Ratgeber

Sieben Prozent für immer passé Lebensversicherer senken Zinsen

Wieviel Geld Kunden am Ende von ihrer Lebensversicherung erwarten können, hängt nicht nur von der laufenden Verzinsung ab - aber auch. Weil am Kapitalmarkt auf absehbare Zeit keine großen Sprünge mehr zu machen sind, senken diverse Versicherer erneut ihre Zinsen. Der Marktführer Allianz gibt den Takt vor.

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Wenigstens der Garantiezins ist sicher. Für Altverträge aus den 90er Jahren gibt es teilweise noch vier Prozent.

(Foto: wilhei, pixelio.de)

Das waren noch Zeiten, als Lebensversicherungen locker sechs oder sieben Prozent Zinsen abwarfen. Vor gut zehn Jahren galten solche Renditen noch als normal. Heute müssen sich Versicherte mit deutlich weniger bescheiden: Beim Marktführer Allianz sinkt die laufende Verzinsung der Sparanteile um 0,1 Prozentpunkte auf nunmehr 4,0 Prozent. Damit liegt der größte Versicherungskonzern ganz knapp überm Marktdurchschnitt von 3,99 Prozent.

Vor dem Hintergrund der veränderten Kapitalanlagewelt sei die Anpassung der laufenden Verzinsung unvermeidlich, rechtfertigt Maximilian Zimmerer, Vorstand der Allianz Leben, die wiederholte Absenkung. Schließlich sei das Zinsniveau zehnjähriger Bundesanleihen allein zwischen Januar und November von 2,9 Prozent auf 1,8 Prozent gefallen, eine nachhaltige Zinssteigerung bei sicheren Wertpapieren sei nicht in Sicht.

Auch Spitzenreiter senkt ab

Vor diesem Problem steht nicht nur die Allianz, sondern die gesamte Branche: Nach Recherchen des "Versicherungsjournals" haben mindestens sieben weitere große Gesellschaften eine Absenkung der laufenden Verzinsung angekündigt. Weitere dürften jetzt nach der Ankündigung der Allianz nachziehen. Den größten Sprung nimmt die Alte Leipziger vor, die ihre Verzinsung um 0,25 Prozentpunkte auf 3,85 reduziert. Auch Axa, DBV und die Provinzial Hannover drehen die Schraube nach unten. Ebenso die Europa, die mit 4,35 Prozent aber immer noch an der Spitze mitmischt. Ganz oben steht jetzt die Interrisk, die ihre laufende Verzinsung mit 4,4 Prozent auf Vorjahresniveau hält.

Was Lebensversicherte stets beachten müssen, aber gern vernachlässigen: Zinsen gibt es nur für den Sparanteil, nicht auf die gesamten Beiträge. Entscheidend ist also immer auch die Kostenquote der Versicherung. Wie hoch die ausfällt wird ersichtlich, wenn man sich die Modellrechnungen der Versicherer anhand des Garantiezinses anschaut. Ihre Kostenüberschüsse müssen die Versicherer zu 50 Prozent mit den Kunden teilen.

Laufender Zins ist nicht alles

Weit größer als die Kostenüberschüsse sind in der Regel die Risikogewinne. Im Fall der Lebensversicherung entstehen sie, wenn weniger Kunden vor Vertragsablauf sterben als einkalkuliert. 75 Prozent dieser Risikogewinne müssen die Versicherer an ihre Kunden weitergeben. Darüber hinaus müssen die Kunden seit 2008 auch an den stillen Reserven beteiligt werden. Zu guter Letzt weisen viele Versicherer am Ende der Vertragslaufzeit auch noch einen Schlussüberschuss aus. Allein aus der laufenden Verzinsung lässt sich die Rendite also nicht vorhersagen.

Eins steht allerdings fest: Werte wie in früheren Jahren lassen sich mit Lebensversicherungen nicht mehr einfahren. Das muss bei den Versicherten aber erst einmal ankommen. Als die Allianz vor einigen Monaten Verbraucher zu ihren Erwartungen bezüglich langfristiger Geldanlagen befragen ließ, zeigten sich viele optimistisch. Ein Fünftel der Teilnehmer spekulierte bei Anlagen von mehr als zehnjähriger Laufzeit auf mindestens sieben Prozent Rendite. Immerhin ein Viertel rechnete mit fünf Prozent oder mehr. Zimmerer hält solche Erwartungen für unangemessen: "Wir müssen verstehen, dass solche Renditen der Vergangenheit angehören und sich nicht ohne weiteres auf die Zukunft übertragen lassen", mahnt der Allianz-Mann.

Quelle: ntv.de, ino

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