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Eigenleistungen beim Hausbau Risiken der "Muskelhypothek"

Am Wochenende sind viele Bauherren fleißig. Da wird am eigenen Traumhaus Hand angelegt. Die Einen verputzen Wände und verlegen Fliesen, die Anderen ziehen eigenhändig Mauern. Fachleute nennen solche Eigenleistungen „Muskelhypothek“. Doch die birgt eine Menge rechtlicher Probleme.

Dies ist eine der Schattenseite des derzeitigen Immobilienbooms. Der Traum vom Haus ist bei Torsten Konczak zwar nicht geplatzt, aber er verkümmert langsam. Torsten Konczak ist Schlosser, Familienvater und Eigentümer eines nicht fertigen Hauses am Niederrhein: "Der Bau läuft jetzt seit drei Jahren. Nach einem Jahr ist uns das Geld ausgegangen. Deswegen sind wir halt in einem nicht fertigen Haus eingezogen."

Alles begann mit einem Besuch in der Ausstellung eines Fertighausanbieters. Der Verkäufer hat Torsten ein Fertighaus gezeigt. Und sagte, mit seinen Mitteln sei die Finanzierung kein Problem. Er müsste nur ein bisschen selber machen.

Selber machen - Fachleute nennen dies Muskelhypothek. Bei der Verbraucherorganisation Bauherren-Schutz stapeln sich derartige Fälle, wie Peter Mauel erläutert: "Wir haben jetzt konkret Fälle, bei denen aufgrund des fehlenden Geldes, um die Arbeiten ausführen zu lassen, die innerhalb der Muskelhypothek erbracht werden sollten, die Leute entweder in unfertigen Häusern sitzen oder gar nicht einziehen können, weil die Häuser nicht fertiggestellt werden können. Ihnen fehlt das Geld hierzu. Ihnen fehlt das Geld für das Material, ihnen fehlt das Geld für die Unternehmen, die letztendlich die Arbeiten der Muskelhypothek fertigstellen müssen."

Das Fertighaus von Torsten Konczak wurde in nur zwei Tagen montiert. Er übernahm einen Rohbau ohne jede Installation. Jetzt sollte er seine "Muskeln" gebrauchen.

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) bewertet die Eigenleistung am Bau kritisch. Vor allem die Verzahnung von Handwerkerarbeiten und Eigenleistungen birgt Probleme, wie Thomas Hannemann erklärt: "Wenn ich Vorbereitungsarbeiten mache, und auf meinen Arbeiten baut dann der nächste Handwerker auf, und wir haben mit dem ausgemacht, der kommt in der Kalenderwoche X. Muss ich bis dorthin auch fertig sein. Bin ich nicht fertig, und er kann seine Arbeit nicht draufsetzen, dann habe ich schon ein Problem. Denn dann ich plötzlich in Verzug und nicht der Handwerker, den ich beauftragt habe."

Der zweite Punkt ist laut Thomas Hannemann vom DAV die Gewährleistung: "Ich mach den Untergrund, nehmen wir mal an, und irgendein Handwerker macht die Fliesen drauf. Und dann ist der Untergrund schief, und die Fliesen reißen. Dann streiten wir uns: Ist jetzt eigentlich der Fliesenleger schuld, weil die Risse in den Fliesen sind? Oder bin ich schuld oder beide? Weil der Fliesenleger hätte sagen müssen, mit dem krummen Untergrund da kann ich mit dem Fliesen nicht beginnen."

Wer Eigenleistungen erbringen will, sollte also seine eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen, wie Peter Mauel vom Bauherren-Schutz erläutert: "Derjenige Bauherr, der die Elektroleitungen selbst verlegt, der kein Elektriker ist, und bei dem es nachher irgendwann mal brennt. Der wird erleben, dass die Feuerversicherung, wenn der Brand durch eine fehlerhaft verlegte Elektroleitung herbeigeführt worden ist, wenig begeistert davon ist zu zahlen. Das wird sein Problem sein. Das heißt, es gibt zahlreiche Haftungsfälle bei Eigenleistung, wenn sie fehlerhaft hergestellt worden sind."

Torsten Konczak ist das Geld ausgegangen, weil seine Muskelhypothek falsch eingeschätzt und berechnet wurde. Er will gegen das Fertighausunternehmen klagen.

Quelle: n-tv.de