Ratgeber

Tenhagens Tipps Welche Krankenkassen bieten am meisten?

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Wechselwillige sollten prüfen, ob die neue, günstigere Krankenkasse auch alle gewünschten Extraleistungen anbietet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung kann gespart werden. Denn neben dem allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent wird der Zusatzbeitrag von jeder Krankenkasse individuell festgelegt. Welche Kasse das größte Sparpotenzial, welche die besten Leistungen bietet und was es sonst noch zu beachten gibt, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen.

Wie hoch ist denn derzeit der durchschnittliche Zusatzbeitrag? Hat sich die Corona-Krise hier schon bemerkbar gemacht?

Der liegt nach wie vor bei knapp einem Prozent. Die Krankenkassen haben bisher ihre Beiträge noch nicht erhöht - trotz Corona. Auch wenn es hinter den Kulissen viele Diskussionen gegeben hat, ob sie das tun müssen oder ob der Staat die zusätzlichen Leistungen (also vor allem das millionenfach Testen ) finanzieren muss. Im Moment sollte aber niemand wegen möglicher Erhöhungen in Aktionismus verfallen. Derzeit gilt es die Entwicklungen abzuwarten und die Füße still zu halten.

Und solange die Dinge sind, wie sie sind, welche ist denn die derzeit günstigste bundesweite Krankenkasse?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Die günstigste bundesweite ist die HKK, die liegt bei 14,99 Prozent Beitrag. Regional toppt das noch in Hamburg die BKK Regio mit 14,95 Prozent. In Sachsen-Anhalt nimmt die dortige AOK gar keinen Zusatzbeitrag. Hier kann man sich also für 14,6 Prozent versichern.

Wie viel Geld lässt sich sparen?

Teure Krankenkassen liegen deutlich über 16 Prozent. Bei einem Bruttolohn von 4000 Euro monatlich wären das im Vergleich zur AOK Sachsen-Anhalt dann 70 Euro. Die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber, bleiben also 30 Euro mehr Beitrag im Monat für den Arbeitnehmer. Oder 350 Euro im Jahr.

Sollte die günstigste Kasse auch immer die erste Wahl sein?

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Quelle: Finanztip

Nein. Der Kern der Kassenleistung ist ja überall identisch. Und dann gibt es noch Zusatzleistungen. Hier muss jeder für sich schauen, ob Leistungen, auf die man besonderen Wert legt, im Leistungskatalog der Kasse enthalten sind. Wir bei Finanztip bewerten jedes Jahr zusätzliche Kriterien wie Service, Familie, Vorsorge und Alternativmedizin. Die leistungsstärkste Kasse in diesem Zusammenhang ist bei uns die IKK Classic - die kostet 15,6 Prozent, gefolgt von der HEK (15,6 Prozent). Den dritten Platz belegt dann aber auch schon die bereits genannte HKK.

Abgesehen davon hat ja der eine oder andere in Zeiten von Corona gemerkt, ob die eigene Krankenkasse bei einer Corona-Erkrankung gut funktioniert hat. War dies nicht der Fall, wäre das jetzt ein besonders guter Anlass, die Kasse zu wechseln.

Wie läuft denn ein möglicher Wechsel?

Im Normalfall kündigt man bei seiner Krankenkasse. Diese muss die Kündigung innerhalb von 14 Tagen bestätigen. Zeitgleich sollte man sich um die Mitgliedschaft bei der neuen Krankenkasse bemühen. Diese darf Versicherten auch dann nicht verwehrt werden, wenn sie bereits älter oder gerade in Behandlung sind. Eine Kündigung ist immer zwei Monate zum jeweiligen Monatsende möglich. Wer also jetzt im Juni kündigt, könnte dann zum 1. September in der neuen Kasse sein.

Ein Musterschreiben, wie man die alte Krankenkasse kündigt, findet sich auf unserer Seite. Natürlich sollte man auch seinen Arbeitgeber über den Wechsel der Krankenkasse informieren, denn der überweist ihr ja den Beitrag.

Gibt es auch Sonderfälle bei der Kündigung?

Ja, Versicherte müssen seit mindestens 18 Monaten Mitglied ihrer Krankenkasse sein, bevor sie zur Kündigung berechtigt sind. Es sei denn, die Kasse erhöht den Zusatzbeitrag. Dann besteht Sonderkündigungsrecht bis zu dem Monat, in dem der Beitrag erhöht wird. Wer jetzt also eine Beitragserhöhung zum 1. August bekäme, hätte bis zum 31. August ein Sonderkündigungsrecht.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de