Ratgeber

Verbraucherzentrale klagt "Lidl täuscht Verbraucher"

Wegen angeblich irreführender Angaben zu den Herstellungsbedingungen seiner Textilien ist die Billigsupermarkt-Kette Lidl in das Visier von Verbraucherschützern und Menschenrechtlern geraten. Der Vorwurf: Lidl werbe zu Unrecht mit fairen Arbeitsbedingungen bei Lieferanten in Bangladesch.

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(Foto: picture-alliance/ ZB)

Verbraucherschützer haben mit zwei weiteren Organisationen Klage beim Landgericht Heilbronn eingereicht. Unterstützt wird die Verbraucherzentrale Hamburg bei ihrer Klage von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Die beiden Organisationen hatten eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bei der die Arbeitsbedingungen in vier für Lidl tätigen Textilfabriken im südasiatischen Bangladesh näher durchleuchtet wurden. Näherinnen berichteten darin von "unmenschlichen Arbeitsbedingungen".

Das stehe im Widerspruch zu der Eigenwerbung des Discounters, die explizit faire Bedingungen bei der Produktion der Kleidung verspreche, erklärte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, Günter Hörmann, zur Begründung der Zivilklage wegen unlauteren Wettbewerbs: "Lidl täuscht die Verbraucher."

Knappe schriftliche Reaktion von Lidl

Das Unternehmen wollte die Klage und die damit verbundenen Vorwürfe nicht kommentieren. In einer kurzen Mitteilung verwies der Discounter mit Sitz in Neckarsulm lediglich auf ihren Internetauftritt zum Thema "Verantwortung". Dort fänden sich "unsere aktuellen Maßnahmen, die wir innerhalb unserer gesamten Lieferkette unternehmen".

Auf der Internetseite wirbt Lidl unter anderem mit seiner Mitgliedschaft in der Business Social Compliance Initiative (BSCI). In dem Verband haben sich Unternehmen des Einzelhandels zusammengeschlossen und auf einen freiwilligen Verhaltenskodex für Lieferanten geeinigt. Dieser enthält unter anderem Regelungen über die Arbeitszeit und Löhne. Nach Angaben der Verbraucherzentrale hatte Lidl auch in seiner Werbung versprochen, sich "weltweit für faire Arbeitsbedingungen" einzusetzen. Lidl arbeite nur mit Produzenten und Lieferanten zusammen, "die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen", hieß es demnach darin.

Überlange Arbeitszeiten und Lohnabzüge

Die für die Untersuchung befragten Näherinnen berichteten hingegen von überlangen Arbeitszeiten und Lohnabzügen als Strafmaßnahme gegen Angestellte. Zudem sei gewerkschaftliches Engagement bei den Zulieferern verboten und der Lohn für Überstunden werde zumindest teils einbehalten. Frauen würden darüber hinaus diskriminiert. "Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung Lidls und den tatsächlichen Verhältnissen in den Produktionsstätten der Lieferanten", erklärte ECCHR-Sprecherin Miriam Saage-Maaß dazu. Gisela Burckhardt von CCC warf dem Unternehmen vor, sich "ein Sozialmäntelchen" umzuhängen und mit der Werbung "Schönfärberei" zu betreiben.

Lidl war in den vergangenen Monaten bereits wegen des Umgangs mit seinen eigenen rund 50.000 Angestellten im Inland heftig in die Kritik geraten. In mehreren hundert Supermärkten bundesweit waren Mitarbeiter von Detektiven überwacht worden. In einem anderen Fall hatte das Unternehmen gesetzeswidrig Erkrankungen von Angestellten in speziellen Formularen erfasst und gespeichert.

Quelle: ntv.de, AFP