Ratgeber

Entspanntes Gleiten mit Elektromotor Raleigh Dover 360 im Test

Sportlicher als Mopedfahren, schneller als Radfahren: Immer mehr Menschen begeistern sich für Elektrofahrräder. Die Technik ist inzwischen weit fortgeschritten. Unser Autor hat das Raleigh Dover 360 getestet und kam mit einer Akkuladung schweißfrei über 125 Kilometer.

dover_360_alexander_klement.jpg

2600 Euro muss man investieren.

(Foto: Alexander Klement)

Angesichts explodierender Spritpreise suchen Viele nach Alternativen für den Weg zur Arbeit. Manche bilden Fahrgemeinschaften oder steigen auf öffentliche Verkehrsmittel um, andere holen den Drahtesel aus dem Keller. Allerdings ist das Rad nicht für jeden eine Alternative: Bei längeren Distanzen ist die Fahrzeit oft zu lang, manch einer fürchtet auch, verschwitzt im Büro anzukommen.

Seit ein paar Jahren versuchen die Fahrradhersteller Abhilfe zu schaffen. Die Idee ist simpel: Ähnlich wie sich bei einem Hybrid-Auto Elektro- und Verbrennungsmotor ergänzen, wird dem Fahrradfahrer mit einem Elektromotor das Treten erleichtert. Neudeutsch heißt das Fahrrad dann nicht mehr Fahrrad, sondern Pedelec. Die Abkürzung steht für Pedal Electric Cycle.

Gesetzlich gesehen ein Fahrrad

dover_360_beleuchtung_bremsen_alexander_klement.jpg

Fahrräder mit Hilfsmotor kennt manch einer noch von Oma. Moderne Pedelecs haben damit aber nicht mehr viel zu tun.

(Foto: Alexander Klement)

Das Tolle am Pedelec: Gesetzlich wird es nicht anders als ein Fahrrad behandelt. Überall, wo Fahrräder fahren dürfen, darf auch ein Pedelec hin. Trotz Motor besteht keine Helmpflicht. Das Tragen eines Fahrradhelms wird aber dringend empfohlen. Damit ein Pedelec nicht zum Kleinkraftrad wird, darf der Motor nicht über 250 Watt Leistung bringen und den Fahrer nur bis 25 km/h unterstützen. Oftmals reizen die Hersteller noch eine zehnprozentige Toleranz aus, wodurch dann auch 27 bis 28 km/h möglich sind.

Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands wurden im vergangenen Jahr bereits rund 200.000 Pedelecs verkauft – Tendenz steigend. Bei den Antriebskonzepten sind sowohl Vorderradantrieb, Hinterradantrieb und ein im Tretlagerbereich sitzender Mittelmotor erhältlich. Auf den Mittelmotor setzt auch das weit verbreitete Antriebskonzept von Panasonic. Der Umstieg vom Fahrrad auf dieses System fällt leicht, denn am Schwerpunkt des Gefährts ändert sich nichts. Der Energie liefernde Akku sitzt zwischen Rahmen und Hinterrad. Gas geben muss man auch nicht: Der Motor liefert die Energie automatisch, wenn in die Pedale getreten wird. So wird die eigene Kraft erhöht. Hierfür stehen meist drei Unterstützungsstufen zur Auswahl. Das Raleigh Dover 360 ist eines der Pedelecs, bei dem der Panasonic-Antrieb zum Einsatz kommt. In der höchsten Stufe liefert der Motor mehr als das 1,5-fache der eigenen Tretkraft.

Stufenlos und unter Last schalten

nuvinci_nabe_alexander_klement.jpg

Raleigh setzt erstmals auf die Nuvinci-Nabe.

Das Raleigh Dover 360 wartet mit zwei Neuheiten auf, die erstmals in der Saison 2011 erhältlich sind. Bislang kommen in der Regel in Verbindung mit dem Panasonic-Getriebe Ketten- und Nabenschaltungen von Shimano und SRAM zum Einsatz. Raleigh bietet mit dem Dover 360 erstmals auch ein Pedelec mit der nicht so bekannten Nuvinci-Nabe an, die von dem amerikanischen Hersteller Fallbrook Technologies stammt. Die Nuvinci-Nabe wird beim Dover 360 über einen Drehgriff angesteuert. Das Besondere: Sie ist stufenlos und unter voller Last schaltbar. Jeder, der schon mal mit einem Pedelec unterwegs war, weiß diese Vorteile zu schätzen. Durch die Ergänzung von Muskeln und Motor wirken teilweise enorme Kräfte, was bei Ketten- und Nabenschaltungen zu laut krachenden Umschaltvorgängen führen kann, die einem schon mal die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

nuvinci_alexander_klement.jpg

Die stufenlose schaltung ist gewöhnungsbedürftig.

(Foto: Alexander Klement)

An die stufenlose Schaltung muss man sich erst gewöhnen. Man ist ja schließlich Gang-fixiert - egal ob beim Auto- oder Fahrradfahren. Eine Ganganzeige von beispielsweise eins bis neun gibt es bei der Nuvinci-Schaltung nicht. Um einen Eindruck zu vermitteln, welche Einstellung angebracht ist, liefert Nuvinci am Drehgriff ein kleines Symbol, auf dem ein Fahrradfahrer und eine Kurve abgebildet sind. Muss der Fahrradfahrer steil die Kurve hinauf radeln, hat man quasi einen kleinen Gang eingelegt und kann leicht treten. Die Kurve lässt sich bis zur geraden Linie verwandeln, was die Ebene und somit die schwerste Übersetzung symbolisiert. Hat man sich einmal an die Schaltung gewöhnt, lässt sich damit wunderbar umgehen. Hier hakt und klemmt nichts – bis auf das letzte Drehmoment zur schwersten Übersetzung. Hier muss man im Vergleich zur sonst leichten Schaltbewegung etwas mehr Kraft aufwenden.

Akkus halten länger durch

Auf die zweite Neuheit ist man bei Raleigh besonders stolz, auch wenn man sich diese mit der Konzernmutter Derby-Cycle, die unter anderem Kalkhoff-Räder produziert, teilen muss. In Zusammenarbeit mit Panasonic hat man eine neue Akku-Generation herausgebracht. Diese liefert mit 18 Amperestunden nicht nur erstaunlich mehr Kapazität, sondern soll auch 1000 Ladezyklen überstehen, was einer Verdopplung im Vergleich zu dem zuvor eingesetzten Akku-Typ entspricht. Lobenswert ist dabei, dass sowohl die alten Akkus in den neuen Pedelecs als auch die neuen Akkus in den Pedelecs der letzten Modelljahre mit Panasonic-Antrieb zum Einsatz kommen können. Auch die Ladegeräte sind kompatibel.

panasonic_akku_alexander_klement.jpg

Eine Akkuladung soll für 125 Kilometer reichen.

Das Dover 360 fährt sich insgesamt sehr ausgewogen. Mit dem neuen Akku beträgt die Reichweite mit einer Ladung bis zu 125 Kilometer. Es kommen hochwertige Komponenten zum Einsatz, die sich letztlich auch im Preis von 2600 Euro niederschlagen. Das Testrad ist zudem mit rund 25,3 Kilogramm (inklusive Akku) kein Leichtgewicht, lässt sich aber auch ohne Elektromotorunterstützung gut fahren. Der auf Komfort und Bequemlichkeit bedachte Radler sollte beim Händler noch die ungefederte Sattelstütze gegen eine gefederte austauschen lassen. Die wiegt zwar auch etwas mehr, sorgt aber für noch mehr Fahrvergnügen.

Quelle: n-tv.de