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Nacktfotos auf der Festplatte Muss Ex-Partner Bilder löschen?

Egal, ob ästhetische Aktfotos oder platter Porno - es ist kein gutes Gefühl, wenn nach einer Trennung auf dem Rechner des Ex-Partners intime Fotos verbleiben. Hat man zu den Bildern sein Einverständnis gegeben, lässt sich das nicht einfach widerrufen.

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Wer sich für Privataufnahmen vor der Kamera räkelt, kann nicht ohne Weiteres die Löschung der Bilder verlangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Beziehung ist beendet, der Wohnungsschlüssel zurückgegeben, die letzten Sachen abgeholt. Es bleiben die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit - und oft auch Bilder auf der Festplatte des Ex-Partners. Manchmal sind das Fotos, die nicht für fremde Augen bestimmt sind. Die möchte man sicherheitshalber gelöscht wissen. Aber geht das überhaupt?

Normalerweise heißt die Antwort "nein", zumindest dann, wenn das Modell freiwillig für die privaten Aufnahmen posiert hat. Die einmal erteilte Einwilligung lässt sich nämlich nicht mehr widerrufen. Natürlich darf der Besitzer die Bilder nicht einfach weiterverbreiten, löschen muss er sie aber auch nicht – zumindest ist das die Regel. Dass es auch Ausnahmen gibt, zeigt ein Fall, den das Landgericht Koblenz entschieden hat und über den der "Recht am Bild"-Blog berichtet (Az: 1 O 103/13).

Eine Frau hatte eine außereheliche Beziehung mit einem Fotografen. Der holte seine Geliebte des Öfteren vor die Linse, und zwar nicht nur für Urlaubs- oder Alltagsschnappschüsse. Er machte auch Nacktaufnahmen und Fotos, die sie vor, während oder nach dem Geschlechtsverkehr zeigten. Sehr intime Bilder eben, die die Abgebildete keinesfalls veröffentlicht sehen wollte.

Genau das befürchtete die Frau aber, nachdem die Affäre zu Ende war. Der Fotograf hatte nach der Trennung ihre Liebesbriefe per E-Mail an den Ehemann gesendet, an ein Postfach, das auch dessen Mitarbeiter einsehen konnten. Bilder oder Videos verschickte der Ex-Freund zwar nicht, dennoch wollte die Frau auf Nummer sicher gehen und verlangte die Löschung der Aufnahmen.

Vertrauen verspielt

Das Landgericht gab ihr Recht. Zwar hätten die Bilder sowohl einen künstlerischen als auch einen Erinnerungswert. Allerdings müssten Intimbilder besonders geschützt werden, weil sie den Kernbereich des Persönlichkeitsrechts träfen. Die Frau habe mit dem Fotografen keinen Vertrag geschlossen und außerdem sei die Beziehung, auf deren Grundlage die Bilder entstanden waren, vorüber. Zwar wollten die Richter dem Mann ausdrücklich nicht unterstellen, dass er die Fotos an Dritte weitergebe. Allerdings habe er auch die Liebesbriefe unachtsam verschickt. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Bilder ungewollt verbreiteten, etwa durch fremden Zugriff auf den PC.

Nach Abwägung dieser Aspekte verurteilte das Landgericht den Fotografen, die intimen Bilder und Filme zu vernichten. Andere Fotos der Frau könne er behalten. Noch ist das letzte Wort in dem Fall allerdings nicht gesprochen, denn der Beklagte kann noch Berufung einlegen.

Und möglicherweise hätte er damit sogar Erfolg, denn in Bezug auf die Bilder  hat sich der Fotograf nichts zuschulden kommen lassen. Die Frau war mit den Aufnahmen einverstanden und er hat sie auch nicht unzulässig verwendet. Hätte der Mann die Fotos hingegen ins Netz gestellt oder anderweitig veröffentlicht, dann wäre das eine klare Verletzung der Persönlichkeitsrechte gewesen.

Keine Bilder ohne Einverständnis

Grundsätzlich müssen sich Fotografen versichern, dass die Abgebildeten mit der Veröffentlichung ihrer Bilder einverstanden sind. Das gilt nicht nur für Nacktbilder, sondern für alle Arten von Aufnahmen, bei denen die Modelle nicht nur zufällig auf dem Bild zu sehen sind. Wer also beispielsweise einen Straßenkünstler in einer Fußgängerzone porträtiert und das Bild auf Facebook stellen oder in eine Ausstellung hängen will, der muss zwar nicht jeden Passanten um Erlaubnis fragen, der auf dem Foto auftaucht – den Straßenkünstler aber schon.

Für Nacktaufnahmen gelten besonders strenge Regeln. Wer sie veröffentlichen will, sollte vorher einen Vertrag machen. Die abgebildete Person muss sich im Klaren darüber sein, was mit den Bildern geschieht, etwa und wo und mit welcher Reichweite sie veröffentlicht werden sollen. Wer unbefugt Nacktbilder veröffentlicht, macht sich strafbar. Das gilt auch dann, wenn das Modell nicht klar zu erkennen ist oder wenn die entscheidenden Körperteile verpixelt oder mit einem Balken verdeckt werden.

Abmahnung hilft

Aber was wenn sich jemand einfach über diese Regeln hinwegsetzt? Stellt ein rachsüchtiger Ex-Partner intime Bilder ins Netz, lässt sich der Schaden begrenzen, wenn man schnell reagiert. Zum einen kann man den Betreiber des jeweiligen Portals auffordern, das Material zu löschen. Wenn es widerrechtlich hochgeladen wurde, sollte das funktionieren. Netzwerke wie Facebook oder Google+ verbieten anstößige Bilder ohnehin in ihren Nutzungsrichtlinien.

Zum anderen kann man rechtlich gegen den Verbreiter der Bilder vorgehen. Auch wenn dieser nur damit droht, die Bilder hochzuladen, hat man einen Unterlassungsanspruch. Um sicherzugehen, dass sich intime Fotos nicht im Netz verbreiten, sollte man so schnell wie möglich einen Anwalt mit einer Abmahnung beauftragen und eine einstweilige Verfügung beantragen. Die Kosten dafür muss der Abgemahnte übernehmen. Unter Umständen kann man ihm auch noch eine Lizenzgebühr in Rechnung stellen. Außerdem kann ein Schmerzensgeld angebracht sein, wenn es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht handelt – bei Nacktbildern im Netz ist das in der Regel der Fall.

Rechtsschutzpolicen im Vergleich

Quelle: ntv.de