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Dienstag, 13. November 2012

Klebriges Ärgernis: Kostenfalle Kaugummi

Kaugummis schmecken nicht nur gut, sondern können auch ganz schön Ärger bereiten. Manche greifen zu Cola, die nächsten schwören auf Waschbenzin. Das mag für den Hausgebrauch ausreichen, um lästige Flecken zu entfernen, aber wenn Städte und Kommunen ihre Straßen und Plätze von Kaugummis befreien möchten, dann muss kräftig investiert werden.

Hamburg. Jungfernstieg. Die Fachmänner der niederländischen Spezialfirma JADON gehen an die Arbeit. Ihr Job: Straßenreinigung. Ihre Spezialität: Das Entfernen von kleinen schwarzen Ärgernissen, die auf Deutschlands Straßen und Fußwegen für eine ungewollte und klebrige Bemusterung sorgen: Kaugummis.

Bram van Laar, Experte für Kaugummi-Entfernung: "Wir haben eine spezielle Dienstleistung. Wir machen nur Kaugummi-Entfernung und Straßenreinigung im öffentlichen Raum. Wir machen Innenstädte, Stadien, Flughäfen, Bahnhöfe. Überall wohin viele Leute kommen."

Das Geschäft von Bram van Laar boomt. Mittlerweile ist seine Firma in halb Europa in Sachen Kaugummi-Entfernung unterwegs. Ihr Vorteil: Ein effektives umweltschonendes Reinigungsverfahren:

Bram van Laar, JADON Straßenreinigung: "Wir benutzen eigentlich eine spezielle Technik. Wir haben auch ein Patent darauf. Das Verfahren basiert auf Hochdruck. Ganz heißes Wasser und Dampf. Ohne die Nutzung von Chemie und Reinigungsmitteln. Und so ist es eigentlich freundlich für das Milieu."

Spätestens seit Kaugummis auch als Zahnreinigungs-Helfer angepriesen werden, ist das fröhliche Kauen der bunten Knetgummis zu einem wahren Volkssport geworden. Und das belastet Städte und Kommunen in Deutschland immer mehr.

Reinhard Fiedler, Stadtreinigung Hamburg: "Wenn man genau hinsieht, dann sieht man eigentlich überall Kaugummi. Besonders auffällig ist es vor jedem Kino. Dort denkt man meistens das ist ein Muster im Pflaster, aber tatsächlich ist das Pflaster dort schon fast gummiert möchte ich sagen. Es sind manchmal Hunderte von Kaugummis auf einem Quadratmeter."

Problem: Die kleinen schwarzen Flecken verbinden sich so stark mit dem Asphalt, dass normale Straßenreinigungskräfte wie in Hamburg dem Problem nicht Herr werden:

Nico, Stadtreinigung Hamburg: "Es ist halt schwer überall auch die Kaugummis anzugreifen. Wir müssten da knien und mit dem Eisspray ran gehen. Und da kommt dann halt auch immer auf den Bodenbelag an. Manchmal hat man dann halt so einen rauen ganz porösen Bodenbelag, wo die Dinger dann halt einfach zu fest sitzen. Und man kriegt das so nicht ab."

Die Kosten, die bei Städten und Kommunen entstehen, weil sich die Kaugummi-Kauer nicht an die auf den Kaugummi-Packungen empfohlene Art der Entsorgung halten sind enorm. Alleine die Reinigung des Jungfernstiegs in HH kostet jährlich 40.000 Euro.

Um der Verschmutzung durch Kaugummis Herr zu werden, erheben Städte & Kommunen Bußgelder für das achtlose wegspucken der klebrigen Kaubonbons:

Ralf Mayer, Leiter Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln: "Der Rat der Stadt Köln hat vor ungefähr anderthalb Jahren seine Straßenordnung geändert. Das heißt, dass die Strafen für Verschmutzungen angehoben worden sind. Beispielsweise ein Kaugummi kann jetzt bestraft werden in einem Rahmen von 35 bis 50 Euro."

Wie viel das achtlose Ausspucken kostet, ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. In Düsseldorf darf für 35 Euro gespuckt werden, in Leipzig für 15. In Berlin schlagen 20-35 Euro zu Buche. Und auch in Hamburg kann Kaugummi spucken als "Wegwerfen von Lebensmittelresten" mit bis zu 35 Euro bestraft werden.

Das Problem der Ordnungshüter ist allerdings, dass sie die Übeltäter auf frischer Tat ertappen müssen:

Ralf Mayer, Leiter Ordnungs- und Verkehrsdienst der Stadt Köln: "Bei Kaugummis ist es ein ganz ganz schwieriges Geschäft für die Kolleginnen und Kollegen des Ordnungsdienstes. Weil wir ja Zeuge sein müssen. Wir müssen auf der Straße genau beobachten, wie jemand ein Kaugummi ausspuckt, was dann auf den Boden fällt und erstmal auch nicht aufgehoben werden wird. Das heißt, es ist schon ein Just-in-time-Geschäft. Und entsprechend gering sind da auch leider unsere Fallzahlen, weil wir nur selten Zeuge eines solchen Ereignisses werden."

Kaugummis. Sie schmecken. Machen schöne bunten Blasen. Und wer sie ausspuckt, sollte Obacht geben, denn sonst muss bezahlt werden.

Bram van Laar kann das alles egal sein. Sein Geschäft mit der Kaugummi-Entfernung läuft wie geschmiert …

Quelle: n-tv.de