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Mittel gegen Erkältungen im Test Kombi-Präparate taugen nichts

Die Krankschreibungen wegen Erkältungen häufen sich. Ebenso die Zahl derer, die sich mit vermeintlich hilfreichen Kombi-Produkten gegen Grippe zur Arbeit schleppen. Doch diese Medikamente können den Körper unnötig belasten, sagt Stiftung Warentest.

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Wer unter starken Beschwerden leidet, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jedem, der schon eine Apotheke wegen einer Erkältung aufgesucht hat, sind sie bekannt: Aspirin Complex, Grippostad C oder Wick MediNait. Die viel be worbenen Mittel werden gerne als erste Wahl gegen Fieber, Husten, Schnupfen und Heiserkeit angeboten. Doch nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest sind die acht meistverkauften Kombinations-Präparate wenig geeignet, um den Körper gegen einen grippalen Infekt sinnvoll zu stärken.

Dabei versprechen die Medikamente, gleichzeitig mehrere Symptome einer Erkältung mit unterschiedlichen Wirkstoffen zu bekämpfen. Die aber ergänzen sich oft nicht sinnvoll oder belasten den Körper unnötig, sagen die Tester.

Mit 30 Prozent Marktanteil ist Grippostad C das im Jahr 2012 meistverkaufte Medikament des untersuchten Segments. Es enthält unter anderem die Wirkstoffe Chlorphenamin, Parazetamol, Koffein und Vitamin C. Ersterer soll die Schleimhäute abschwellen und die Atemwege befreien. Das Problem: Chlorphenamin wirkt nicht lokal, sondern der Stoff macht müde. Koffein soll diesen Effekt ausgleichen. Ob das gelingt, ist allerdings nicht belegt.

Wenig sinnvoll und teuer

Noch kritischer sehen die Warentester Wick MediNait. Das Medikament verspricht eine erholsame Nachtruhe – die Krankheit soll während des Schlafes im Hintergrund bekämpft werden. Es enthält Ephedrin und Doxylamin. Die Wirkstoffe sollen die Schleimhäute abschwellen. Ephedrin kann jedoch starke Nebenwirkungen wie Herzrasen und Bluthochdruck auslösen, Doxylamin wird auch als Schlafmittel eingesetzt und macht entsprechend müde. Zudem enthält das Präperat 18 Prozent Alkohol, was die negative Wirkung der anderen Inhaltstoffe noch verstärkt. Im Endeffekt unterdrückt der viel gepriesene Sirup die Symptome lediglich.

Doch egal, ob die genannten Mittel oder Aspirin Complex, Esberitox, Wick DayMed Kombi, Dogregrippin - die bessere und günstigere Wahl wäre laut Warentest eine Einzelmedikation gegen das jeweilige Symptom, etwa ein konservierungsmittelfreies Nasenspray gegen Schnupfen. Es wirkt nur lokal und belastet nicht den ganzen Körper. Gegen Schmerzen und Fieber kann der Kranke zu einem Schmerzmittel greifen - gegen Husten zu einem preisgünstigen Hustenlöser.

Die einzelnen Medikamente können abgesetzt werden, wenn das jeweilige Symptom beseitigt ist. Kombiprodukte hingegen werden meist so lange genommen, bis alle Symptome beseitigt sind.

Gründe dafür, warum die wenig geeigneten Kombi-Medikamente dennoch Verkaufsschlager sind, nennt Professor Gerd Glaeske, Arzneimittelexperte an der Universität Bremen. Demnach bekommen Apotheken für Präparate, die besonders über die Werbung bekannt sind, günstige Einkaufskonditionen. Hier sind bei frühzeitiger Bestellung Rabatte zwischen 15 und 20 Prozent für sie drin. Und auch wenn ein Kunde ein Medikament aus der Werbung kennt und gezielt danach frage, wird ihm nur selten davon abgeraten, so der Experte. Letztendlich steht also nicht selten der Umsatz der Apotheken im Vordergrund und weniger das Wohl des Kranken.

Quelle: n-tv.de, awi

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