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Erst falsch getankt, dann Motorschaden Reparatur von der Steuer absetzen

Die Kosten für den Weg zur Arbeit sind bei der Steuererklärung grundsätzlich über die Entfernungspauschale abgegolten. Nur bei Unfällen macht der Fiskus eine Ausnahme: Wer auf dem Weg zur Arbeit zu Schaden kommt, darf die Reparaturaufwendungen als Werbungskosten abziehen. Gilt das auch für einen Motorschaden durch falsches Tanken?

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Die Kaskoversicherung zahlt normalerweise nicht bei Tankfehlern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Tankstellenbesuch kann ganz schön teuer werden, wenn man versehentlich die falsche Zapfsäule erwischt. Ein Trost: Passiert das Malheur auf dem Arbeitsweg, lassen sich die Reparaturaufwendungen von der Steuer absetzen. Die Folgen einer Falschbetankung seien nicht von der Entfernungspauschale abgedeckt, entschied das Finanzgericht Niedersachsen (Az.: 9 K 218/12).

Der Kläger hatte auf dem Weg zur Arbeit beim Tanken aus Unachtsamkeit Benzin statt Diesel in sein Fahrzeug gefüllt. Etwas später bemerkte es seinen Fehler, weil der Motor "unregelmäßig" lief. Daraufhin steuerte er die nächste Werkstatt an und ließ den Motorschaden dort beheben. Die Werkstattrechnung über 4300 Euro wollte er zunächst bei seiner Kaskoversicherung geltend machen. Die lehnte jedoch ab, schließlich habe der Autofahrer seine Sorgfaltspflichten verletzt.

Unfall zählt nicht zu Betriebskosten

Daraufhin versuchte der Mann, sich wenigstens einen Teil der Kosten über die Steuererklärung zurückzuholen. Zunächst vergeblich, denn das Finanzamt weigerte sich, die Ausgaben als Werbungskosten anzuerkennen. Die Kosten für den Fahrzeugunterhalt und -betrieb seien schon über die Pendlerpauschale abgegolten. Ansonsten seien laut Einkommensteuergesetz nur noch die Aufwendungen nach einem Unfall als Werbungskosten zugelassen. Die Falschbetankung sei aber kein Unfall.

Das Finanzgericht legte das Gesetz nun allerdings weiter aus. Mit der Entfernungspauschale seien lediglich die gewöhnlichen Kfz-Kosten erfasst. Außergewöhnliche Wegekosten, etwa durch Diebstahl, Unfall oder Motorschaden, müssten darüber hinaus als Werbungskosten anerkannt werden.  Diese Auslegung der Gesetzesmaterialien entspreche dem ausreichend klar zum Ausdruck kommenden objektivierten Willen des Gesetzesgebers, so die Finanzrichter. Im Übrigen sei eine solch großzügige Auslegung auch verfassungsrechtlich geboten, sonst würde ein Abzugsverbot für Werbungskosten bestehen.

Noch ist das letzte Wort in der Sache nicht gesprochen: Das Finanzgericht hat die Berufung zugelassen, möglicherweise muss also demnächst der Bundesfinanzhof eine Grundsatzentscheidung treffen.

Quelle: n-tv.de, ino

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