Ratgeber

Traumhaus von Tchibo? Mehr Schein als Sein

Von Alexander Klement

Das Wochenendwetter am Samstag in Berlin war bescheiden. Schauern folgte noch mehr Regen und machte maiübliche Ausflüge unmöglich. Was tun? Warum nicht einen Abstecher ins nächste Einkaufszentrum machen. Ein paar Lebensmittel brauchen wir ohnehin noch.

Als ich dann bei Tchibo in der Schlange stehe, um ein Päckchen Kaffee zu kaufen, erinnere ich mich an eine Werbemail des Kaffeerösters, die ich am Vortag bekommen habe. Man ist ja gewohnt, dass man bei Tchibo vorübergehend vom Rasenmäher bis zum Anzug einiges angeboten bekommt. Aktuell stehen zwei Fertighäuser zum "garantierten Festpreis" von 158.900 Euro zur Auswahl. An der Kasse angekommen, frage ich die Verkäuferin, welches der beiden Häuser sie mir denn empfehlen könne - "Wintergartenhaus" oder "Energiesparhaus". Außer einem ratlosen Gesicht gibt es wenig Konversation und ich zahle lieber meinen Kaffee und gehe.

Fertighaus von Exnorm

Doch zu den Fakten: Bei den beiden Tchibo-Häusern handelt es sich um Fertighäuser des Herstellers Exnorm, der zur Kampagruppe gehört. Das "Wintergartenhaus" erfüllt die Voraussetzungen für ein vergünstigtes Darlehen der KfW-Förderbank nicht. Hierzu müsste der Primärenergiebedarf pro Jahr unter 60 kWh/Quadratmeter liegen. Hier kann nur das "Energiesparhaus" punkten.

Ansonsten liefert die Werbung von Tchibo recht wenig belastbare Tatsachen. Beide Häuser haben keinen Keller und werden auf einer Fundamentplatte errichtet. Statt Gas- oder Ölheizung wird eine Außenluft-Wärmepumpe zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung eingesetzt. Da hohe Vorlauftemperaturen nicht erreicht werden, werden diese in der Regel mit Fußbodenheizungen kombiniert. Außerdem wird das Haus in Holzbauweise erstellt. Die monatliche Rate für das "Wintergartenhaus" (124 Quadratmeter Wohnfläche) soll ab 678 Euro, die des "Energiesparhauses" (114 Quadratmeter Wohnfläche) ab 611 Euro betragen. Finanzierungspartner ist "Creditweb".

Schöngerechnete Monatsraten

Weitere Informationen liefert die Internetseite von Exnorm unter dem Menüpunkt "Tchibo Traumhäuser". Dort finden sich neben Grundrissen auch noch nähere Angaben zur Finanzierung. Auch hier werden Monatsraten von 678 bzw. 611 Euro genannt. Grundlage ist bei beiden Angeboten ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung und einer anfänglichen Tilgung von einem Prozent. Dies ist in zweifacher Hinsicht nicht zu empfehlen. Da die zu zahlenden Zinsen auch bei 15- und 20-jährigen Zinsbindungen nur wenig höher sind, sollte man sich zur besseren Planbarkeit den momentan noch moderaten Darlehenszins lange sichern. Auch bei längeren Zinsbindungen können Darlehensverträge nach zehn Jahren vom Darlehensnehmer gekündigt werden. Außerdem ist eine anfängliche Tilgung von einem Prozent zu niedrig und führt zu extrem langen Darlehenslaufzeiten und schöngerechneten Monatsraten.

Darüber hinaus wird mit einem Zinsstand vom 22.3.2007 geworben. Eine aktuelle Zinsberechnung von "Creditweb" ist auf der Tchibo-Internetseite sogar vorhanden. Demnach kostet das "Wintergartenhaus" statt 678 mit 771 Euro monatlich fast über 100 Euro mehr. Auch die Konditionen des für das "Energiesparhaus" einbezogenen KfW-Darlehens in Höhe von 50.000 Euro sind nicht mehr aktuell.

Die Tchibo-Werbung suggeriert zudem, man könne für 678 bzw. 611 Euro monatlich ins eigene Heim ziehen. Völlig außen vor bleibt der Hinweis, dass weitere Kosten mit einkalkuliert werden müssen. Die größten Positionen sind der Kauf eines passenden Grundstücks sowie die dazugehörigen Erschließungskosten. Denn auch ein Haus mit Wärmepumpe braucht Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen sowie Telefon und eventuell Kabelfernsehen. Zudem entstehen - wie bei der Miete - auch Nebenkosten, die zusätzlich gezahlt werden müssen.

Rundum sorglos mit vielen Baustellen

Wer glaubt, nach dem von Tchibo beworbenen "Rudum-sorglos-Service" nach der Schlüsselübergabe direkt einziehen zu können, wird enttäuscht sein. Denn der "Komplettservice: alle Leistungen aus einer Hand" hinterlässt ein Haus ohne Bodenbeläge und Malerarbeiten. Die Wände müssen gespachtelt, tapeziert und gestrichen werden und entsprechende Bodenbeläge im gesamten Haus - außer im Bad - verlegt werden.

Fazit: Über das Preisleistungsverhältnis der von Tchibo beworbenen Häuser lässt sich mit den veröffentlichten Daten kein Urteil fällen. Die Summen, sowohl der absolute Kaufpreis als auch die Monatsraten spiegeln jedoch in keiner Weise die tatsächlichen Gesamtkosten wieder. Hier wird mit schönen Zahlen zu einem Beratungstermin gelockt, der hoffentlich Licht ins Zahlenwirrwarr bringt. Immerhin gibt es keinen Termindruck. Wer sich doch für ein Tchibo-Exnorm Haus entscheidet, hat bis zum 31.10.2007 Zeit, das Angebot wahrzunehmen.

Quelle: ntv.de

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