Ratgeber

Polizeischüler droht Kündigung Kostet der Porno-Dreh den Job?

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Nicht nur Beamte müssen bei ihrer Freizeitgestaltung Regeln beachten

"Pimmel-Bingo" klingt erst mal aufregend, kann aber Ärger bringen. Nämlich dann, wenn es sich bei der Aktivität um einen Sexfilm-Dreh handelt und man im wirklichen Leben Beamter auf Widerruf ist. Aber auch bei normalen Jobs ist das Freizeitverhalten nicht egal.

Was Arbeitnehmer in ihrer Freizeit so treiben, sollte dem Arbeitgeber eigentlich Wurst sein. Sollte man meinen. Im Falle von Briefmarkensammeln, Kaninchenzüchten oder aber auch nur drögem Fernsehschauen ist dem sicherlich auch so.

Schwieriger wird es allerdings, wenn die private Zeit für Aktivitäten der besonderen Art genutzt wird. Diese Erfahrung muss derzeit ein Berliner Polizeischüler machen, der neben seiner Ausbildung in einem Sexfilm mit dem Titel "Pimmel-Bingo" mitgewirkt hat, welcher sowohl als DVD als auch im Internet erhältlich ist. Ungut für den Beamten auf Widerruf ist nun, dass auch sein Dienstherr auf den cineastischen Erguss seines Schülers aufmerksam wurde.

Gegenüber der "Bild"-Zeitung äußerte sich denn auch ein Ausbilder der Berliner Polizeiakademie in Spandau wenig amüsiert: "Wir dachten, uns fallen die Augen raus, als die Filmsequenzen hier die Runde machten." Auch der Polizeisprecher fand deutliche Worte: "Das Ansehen der Polizei wird durch solche Aufnahmen geschädigt." Was wiederum gegen Beamtenrecht verstößt und somit einen Rauswurf rechtfertigen könnte. Zudem ist es werdenden Polizisten ausdrücklich untersagt, in solchen Filmen mitzuwirken. Die Berliner Polizei überprüft nun die charakterliche Eignung des jungen Mannes. Sprich: Ihm droht die Kündigung. Da es sich bei dem Delinquenten um einen Beamten auf Widerruf handelt, ist die Trennung für den Dienstherrn umso leichter.

Wann es auch für Nicht-Beamte eng wird

Geklärt werden muss nun, ob der Sex-Darsteller für seine Dienste monetär vergütet wurde. Dies würde die Verfehlung noch verschärfen. Denn jede entgeltliche Nebentätigkeit muss im Polizeidienst zuvor genehmigt werden, auch um Bestechlichkeit auszuschließen. 

Aber nicht nur Beamte müssen bei ihrer Freizeitgestaltung Regeln beachten. Zwar droht normalen Erwerbstätigen bei einem Verstoß gegen die Pflicht zur Anzeige einer Nebentätigkeit in aller Regel nur eine Abmahnung, bei anderem Fehlverhalten kann hingegen der Rauswurf drohen. Beispielsweise dann, wenn eine Rufschädigung des Arbeitgebers vorliegt. Infrage kommen hier nicht nur Porno-Drehs, sondern auch private Äußerungen auf sozialen Netzwerken, die gegen Gesetze verstoßen oder den Arbeitgeber diskreditieren, sowie kriminelle Handlungen. 

Die Rechtsanwältin Dr. Alexandra Henkel M.M. verweist an dieser Stelle insbesondere auf Straftaten. So können diese, auch außerhalb des Arbeitsverhältnisses begangen, Kündigungen rechtfertigen, wenn sich aus dem außerdienstlichen Verhalten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit oder der Eignung des Arbeitnehmers ergeben, oder wenn das Arbeitsverhältnis dadurch massiv belastet wird. Liegt beispielsweise eine strafrechtliche Verurteilung wegen Vermögensdelikten vor, dann kann dies die Kündigung eines Mitarbeiters der Buchhaltung oder eines Kassierers rechtfertigen. Gleiches gilt auch, wenn etwa ein Lkw-Fahrer privat zu Drogen greift und dadurch seine Fahrtüchtigkeit gefährdet, wie das Bundesarbeitsgericht entschieden hat (Az.:6 AZR 471/15). Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Droge vor oder während der Arbeitszeit konsumiert wurde.   

Quelle: ntv.de

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