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Schiefe Töne von nebenan Regeln für die "Hausmusik"

Lärm kann krank machen. Diese Erkenntnis ist mittlerweile allgemein verbreitet. Doch was genau ist Lärm eigentlich? Die Meinungen gehen da weit auseinander. Für viele Menschen ist bereits die direkte Nachbarschaft zu einem Musiker mit Lärm verbunden - nicht zuletzt weil viele Töne beim Üben falsch und schief klingen. Doch was müssen Mitmieter und Hausnachbarn eigentlich ertragen?

Nach der Arbeit entspannt sich Daniel Bresse gerne zu Hause. Und von seinen Entspannungsübungen hat die ganze Nachbarschaft etwas. Denn Daniel Bresse ist passionierter Hobbymusiker: “Wenn man natürlich Schlagzeug spielen will, dann ist es natürlich zu späterer Stunde nicht mehr möglich. Weil man hat Vereinbarungen getroffen, als die Sachen angeschafft wurden, daß man am Wochenende oder am Nachmittag mal ein Stündchen spielt. Da gibt es auch wenig Probleme.“

So harmonisch leben nicht alle Musiker. Mehrere Millionen Menschen in Deutschland spielen ein Instrument. Und häufig streiten sie mit den Nachbarn über die Lautstärke. Dabei sind die Regelungen eindeutig, weiß Norbert Schönleber vom Deutschen Anwaltverein: “Unterschiede haben sich herausgearbeitet bei den Zeiten. Man sagt eben: Ruhezeiten sind einzuhalten zwischen 22 und 7 Uhr und zwischen 13 und 15 Uhr. Und es darf auch außerhalb dieser Ruhezeiten nicht beliebig lange gespielt werden, insbesondere nicht beliebig lange geübt werden. Also da wird nochmal ein Unterschied gemacht zwischen richtigen Musizieren und reinen Übungen.“

Daniel Bresse hat es nicht alleine bei seinem Schlagzeug belassen. Da er Mitglied in einem bekannten Kölner Musikzug ist, muss er mehrere Instrumenten beherrschen, also auch üben.

Übungszeiten eindeutig geregelt

Den Ärgern von Nachbarn kann er nachvollziehen: “Also vor allem wenn man Passagen hat, die man immer wieder spielt, die nicht funktionieren, dann findet man es schon selber nervig. Dann kann man sich auch da reinversetzen, was die Nachbarn jetzt denken, wenn sie immer wieder die Gleiche und das Gleiche hören - teilweise auch schief und verkehrt.“

Aber auch hier der Blick in das deutsche Mietrecht. Selbst die Übungszeiten sind je nach Instrumentengattung eindeutig bestimmt, so Rechtsanwalt Norbert Schönleber:  “Bei den wenigen störenden Instrumenten wie Streichinstrumente, gedämpfte Klavierinstrumente da bis zu drei Stunden am Tag, bei störenden wie Schlagzeugen unter Umständen nur eine Stunde.“

Den Streit um die Hausmusik spürt selbst Andreas Then, ein Klavierhändler. Kaum ein Kunde kauft bei ihm ein Instrument für mehrere tausend Euro oder gar zehntausende Euro ohne den Einbau einer Lärmdämpfung - zum Beispiel mit einem Filzstreifen, der den Schall reduziert.

Dennoch kennt Rechtsanwalt Norbert Schönleber auch extrem musikfreundliche Vermieter. In deren Mietverträgen ist stundenlanges Musizieren ausdrücklich erlaubt: “Der Vermieter kann gegenüber dem Einzelmieter sagen, ich erweitere diese Grenzen, stösst dabei auf die Grenzen der Mitmieter im Haus. Die können sagen, weil die Grenzen überschritten sind, mache ich Gewährleistungsansprüche geltend, mache also Mietminderung geltend. Kann gegebenenfalls auch Unterlassung verlangen oder fristlos kündigen mit Schadenersatzforderungen, wenn diese Voraussetzungen nicht eingehalten werden.“

Für Berufsmusiker ist also selbst ein musikliebender Vermieter keine Lösung. Das hat auch die Kölner Konzertpianistin Kimiko Ishizaka erfahren. Rund acht Stunden übt sie täglich. Deshalb hat sie sich eine schallisolierte Kabine in ihre Wohnung bauen lassen. Das schützt vor Streit.

                              

Quelle: n-tv.de