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Nach Erhöhung, vorm Finanzamt Welche Rentner nun Steuern zahlen müssen

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Ruheständler sind gut beraten, das vermeintlich ausreichende Geld ihrer Bruttorenten nicht unter die Leute zu bringen, ohne eine mögliche Steuererklärung auf dem Zettel zu haben.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Rentner können sich zwar im Juli über eine saftige Erhöhungen ihrer Bezüge freuen, werden damit dann aber auch zunehmend vom Finanzamt zur Kasse gebeten. Wen es in welcher Höhe trifft und bei wem überhaupt eine Steuererklärung fällig ist, lesen Sie hier.

Gute Nachrichten für die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland: Die Renten steigen ab 1. Juli in Westdeutschland um 5,35 und in Ostdeutschland um 6,12 Prozent. Dadurch soll sich eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, um 53,50 Euro erhöhen; eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen soll um 61,20 Euro steigen. Womit sich eine Anhebung des bei der Berechnung zentralen Rentenwerts im Westen von gegenwärtig 34,19 auf 36,02 Euro und des Rentenwerts im Osten von derzeit 33,47 auf 35,52 Euro. Der Rentenwert ist maßgeblich für die Berechnung der Rente.

Dadurch sind dann aber auch mehr Rentner verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das ist immer dann der Fall, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet. Bereits 2020 zählten knapp 64 Prozent der Rentenleistungen zu den steuerpflichtigen Einkünften. Seit 2015 ist der durchschnittliche Besteuerungsanteil damit um mehr als 8 Prozentpunkte gestiegen.

Ruheständler sind also gut beraten, das vermeintlich ausreichende Geld ihrer Bruttorente nicht unter die Leute zu bringen, ohne eine mögliche Steuererklärung auf dem Zettel zu haben. Denn der Ruhestand schützt nicht per se vor Arbeit und auch nicht vor dem Finanzamt.

Zukünftige Rentenerhöhungen werden voll versteuert

Die Erklärung wird fällig, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet. 2022 liegt er bei 9984 Euro für den Einzelnen beziehungsweise 19.968 Euro für Verheiratete. Allerdings kommt es nicht nur auf die Höhe der Rente an, sondern auch darauf, wann jemand in den Ruhestand gegangen ist. Denn Renten werden erst seit 2005 teilweise besteuert.

War bis 2005 noch die Hälfte der damals bezogenen Rente steuerfrei, unterliegen im Jahr 2022 bereits 82 Prozent der Altersbezüge der Steuerpflicht. Denn Jahr für Jahr steigt der Prozentsatz des steuerpflichtigen Teils der Rente für die jeweiligen Neurentner um zwei Prozentpunkte. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2022 liegt er somit bei 82 Prozent der Jahresbruttorente. Danach erhöht er sich für Neurentner jeweils nur noch um einen Prozentpunkt. Alle Renten, die im Jahr 2040 oder später beginnen, sind dann zu 100 Prozent zu versteuern.

Hintergrund für die dynamische Rentenbesteuerung ist die Umstellung der Besteuerung auf ein nachgelagertes System. Das heißt, während des Erwerbslebens können die Beiträge zur Rentenversicherung steuerlich abgezogen und in der Auszahlungsphase muss die Rente versteuert werden.

Zumindest wird dann eine Einkommensteuererklärung fällig, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte eines Rentners den jeweils für das entsprechende Jahr gültigen Grundfreibetrag überschreitet. Was dann auch langjährige Bestandsrentner betreffen kann. Die gute Nachricht lautet, dass der Rentenfreibetrag auch in den Folgejahren unverändert bleibt. Beim Senior, der seit 2005 Rente bezieht, bleiben also auch im Jahr 2022 50 Prozent der Rentenzahlung von 2005 immer steuerfrei. Der Freibetrag bezieht sich dabei auf den konkreten Geldbetrag und nicht auf einen Anteil der jeweiligen Rente. Zukünftige Rentenerhöhungen müssen also voll versteuert werden.

Ausgaben geltend machen

Zu beachten ist, dass mit Einkünften nicht nur die gesetzliche Rente, sondern alle Einnahmen gemeint sind. Also unter anderem auch Mieteinnahmen, Bezüge aus einer Betriebs-, Riester- oder Privatrente und Kapitalerträge.

Liegt der Gesamtbetrag der Einkünfte für dieses Jahr beispielsweise bei einem alleinstehenden Neurentner bei 16.000 Euro, übersteigen 82 Prozent hiervon (13.120 Euro) den Grundfreibetrag von 9984 Euro. Der individuelle Freibetrag beläuft sich damit auf 2880 Euro. Es wird also eine Steuererklärung über 13.120 Euro fällig.

In welcher Höhe dann tatsächlich Steuern anfallen, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Ausgaben beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden können. Denn analog zum noch werktätigen Steuerzahler haben auch Rentner die Möglichkeit, diverse Kosten in der Steuererklärung abzusetzen. Dazu zählen etwa Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, die Kirchensteuer, Spenden, Beiträge zu Versicherungen wie einer Unfall- oder Haftpflichtversicherung und auch Gesundheitsausgaben.

Gleiches gilt für die Kosten, die Rentnern entstehen, wenn sie sich die komplexe Materie von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater erklären lassen beziehungsweise dort prüfen lassen möchten, ob denn eine Steuerpflicht vorliegt. Was keine schlechte Idee ist, denn auch Rentner haben gegenüber dem Finanzamt eine Bringpflicht. Sie sollten also nicht erst darauf warten, dass die Behörde bei ihnen anklopft. Ansonsten kann diese Form des Ruhestandes auch zu Nachzahlungen und Sanktionen in Form von Strafzinsen führen.

Mehr zum Thema

Wie viele Rentner tatsächlich Einkommensteuer zahlen, ist aufgrund der langen Fristen zur Steuerveranlagung aktuell nicht bekannt. Informationen zur Rentenbesteuerung liegen für das Jahr 2017 vor. Demnach mussten 32 Prozent oder 6,8 Millionen der insgesamt 21,4 Millionen Rentenempfängerinnen und -empfänger Einkommensteuer auf ihre (gesetzlichen, privaten oder betrieblichen) Renteneinkünfte zahlen.

So berechnet sich die Rente

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 22. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, awi

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