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Tenhagens Tipps Muss man jetzt Gold haben?

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Gold ist keine Anlage, bei der man morgen sicher bekommt, was heute reingesteckt wurde.

(Foto: imago stock&people)

Die politische Großwetterlage bleibt angespannt, die Konjunkturaussichten ungewiss - klingt ganz nach einer guten Idee, sein Depot mit etwas Gold abzusichern. Zumindest in der Theorie. Ob Anleger dem Ruf des wiedererstarkten Edelmetalls folgen sollten, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: Der Goldpreis kratzt an der 1400-Dollar-Marke und scheint damit den diversen Unwägbarkeiten in der Welt Rechnung zu tragen. Last call also, für alle, die noch kein Gold ihr Eigen nennen?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein, eigentlich nicht. Wer aber meint, einen Teil seines Geldes in Gold anlegen zu müssen, weil dieses nie wertlos wird, kann das natürlich tun. Im Kern geht es bei den letzten Steigerungen aber um die Spannungen, die es vor allem im Nahen Osten gibt. Wenn in der Straße von Hormus irgendwelche Schiffe mit Torpedos traktiert werden und die US- und die britische Regierung sagt, dies seien die Iraner gewesen, dann schürt das natürlich solche Spekulationen. Damit kann aber schon in der nächsten Woche wieder Schluss sein. Beispielsweise, wenn sich die Herren Trump und Rohani demnächst auf eine Tasse Kaffee in Mumbai treffen sollten.

Ist Gold also per se überflüssig?

Dagegen, sein Vermögen gegen Unwägbarkeiten abzusichern, ist an sich nichts zu sagen. Wenn ein Goldkauf zu einer überlegten Vermögensabsicherungsstrategie gehört und man sich für sich selbst ausgerechnet hat, dass die sonstigen Anlagen negativ mit Gold korreliert sind und das Depot entsprechend strukturiert ist, geht das völlig in Ordnung. Allerdings ist das die Profi- oder Zocker-Variante und nicht unbedingt für Laien zu empfehlen.

Warum denn?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Weil wir gesehen haben, dass der Goldkurs vor ein paar Jahren auch schon mal bei 1900 Dollar stand. Jetzt haben wir unter 1400. Zwischendrin waren natürlich immer Kursgewinne möglich, aber das hat für den Kleinanleger nichts mit Wertsicherungsstrategien zu tun, sondern mit Zockerei.

Verstanden. Aber wenn ich dennoch als Kleinanleger auf vermeintliche Sicherheit setzen möchte, wie viel darf denn der Goldanteil vom Vermögen ausmachen?

Da Gold wohl nie völlig wertlos sein dürfte, könnte der Anteil dann 10 - 15 Prozent betragen. Langfristig. Mehr sollte es allerdings nicht sein. Aber wie gesagt, Gold ist keine Anlage, bei der ich morgen sicher bekomme, was ich heute reingesteckt habe.

Okay. Und wenn ja, in welcher Form?

Gerne physisch in Form von Barren und am besten in größeren Stückelungen. Denn hier ist der Abschlag, also die Differenz zwischen Kaufs- und Verkaufspreis, die der Händler behält, geringer. Zu groß sollten die Barren dann aber auch nicht sein, ansonsten kann es schwieriger sein, diese wieder abzustoßen. Auf Xetra-Gold würde ich eher nicht setzen. Das ist dann eher was zur Depotabsicherung für den Profi. Für Kleinanleger gilt eher: wenn schon dann richtig. Nämlich in physischer Form.

Steuerlich macht es aber keinen Unterschied, ob etwaige Gewinne mit Papier oder Barren und Münzen eingefahren werden, oder?

Nein, Gewinne wären so oder so steuerfrei, wenn denn das Gold länger als zwölf Monate gehalten wird. Abgesehen davon ist der Kauf von physischem Gold als auch Xetra-Gold von der Mehrwertsteuer befreit.

Und wo sollte man sein Gold kaufen?

Bei Finanztip empfehlen wir, sich bei bei den Vergleichsportalen "Gold.de" und "Goldpreisvergleich.de" umzusehen. Allerdings müssen Goldliebhaber auch unbedingt für die Sicherheit ihrer Schätze sorgen. Barren und Münzen gehören in den Safe. Wer einen zu Hause hat, sollte aber unbedingt bei seiner Hausratversicherung anfragen, ob ein möglicher Diebstahl auch abgedeckt ist - falls dann doch die Panzerknacker kommen.

Gleiches gilt übrigens bei einem Bankschließfach. Auch hier muss unbedingt abgeklärt werden, welche Summen bei Diebstahl versichert ist. Der eine oder andere Kunde hat hier schon unangenehme Überraschungen erlebt. Gegebenenfalls sollte vor der Einlagerung eine entsprechende Police beim Geldinstitut erworben beziehungsweise die Hausratversicherung aufgestockt werden.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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