Ratgeber
Mittwoch, 25. Juli 2007

Ingenieure gefragt: Mehr Frauen in Männerdomäne

Ingenieurberufe finden viele Männer spannend, während sich die Damen eher schwer mit technischen Berufen tun. Doch nun sind es auch immer mehr Frauen, die Ingenieurwesen studieren und in die von Männern dominierten Bereiche vordringen.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf beobachtet diese Entwicklung mit einer Genugtuung: "Wir freuen uns, wenn Unternehmen zunehmend technisch gut ausgebildete Frauen auch in Fach- und Führungspositionen akzeptieren", sagt Burghilde Wieneke-Toutaoui, stellvertretende Vorsitzende des Bereichs Frauen im Ingenieurberuf im VDI. Viele Unternehmen hätten den aus den USA stammenden Diversity-Ansatz übernommen und suchten ganz gezielt nach weiblichen Arbeitskräften in den entsprechenden Bereichen. Offenbar hat sich herumgesprochen: "Eine gute Produkt- und Prozessentwicklung ist nur in gemischten Teams möglich", so die Expertin.

Das sieht man auch beim Automobilkonzern DaimlerChrysler so. Hier werden gezielt Frauen für technische Bereiche, auch für Führungspositionen gesucht und eingestellt. "Wir sind sehr daran interessiert, Frauen zu rekrutieren, weil wir erkannt haben, dass wir mit Mitarbeiterinnen auch besser die vielfältigen Kundenwünsche widerspiegeln können", sagt Unternehmenssprecherin Verena Müller. Mit vielfältigen Kundenwünschen ist vor allem eines gemeint: die stetig steigende Zahl der Kundinnen des Konzerns.

"Girls' Day"

Doch trotz eines Aufwärtstrends liegt der Anteil der Ingenieurinnen mit branchenweit etwa zehn Prozent noch weit unter dem, was sich der VDI wünschen würde: "Wir arbeiten an allen Fronten daran, dieses Berufsbild in die Köpfe der jungen Leute zu bringen und ihnen klar zu machen, wie interessant der Ingenieurberuf ist", sagt VDI-Sprecher Michael Schwartz. Instrumente wie der Informationstag "Girls' Day" oder auch Uni-Wettbewerbe könnten weiterhelfen, mehr Frauen dafür zu begeistern.

Jessika Soch ist direkt nach ihrem Studium der Multimedia-Technik in das Berufsleben beim CIM-Technologiezentrum Wismar eingestiegen. Dort berät sie Unternehmen im Bereich Maschinenbau, greift deren Ideen auf und bringt sich außerdem in die Forschung und Entwicklung ein.

Kaum Vorurteile

Mit Vorurteilen habe sie kaum zu kämpfen gehabt. Lediglich eine negative Erfahrung habe sie bislang gemacht - während eines Praktikums. Eigentlich habe man ihr viele interessante und - so dachte sie zumindest - auch verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Doch dann stellte sich heraus, dass ein Kommilitone von ihr, der kurz nach ihr in genau derselben Firma ein Praktikum absolvierte, eben doch mehr Verantwortung übertragen bekommen habe. "Und das ärgert einen dann natürlich schon ein bisschen, denn man ist als weiblicher Ingenieur genauso kompetent wie der Kollege", sagt Jessika Soch.

Ihr Studium an der Wismarer University of Technology, Business and Design sieht sie als große Chance: "Wir wurden dort sehr breit gefächert und vielfältig ausgebildet - ich würde das jederzeit wieder studieren, das Ingenieurwesen ist sehr spannend", betont sie.

Quelle: n-tv.de