Ratgeber

Fremdes Schloss am Fahrrad Selbst befreien ist erlaubt

Man sperrt sein Fahrrad auf, will losfahren - und stellt fest, dass noch ein zweites Schloss das Rad sichert: Jemand hat sein Rad versehentlich mit angekettet. Muss man in solchen Fällen einfach abwarten oder darf man selbst zum Bolzenschneider greifen? Oder ruft man besser gleich die Polizei?

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Fahrräder sollten immer an einen festen Gegenstand gekettet werden - aber nicht an fremde Räder.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Danke fürs Anketten – aber ich habe schon ein Schloss", steht auf dem Zettel, der am Gepäckträger klemmt: "Bitte rufen Sie an, wenn ich mein Rad abholen kann." Nicht alle Radfahrer reagieren so gelassen, wenn sie ihr Fahrrad nicht mitnehmen können, weil es versehentlich mit einem anderen Rad zusammengeschlossen wurde. Passiert so etwas etwa vor einem Einkaufszentrum, gibt es immerhin noch Hoffnung auf eine baldige "Befreiung". Doch was, wenn das Bike am Bahnhof festgesetzt wurde oder an einem Laternenpfahl mitten in der Stadt?

Wer auf sein Rad angewiesen ist, wird kaum so lange warten wollen, bis der Radbesitzer irgendwann auftaucht. Muss er auch nicht, weiß der Rechtsreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Roland Huhn: "Rechtlich spricht nichts dagegen, das andere Schloss zu knacken. Schließlich hat der fremde Fahrer eine Besitzstörung begangen." Die Polizei brauche man dafür nicht zu rufen, meint Huhn. Gegen die Besitzentziehung dürfe man selbst vorgehen – man muss es aber auch können. Ein simples Spiralkabelschloss bekommt man leicht mit einer Zange auf, doch bei schwereren Kalibern muss man schon mit dem Bolzenschneider anrücken. Eine Alternative ist der Schlüsseldienst, doch der kostet Geld.

Wer trägt die Kosten?

Die Rechnung darf man zwar an den anderen Fahrradbesitzer weiterreichen, doch dazu muss man erst einmal wissen, wer das ist. Man kann es natürlich so handhaben wie die Betreiber mancher Supermarktparkplätze: Die lassen widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge einfach abschleppen und geben sie erst wieder heraus, wenn die geforderten Gebühren bezahlt sind. Diese Praxis der Zurückbehaltung hat der Bundesgerichtshof 2009 für rechtens erklärt (Az. V ZR 144/08).

Aufs Rad übertragen heißt das: Man lässt das Schloss vom Profi öffnen und verwahrt das fremde Rad an einem sicheren Ort. Natürlich sollte man dann auch eine Nachricht hinterlassen, wo das Gefährt abzuholen ist. Auf diese Weise könnte man gegebenenfalls auch Schadenersatz einfordern, etwa wenn man statt des Rades den Bus oder ein Taxi nehmen musste.

Die Grenze zur Nötigung ist allerdings fließend: Das Rad solange festschließen, bis dessen Besitzer zahlt, geht nicht. Es mit nach Hause zu nehmen, dürfte allerdings nicht immer praktikabel sein, meint Huhn. Schließlich hat nicht jeder genug Platz und außerdem hat man auch noch ein eigenes Rad dabei. Das fremde Rad einfach ungeschützt stehen zu lassen, kommt nicht in Frage – auch nicht, wenn man das Schloss ohne fremde Hilfe knackt. Damit würde man riskieren, dass das Fahrrad gestohlen wird, und das ist wiederum unverhältnismäßig. "Grundsätzlich sollte man die am wenigsten schädigende Maßnahme wählen", so Huhn. Manchmal reichen auch schon ein paar Minuten Geduld.

Quelle: n-tv.de

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