Ratgeber

Vom Kassen- zum Privatpatienten Lohnt sich der Wechsel?

Wer es einmal erleben möchte, dass sich der Arzt richtig über seinen Besuch freut, der sollte in die private Krankenversicherung wechseln. Das ist in diesem Jahr einfacher geworden. Allerdings bringt das Leben als Privatpatient nicht nur Vorteile.

Vorzugsbehandlung beim Arzt - seit Jahresbeginn ist der Wechsel in eine private Krankenversicherung einfacher. Verbraucher sollten sich diesen Schritt aber gut überlegen. (Bild: Warnecke/dpa/tmn)

Privatpatienten können selbst entscheiden, wieviel Leistung sie wollen.

Keine Warteschlangen mehr beim Arzt, alle Naturheilverfahren werden bezahlt und auch Zahnersatz wird übernommen – so stellt man sich das Leben als Privatpatient vor. Seit Anfang des Jahres ist der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung einfacher geworden. Ab einem Jahreseinkommen von mindestens 49.500 Euro brutto darf man schon nach einem Jahr Wartezeit in die private Krankenversicherung wechseln. Bisher mussten Arbeitnehmer 49.950 Euro im Jahr verdienen und konnten dann erst nach einer Wartezeit von drei Jahren wechseln. Für viele Gutverdiener könnte die Privatversicherung damit eine verlockende Alternative darstellen.

Zumal sie reichlich Spielraum bietet: "Sie können sich in der privaten Kasse so absichern, wie Sie wollen", erklärt Oliver Stenzel vom Verband der privaten Krankenversicherungen. "Jeder kann seine eigenen Schwerpunkte setzen. Damit können Sie Ihren Beitrag optimieren." Wer etwa in seiner gesetzlichen Krankenkasse den Höchstbeitrag gezahlt hat, komme dann in der privaten Krankenversicherung deutlich billiger weg. Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät dennoch von einer schnellen Entscheidung ab. Ein Beitrag erscheine in der privaten Kasse zwar auf den ersten Blick günstiger. Später könne es aber ein böses Erwachen geben: "Im Alter steigen die Beiträge meist schnell an."


Nicht alles inklusive

Außerdem seien viele Leistungen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung selbstverständlich sind, bei den privaten Kassen nicht abgedeckt, etwa eine Reha oder eine Haushaltshilfe. "Die private Krankenversicherung wirbt mit der 1. Klasse", sagt der Verbraucherschützer. "Oft ist sie es aber nicht." Ein weiteres Problem sind die steigenden Prämien. Gerade ältere Versicherte können durch Beitragserhöhungen in die Bredouille kommen. Aber auch jüngere Versicherte sind vor steigenden Prämien nicht gefeit.

Kritisch wird die Privatversicherung, wenn Kinder ins Spiel kommen. Jedes Familienmitglied braucht einen eigenen Vertrag, der extra bezahlt werden muss. Anders in der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier sind Ehepartner wie auch Kinder bis zur Vollendung ihres 25. Lebensjahres beitragsfrei mitversichert, wenn sie kein eigenes Einkommen haben oder nur wenig verdienen. Oliver Stenzel sieht diese Probleme zwar auch. Er betont aber: "Eine Familienversicherung ist eine sozialpolitische Leistung." Und die würde von den privaten Versicherern nun mal nicht abgedeckt. Hohe Beiträge im Alter würden zudem durch entsprechende Altersrückstellungen gemindert. "Je früher man einsteigt, desto besser ist es." Zudem beträfen die jährlichen Beitragssteigerungen längst nicht alle Tarife. Zur Not könne man in einen anderen, billigeren Tarif wechseln. Die bis dahin erworbenen Rechte und Alterungsrückstellungen werden dann mitgenommen.

Besser wird's nicht

Doch so ein Tarifwechsel ist nicht unproblematisch, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Mit den Tarifen änderten sich schließlich meist auch die Leistungen. Verbraucher, die Mehrkosten vermeiden wollen, müssen bessere Leistungen also ausschließen. Außerdem sei mit dem Wechsel eine neue Gesundheitsprüfung verbunden - und die könnte erheblichen Einfluss auf die neuen Beiträge haben. Und noch etwas sollten Verbraucher vor einem Wechsel in die private Krankenversicherung bedenken: Der Weg zurück ist schwierig. Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn der Verdienst wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze sinkt. Ist das nicht der Fall, gibt es auch kein Rückkehrrecht.

Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat, kann überhaupt nicht mehr in eine gesetzliche Krankenkasse zurück - auch nicht als Arbeitsloser mit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder als Rentner. "Der Wechsel in die private Krankenversicherung ist eine Entscheidung fürs Leben. Und die sollte man sich gut überlegen", rät Vogel. Auch die privaten Krankenkassen empfehlen, einen Wechsel von einer gesetzlichen in eine private Krankenkasse nicht zu überstürzen. "Jeder sollte sich vorher gut informieren und die Tarife vergleichen", rät Stenzel.

Private Krankenversicherung - Anbieter im Vergleich

Quelle: ntv.de, dpa

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