Ratgeber
Freitag, 04. Februar 2011

Viel wichtiger als Spielzeug: Schülerschreibtische im Test

Von Alexander Klement

Viele Kinder ersticken heutzutage förmlich im Spielzeug. Doch wenn es um den passenden Schreibtisch im Kinderzimmer geht, fangen Eltern plötzlich an zu sparen. Was kann man an einem Tisch schon falsch machen, argumentieren viele. Einiges, denn viele Schreibtische im Test sind unbrauchbar.

Haltungsschäden bei den Hausaufgaben - mit einem guten Schreibtisch passiert das nicht.
Haltungsschäden bei den Hausaufgaben - mit einem guten Schreibtisch passiert das nicht.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Sie zappeln, hüpfen, rennen und wuseln den ganzen Tag umher. Die Einschulung ist ein gravierender Einschnitt, denn plötzlich ist still sitzen angesagt: erst in der Schule, dann zu Hause bei den Hausaufgaben. Wenn dann noch sitzfreudige Hobbies wie Fernsehen und Computer spielen hinzu kommen, ist das Gift für den Rücken.

Passendes Mobiliar in der Schule und zu Hause wäre wichtig, denn eine Fehlhaltung am Schreibtisch erhöht die Wahrscheinlichkeit von späteren Rückenbeschwerden noch zusätzlich. Ist das Kind zu groß für den Tisch, kugelt es sich zusammen, ist es zu klein, zieht es krampfhaft die Schulter nach oben. Auf die Schulmöbel haben die Eltern keinen Einfluss. Sie sind meist robust, halten Jahrzehnte lang und sind teuer. Deshalb erfolgt der Austausch nur sehr schleppend. Zuhause hingegen haben es die Eltern in der Hand, einen passenden Stuhl und Schreibtisch für den Nachwuchs bereit zu stellen. Für Eltern ist es allerdings schwer, gutes Mobiliar von schlechtem zu unterscheiden. Hilfestellung leistet ein Test der Verbraucherzeitschrift Öko-Test. Insgesamt neun Kinderschreibtische haben die Tester auf den Prüfstand gestellt.

In Höhe und Neigung verstellbar

Grundvoraussetzung für einen guten Schreibtisch ist, dass er mitwächst – und zwar in möglichst vielen kleinen Schritten. Darüber hinaus sollte sich die Tischplatte um mindestens 16 Grad schräg stellen lassen, da dies einer gekrümmten Sitzhaltung entgegenwirkt. Ob sich die Höhenverstellung leicht bedienen lässt, ist nicht so wichtig. Eine neue Höheneinstellung des Tischs wird nur etwa alle sechs Monate fällig und kann von den Eltern vorgenommen werden. Das Verstellen der Platte sollte allerdings vom Kind selbst erledigt werden können. Deshalb wurde jeder Tisch von Kindern im Alter von fünf, acht, zehn und 13 Jahren ausprobiert. Die Tester haben die Kinder dabei intensiv beobachtet.

Natürlich spielen auch die Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle. Massivholzmöbel und Spanplatten können die Raumluft mit Formaldehyd belasten und auch andere kritische Inhaltsstoffe können der Gesundheit schaden.

Vier Schreibtische unbrauchbar

Vier von neun Schreibtischen erwiesen sich im Test als unbrauchbar. Sie werden von Öko-Test mit "mangelhaft" und "ungenügend" bewertet. Ungebremst herunterfallende Tischplatten, gefährliche Quetsch- und Scherstellen und giftige Inhaltsstoffe machen sie für Kinder zur Gefahrenquelle. Zudem lassen diese Tische oft keine geeignete Sitzposition zu.

Am besten kommt der Moll Schreibtisch "Runner Classic" im Test weg. Es ist der einzige Tisch im Test, bei dem die Tischplattenneigung sehr gut verstellbar ist, denn diese wird beim Herablassen durch einen Zughebel gebremst abgesenkt. Die Verletzungsgefahr wird so deutlich reduziert. Doch selbst der Testsieger, der mit einem Preis von 470 Euro nicht gerade günstig ist, erhält bei der Schadstoffprüfung nur ein "befriedigend". Hier konnte nur ein Massivholztisch überzeugen, der insgesamt aber von den Testern als unbrauchbar eingestuft wurde.

Einen tragbaren preislichen Kompromiss bietet der "Cool Top" von Kettler. Er ist für 159 Euro zu haben und belegt im Test Platz drei. Wie auch beim Testsieger stört hier allerdings die erhöhte Formaldehydabgabe. Die Sieger-Schreibtische lassen sich so einstellen, dass sie von der Einschulung bis zum Abitur nutzbar sind. Es lohnt also, hier ein paar Euro mehr auszugeben, da das Kind dieses Möbelstück lange und oft nutzen wird.

Tisch und Stuhl richtig einstellen

Die besten Tische und Stühle nützen natürlich nichts, wenn die Einstellungen nicht richtig vorgenommen werden. Man beginnt dabei mit dem Stuhl. Beide Füße des Kindes müssen fest auf dem Boden stehen. Die Höhe der Sitzfläche entspricht dann etwa der Höhe der Kniescheibe. Die Beine bilden in etwa einen rechten Winkel. Die richtige Tischhöhe wird ermittelt, indem sich das Kind auf den zuvor eingestellten Stuhl setzt und die Arme locker herunterhängen lässt. Aus dieser Position heraus winkelt es die Arme etwa im rechten Winkel an und streckt die Zeigefinger aus. Die Tischplatte sollte sich knapp unterhalb der Zeigefinger befinden.

Quelle: n-tv.de