Ratgeber

Im Schnitt auf 1,3 Prozent Krankenkassen-Zusatzbeitrag soll steigen

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Es gibt nach wie vor besonders preisgünstige Krankenkassen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Für die Krankenversicherungen ist die Corona-Pandemie eine Sonderlage - auch finanziell. Jetzt hat die Bundesregierung geklärt, wie Mehrausgaben ab 2021 gestemmt werden sollen - auch die Beitragszahler sollen ins Boot.

Wegen eines Milliardenlochs bei den gesetzlichen Krankenkassen in der Corona-Krise müssen sich die Mitglieder im neuen Jahr auf etwas höhere Beiträge gefasst machen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag für 2021 soll um 0,2 Punkte auf 1,3 Prozent steigen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Finanzminister Olaf Scholz vereinbarten.

Die konkrete Höhe des Zusatzbeitrags legen die Kassen dann aber jeweils selbst für ihre Mitglieder fest, sie können dabei vom Durchschnitt abweichen. Der Gesamtbeitrag umfasst daneben den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent - im Schnitt würde er also von derzeit 15,7 Prozent auf 15,9 Prozent 2021 steigen. Über höhere Zusatzbeiträge sollen drei Milliarden Euro hereinkommen.

Acht Milliarden Euro aus Reserven der Kassen

Um den gesamten Zusatzbedarf von 16 Milliarden Euro für 2021 zu decken, sollen weitere acht Milliarden Euro aus Reserven der Kassen aufgebracht werden. Dazu kommt ein extra Bundeszuschuss von fünf Milliarden Euro auf insgesamt 19,5 Milliarden Euro, heißt es in einem zwischen beiden Ministerien abgestimmten Konzept.

Die Bundesregierung hatte betont, die Sozialbeiträge gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise unter 40 Prozent halten zu wollen. "Im Ergebnis bleibt der Gesamtsozialversicherungsbeitrag im Jahr 2021 mit 39,95 Prozent unterhalb der 40-Prozent-Marke", heißt es im Papier. Derzeit sind es 39,75 Prozent: 18,6 Prozent des Bruttolohns für die Rente, 2,4 Prozent für die Arbeitslosenversicherung, 15,7 Prozent für die Krankenversicherung, 3,05 Prozent für die Pflege. Allerdings hat die Rechnung für 2021 einen Schönheitsfehler: Denn für Kinderlose beläuft sich der Pflegebeitrag auf 3,3 Prozent. In Summe wären dies bereits mehr als 40 Prozent an Sozialbeiträgen - nämlich 40,25 Prozent.

Der vereinbarte Finanzierungsmix vermeidet demnach nun eine rein rechnerisch mögliche Verdoppelung des Durchschnitts-Zusatzbeitrags auf 2,2 Prozent. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände begrüßte, dass die Sozialbeiträge unter der 40-Prozent-Marke bleiben. "Nur dann kann Deutschland gut aus der Krise kommen, wirtschaftlich genesen und Beschäftigung gesichert bleiben", sagte Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter. Anders als zugesagt, würden nun aber nicht alle Mittel zum Einlösen der Garantie aus Steuergeld gezahlt.

Plus von 1,3 Milliarden Euro

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"Verlässliche Politik sieht anders aus." Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) monierten, der Bundeszuschuss sei unzureichend. "Dass ein Gros dieser Mittel nun doch allein vom Beitragszahler aufgebracht werden soll, halten wir für falsch", sagte der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch. Einen zusätzlichen Bedarf von 16,6 Milliarden Euro für 2021 hatten Spahn und die Kassen Anfang September abgeschätzt.

Hintergrund ist, dass die Corona-Krise zum einen Mehrausgaben bringt. Zum anderen sanken aber Ausgaben für Behandlungen in Praxen und Krankenhäusern, viele Operationen wurden abgesagt. Unter dem Strich verbuchten die Kassen im ersten Halbjahr 2020 ein Plus von 1,3 Milliarden Euro. Die Entwicklung ist aber mit Blick auf Corona-Krise und Arbeitsmarkt ungewiss, Ausgaben für Behandlungen könnten nachgeholt werden. Für dieses Jahr gibt der Bund schon 3,5 Milliarden Euro zusätzlich.

Quelle: ntv.de, awi/dpa