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Romanzen und Lottogewinne Internetbetrug hat viele Facetten

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Ist Geld bereits überwiesen oder sind die persönlichen Daten schon übermittelt, sollte die Polizei eingeschaltet und Anzeige erstattet werden.

(Foto: imago/Ikon Images)

Mal soll man ein immenses Erbe antreten, mal einem Menschen in Not helfen: Um an Geld zu kommen, erfinden Betrüger im Internet die abenteuerlichsten Geschichten. Oder sie versprechen die große Liebe.

Auf den ersten Blick wirkt die E-Mail wirklich so, als bräuchte ein Freund Hilfe. Er ist im Ausland im Krankenhaus, die Kosten steigen. Er bittet um finanzielle Unterstützung mithilfe einer Kreditkartenzahlung, die man mittels eines Links in der E-Mail auslösen kann. Doch wer jetzt seine Daten eingibt, bei dem hat die Falle zugeschnappt. Denn hier sind ziemlich sicher Betrüger am Werk. Der vermeintliche Freund liegt vermutlich am Strand und sonnt sich.

Das Tückische an dem Betrugsversuch: Die Nachricht könnte tatsächlich über die richtige E-Mail-Adresse des Freundes geschickt worden sein. "Es kann durchaus sein, dass Hacker durch einen Cyberangriff Zugriff auf das Mailkonto des Bekannten bekommen haben", erläutert Fabian von Keudell von der Fachzeitschrift "Chip". Das Problem: Wenn Betrüger darüber die Mails versenden, sei das eine legitime Mail und werde durch keine Technik herausgefiltert.

Häufig greifen Betrüger auch zu Mailadressen, die einer bekannten Adresse zum Verwechseln ähnlich sehen, jedoch minimale Abweichungen aufweisen. Manche sind allerdings fehlerfrei: "Mit genug krimineller Energie lassen sich auch Mailadressen so fälschen, dass diese echt aussehen und keine Fehler enthalten", sagt von Keudell.

Romantik als Betrugsmasche

Eine andere Betrugsmasche ist sogenanntes Romance-Scamming. Der Name verrät es schon: Über Singlebörsen oder ähnliche Plattformen werden Nutzer unvermittelt und meist auf nette Art und Weise kontaktiert. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Chat-Einladung dient oft als Lockmittel. Allerdings gebe es auch viele, die perfekt Deutsch beherrschen, sagt Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Darauf folgen können ellenlange Nachrichten mit vielen Liebesschwüren oder ein vermeintlich echtes Interesse an der Person. "Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle", hat Schmidt beobachtet. Sehr schnell kommt es aber zu Geldforderungen - für die Behandlung nach einem angeblichen Unfall oder weil der Chef keinen Lohn gezahlt hat. Alles vorgetäuschte Szenarien, natürlich.

Lottogewinne werden nicht per E-Mail verkündet

Und wer plötzlich mit einer E-Mail über ein unverhofftes Erbe oder einen hohen Lotteriegewinn in Kenntnis gesetzt wird, sollte zunächst einmal gründlich den Absender kontrollieren. Es könnte sich um Post von der sogenannten Nigeria-Connection handeln.

Die Absender geben sich in der Regel als hochrangige Staatsbürger, Adelige, Rechtsanwälte, Bankmitarbeiter oder Soldaten aus, erklärt Hans-Joachim Henschel vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen. Oft schrieben sie auf Englisch oder in schlechtem Deutsch - das weist darauf hin, dass wohl Übersetzungsprogramme genutzt worden sind.

Beim häufigsten Szenario erfinden die Täter ein hohes Erbe und nennen eine Person, die im Zusammenhang mit dem Angeschriebenen stehen soll. Mit einem Trick, heißt es in der Nachricht, könne man die Behörden vor Ort hintergehen und am Ende den Geldsegen teilen.

Tatsächlich wollen die Verbrecher aber nur finanzielle Vorleistungen und sensible Dokumente wie Ausweiskopien oder Bankdaten ergaunern, die für weitere Betrügereien verwendet werden.

Hat das Opfer angebissen, versuchen die Täter an weiteres Geld zu gelangen, indem immer neue angebliche Probleme auftauchen, die sich immer mit weiteren Zahlungen beseitigen lassen, so Henschel.

Betrügerische Mails löschen

Wenn Nutzer eine betrügerische E-Mail erkennen, sollte sie diese löschen und als Spam markieren. So lässt sich der eigene Mailfilter anlernen, so dass künftige Nachrichten dieser Art gleich im Spamordner landen. Außerdem bietet das LKA Niedersachsen an, dass Nutzer die Polizei darüber in Kenntnis setzen. Die Mails können an die Adresse trojaner@polizeilabor.de weitergeleitet werden.

Im Fall von Romance-Scamming empfiehlt Schmidt, den Kontakt zum Betrüger sofort zu blockieren und auf keine Forderungen einzugehen. Zudem sei es sinnvoll, alle Mails und Chat-Protokolle zu sichern und damit zur Polizei zu gehen. Bei einer vermeintlichen Kontaktaufnahme durch einen Bekannten oder Freund empfiehlt es sich, denjenigen im Zweifel zum Beispiel durch einen telefonischen Anruf direkt zu kontaktieren und nachzufragen, ob die Nachricht sicher von ihm kam.

Persönliches Wissen abfragen

Fabian von Keudell rät: "Wer keine Möglichkeit hat, den Bekannten telefonisch zu erreichen, der fragt per Mail nach einer Information, die nur der Bekannte kennt." So lasse sich die Identität checken.

Ist Geld bereits überwiesen oder sind die persönlichen Daten schon übermittelt, sollte die Polizei eingeschaltet und Anzeige erstattet werden. "Dazu werden der bisher geführte Schriftverkehr, aber auch die entsprechenden Zahlungsbelege benötigt", sagt Henschel. Sinnvoll ist es auch, den Mailverkehr im Original zu behalten, da sich aus den Mail-Quelldaten unter Umständen zusätzliche Daten gewinnen lassen.

Wer den Betrug im Nachhinein doch noch erkennt, dem bleiben oft nur wenige Tage, um das Geld zurückzuholen. Häufig schlagen die Verbrecher auch eine Abwicklung über einen Bargeldtransferdienst vor. Hier muss man wissen: Ist das Geld abgeholt worden, kann es nicht mehr zurückgerufen werden.

Quelle: n-tv.de, Maximilian Konrad, dpa

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