Ratgeber

Energetische Gebäudesanierung Letztlich profitieren alle

Die Energiewende per Gesetz wird es nicht geben. Das ist jetzt klar. Trotzdem müssen Vermieter und Mieter umdenken. Bei immer weiter steigenden Energiekosten muss zwangsläufig gespart werden. Langfristig bringt dies für alle Seiten Vorteile.

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Die energetische Gebäudesanierung zahlt sich langfristig aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Von 18 Millionen Gebäuden müssen rund zwölf Millionen saniert werden. Ab 2011 soll die Sanierungsrate von einem auf zwei Prozent pro Jahr verdoppelt werden. In den nächsten 40 Jahren soll der Energieverbrauch fürs Heizen um bis zu 80 Prozent sinken.

Union und FDP wollen zwar 950 Millionen Euro im kommenden Jahr für das Dämmen von Hauswänden, Austauschen alter Heizkessel und mehrfach verglaster Fenster bereitstellen. Das ist aber nur knapp die Hälfte des Geldes aus den Vorjahren. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung halten fünf Milliarden pro Jahr für notwendig.

Aufschreie gibt es bei den Vermietern und den Mietern. Beide Seiten sehen sich im Nachteil. Der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Franz- Georg Rips, hat den Vorstoß von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert. Diese hatte durchblicken lassen, dass Mieter mit höheren Mieten rechnen müssten. Rips kontert, dass die Kosten für die angestrebte Wärmedämmungs-Offensive bei den Gebäuden könnten nicht nur zu Lasten der Mieter gehen dürften.

Kostenumlage auf Mieter

Nach der bisherigen Rechtssituation ist es bereits möglich, bis zu elf Prozent der Kosten für mehr Energieeffizienz in Gebäuden auf die Mieter umzulegen, sagte Rips. "Rechtlich geht das, es geht aber an der Realität vorbei." Wenn das Austauschen von Fenstern und Dämmen der Wände 30.000 Euro kostet, könnte die Jahresmiete um 3300 Euro steigen. "Das wären pro Monat 270 bis 280 Euro, da würden die Mieter mit den Füßen abstimmen und ausziehen", betonte der Mieterbund-Präsident.

Der Eigentümer-Verband Haus & Grund, der mit Horrorzahlen von Sanierungskosten von 1000 Euro pro Quadratmeter erfolgreich gegen einen Sanierungszwang gekämpft hat, sieht das naturgemäß anders. "Die Bundeskanzlerin spricht im Grunde eine Selbstverständlichkeit an: Der Mieter profitiert über geringere Energiekosten von den Investitionen des Vermieters", sagt Präsident Rolf Kornemann. Das in diesem Punkt seit den 70er Jahren nicht mehr reformierte Mietrecht erschwere klima- und umweltfreundliche Modernisierungen. "Mietminderungen bei energetischen Modernisierungen müssen ausgeschlossen werden", fordert Kornemann.

Mieter profitiert langfristig

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Entwicklung der Warmmiete nach energetischer Sanierung.

(Foto: dena)

Die dena warnt unterdessen vor Panikmache. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Weder seien die Sanierungen unbezahlbar, noch würden die Mieten explodieren, rechnet dena-Chef Stephan Kohler vor. Bei einem Mehrfamilienhaus, das 1948 erbaut wurde, könnten im schlimmsten Fall Sanierungskosten von 468 Euro pro Quadratmeter anfallen. Die Kaltmiete könnte dabei dann um 1,25 Euro pro Quadratmeter steigen. Aber: Durch den drastisch sinkenden Energiebedarf könnten die Warmmieten letztlich gleichbleiben oder nur minimal zulegen. Die Energiekosten sind für Mieter die größten Kostentreiber. Während Kaltmieten seit 1995 um 22 Prozent stiegen, legten die Energiekosten um 120 Prozent zu.

Die dena trennt in ihrem Rechenbeispiel sauber zwischen Vollkosten und energiebedingten Modernisierungskosten. Bei einem unsanierten Mehrfamilienhaus, das rund 60 Jahre alt ist, fallen oft mehr als die Hälfte der Sanierungskosten unter Maßnahmen, die nicht von dem Vermieter umgelegt werden können. "Müssen beispielsweise Fenster ohnehin getauscht, das Dach neu gedeckt oder der Fassadenputz erneuert werden, zählen diese Maßnahmen zu den Instandhaltungskosten, die nicht auf die Mieter umgelegt werden dürfen", so Henning Discher von der dena gegenüber n-tv.de. Muss beispielsweise der Außenputz neu gemacht werden und der Vermieter entscheidet sich im gleichen Zug zur energetischen Sanierung, fallen die Kosten für Errichtung und Abbau des Baugerüsts sowie das Anbringen des Putzes nicht in die umlagefähigen Modernisierungskosten, sondern nur die Kosten für das Anbringen der Außendämmung. Der Mieter sollte also auf eine Auflistung der Kosten bestehen und diese gegebenenfalls von Mietervereinen bei einer Mieterhöhung prüfen lassen.

Zwei Wege der Mieterhöhung

Der Vermieter hat bei einer Mieterhöhung zudem die Wahl zwischen zwei Modellen. In der Regel werden die Mieten in einem unsanierten Altbau unterhalb des Mietspiegels liegen. Nach der Sanierung kann der Vermieter dann die Miete innerhalb des gesetzlichen Rahmens - nicht mehr als 20 Prozent innerhalb von drei Jahren - auf die ortsübliche Vergleichsmiete anheben. Alternativ kann der Vermieter die Miete um elf Prozent der Modernisierungskosten unabhängig von dem Mietspiegel auf die Jahresmiete aufschlagen. Dann gibt es allerdings keinen Mieterhöhungsspielraum mehr, bis die Miete wieder auf Mietspiegelniveau liegt.

Quelle: n-tv.de, akl/dpa