsfrist für geschlossene Immobilienfonds bleibt erhalten. Erträge aus Vermietungen und Verpachtungen werden auch nach 2009 mit dem persönlichen Steuersatz belegt.

Ob Anleger geschlossener Offener Immobilienfonds ihr investiertes Kapital zurückerhalten, kommt einem Glücksspiel gleich.

Wem die Eigentumswohnung oder ein eigenes Haus zu teuer ist, der kann sich durch die Investition in Offene Immobilienfonds (OIF) mit vergleichsweise kleinen Beträgen an Immobilienprojekten beteiligen. Auf diese Weise können Anleger ihre Kapitalanlage innerhalb dieses Segments breit streuen. Viele sicherheitsorientierte Kleinanleger griffen in der Vergangenheit auf Empfehlung ihrer Bank beherzt zu.

Mit der Finanzkrise 2008 endete der Traum von der sicheren Geldanlage. Weil vor allem Großanleger massiv Geld abzogen, das sie in den Immobilienportfolios geparkt hatten, gerieten zahlreiche der ansonsten solide wirtschaftenden Fonds in Schwierigkeiten.

Als Konsequenz daraus verloren die Anteile massiv an Wert. Die Rücknahme der Fondsanteile wurde durch die Gesellschaften ausgesetzt, ein Verkauf dieser war und ist nur über die Börse möglich - meist mit hohen Abschlägen. Viele OIF sind seitdem geschlossen und befinden sich in Auflösung - Anleger sollen hier ihr Geld in Tranchen zurück erhalten. Wie viel dabei tatsächlich herumkommt, ist allerdings ungewiss.

Betroffene Anleger, die sich nicht auf die planmäßige Abwicklung durch die Fondsgesellschaften verlassen möchten, sollten sich überlegen, ob sie Ansprüche wegen Falschberatung gegenüber dem seinerzeit beratenden Geldinstitut geltend machen. Denn mit Ende des Jahres läuft die Verjährungsfrist für einige Produkte ab. Diese beginnt ab Kenntnis der Falschberatung, welche mit der Schließung der entsprechenden Fonds erfolgt sein kann. Wenn die Schließung 2010 bekanntgegeben wurde, verjähren die Ansprüche auf Schadensersatz wegen Fehlberatung somit am 31.12.2013.

BGH-Urteil soll für Klarheit sorgen

Fehlerhaft kann eine Beratung dann gewesen sein, wenn bei der Vermittlung der Anlage nicht über das Aussetzen der Rücknahme der Anteile oder über das Schließungsrisiko des OIF aufgeklärt wurde. Bisher konnten sich die Gerichte noch auf keine einheitliche Rechtsprechung einigen.

So ist das Oberlandesgericht Dresden der Auffassung, dass im Frühjahr 2008 (noch) nicht über die Möglichkeit einer dauerhaften oder vorübergehenden Aussetzung der Anteilsrücknahmen habe aufgeklärt werden müssen.

Demgegenüber hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main aus dem zwischen den Parteien geschlossenen Anlageberatungsvertrag eine generelle Pflicht der beratenden Bank gefolgert, auf die mögliche zeitweilige Aussetzung der Anteilsrücknahme hinzuweisen.

Im Frühjahr 2014 wird sich der Bundesgerichtshof der Problematik annehmen. Wer bis Ende des Jahres nicht seine Ansprüche geltend gemacht hat, für den wird die Grundsatzentscheidung allerdings ohne Bedeutung sein.

Quelle: ntv.de