Ratgeber

Recht auf freie Fahrt Müssen Radler auf den Radweg?

Aus Autofahrerperspektive sind sie ein Ärgernis: Radfahrer, die statt dem Radweg die Straße benutzen. Meistens hat dieses Verhalten aber eher mit Selbstschutz zu tun als mit Ignoranz. Radfahrer müssen längst nicht alles befahren, was nach Radweg aussieht.

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Das blaue Schild zeigt an, dass der Radweg genutzt werden muss.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Es sind viele und es werden immer mehr: Radfahrer. Legten die Deutschen noch in den 90er Jahren etwa 24 Millionen Kilometer per Fahrrad zurück, so waren es im Jahr 2008 schon 33 Milliarden Kilometer. Und der Radfahrboom geht weiter. Das merkt man besonders in den Großstädten. In Berlin etwa ist der Fahrradverkehr in den letzten zehn Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Inzwischen findet die Entwicklung auch in der Verkehrswegeplanung Niederschlag. Jahrelang baute man für Radfahrer bevorzugt Radwege abseits der Straße. Doch seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung 2009 ist das nicht mehr die Standardlösung. Je nach örtlicher Situation kann der Verkehr nun genauso gut über Radfahrstreifen auf der Fahrbahn geführt werden.

Für Radfahrer ist das häufig die sicherere Lösung. Denn abgesehen von Fußgängern, die sich auf die falsche Spur verirren, bringen Radwege eine weiteres Risiko mit sich: Sie werden von Autofahrern schlecht wahrgenommen. Immer wieder zu Unfällen, insbesondere an Einfahrten oder weil rechtsabbiegende Autofahrer Radler übersehen, die auf dem Weg neben der Straße unterwegs sind. Abgesehen von diesem Sicherheitsrisiko ist es oft auch kein Vergnügen, Radwege zu benutzen: Gerade ältere Wege sind manchmal sehr schmal, so dass es unmöglich ist, langsamere Radler zu überholen. Asphalt mit Wurzelschäden oder schlechtes Pflaster bremsen unnötig aus. Manchmal ist die Verkehrsführung schlecht durchdacht, etwa wenn Radwege plötzlich an der Fahrbahn oder auf dem Bürgersteig enden. Und nicht selten werden Radwege auch als Parkplatz oder zum Abstellen von Verkehrsschildern missbraucht.

Radweg muss zumutbar sein

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Rechtsabbiegende Autos machen viele Radwege zur Gefahrenzone.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Was manche Radfahrer und viele Autofahrer nicht wissen: Nicht immer, wenn es einen Radweg gibt, muss dieser auch benutzt werden. Grundsätzlich gilt die Nutzungspflicht nur, wenn der Weg durch ein blaues Schild gekennzeichnet ist. Wo kein Schild ist, dürfen Radfahrer auch auf die Straße. Bei vielen veralteten Radwegen sind die Schilder inzwischen abgebaut. Manchmal sind aber auch Wege gekennzeichnet, die für Radfahrer – zumindest zeitweise – unbefahrbar sind. Im Winter ungeräumt, im Sommer von Pflanzen überwuchert oder von parkenden Autos verstellt – wenn die Nutzung des Weges objektiv nicht zumutbar ist, dann müssen Radfahrer ihn auch nicht beachten. Auch auf Holperpisten dürfen Radfahrer nicht gezwungen werden, benutzungspflichtige Radwege müssen von "zumutbarer Beschaffenheit" sein, schreibt die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung vor. Dort ist auch die Mindestbreite von 1,50 Metern festgelegt, bei gemeinsamen Fuß- und Radwegen müssen es Innerorts mindestens 2,50 Meter sein, Außerorts reichen 2 Meter.

Im Ernstfall Widerspruch einlegen

All diese Regeln nutzen Radfahrern im ungünstigen Fall allerdings wenig, denn viele Kommunen schildern auch Radwege aus, die die Kriterien nicht erfüllen. Radler, die in solchen Fällen auf der Straße fahren, befinden sich in einer rechtlichen Grauzone: Grundsätzlich muss man sich nämlich auch an rechtwidrige Verwaltungsakte halten, und dazu gehören auch widerrechtlich aufgestellte Verkehrszeichen. Die Polizei ahndet das Nichtbefahren mit mindestens 15 Euro Bußgeld. Wer sich dagegen zur Wehr setzen will, muss dem Bußgeld zunächst widersprechen und im Extremfall den Rechtsweg beschreiten. Auf jeden Fall kann man sich auf ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts berufen. Das hat im November letzten Jahres entschieden, dass eine Radwegebenutzungspflicht nur angeordnet werden darf, "wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Rechtsgutbeeinträchtigung erheblich übersteigt".

Unterschiede zwischen Fahrradtypen macht die Straßenverkehrsordnung übrigens nicht. Dort, wo die Nutzungspflicht gilt, umfasst sie Holland- genauso wie schnelle Rennräder. Eine Möglichkeit gibt es aber, die Nutzungspflicht rechtssicher zu umgehen: Das Fahren in größeren Gruppen. 16 Radfahrer oder mehr gelten als geschlossener Verband und dürfen auf jeden Fall in Zweierreihen die Straße benutzen.

Quelle: ntv.de