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Wann Kinder zahlen müssen Tipps zum Elternunterhalt

Immer häufiger meldet sich das Sozialamt bei den Kindern und verlangt Unterhalt für die Eltern. Die meisten Betroffenen erschrecken über die finanziellen Belastungen, doch mit der richtigen rechtlichen Beratung, muss es nicht so schlimm kommen. Hier unsere Tipps zum Elternunterhalt.

Früher waren es nur Einzelfälle, jetzt aber entwickelt sich der Elternunterhalt zum Massenphänomen. Immer mehr Menschen sind betroffen. Auf der Webseite der Interessengemeinschaft Unterhalt (ISUV) wird das Thema immer häufiger angeklickt. Informationsveranstaltungen sind bis auf den letzten Platz gefüllt, weiß Josef Linsler von der ISUV: "Die Pflege ist zur öffentlichen Angelegenheit geworden und dementsprechend auch teuer. Hinzu kommt, dass die Pflegeversicherung mit einem Höchstsatz von 1.700 Euro in den meisten Fällen eine Vollpflege bei weitem nicht abdecken kann."

Kinder sind gegenüber Eltern unterhaltspflichtig

Und auch auf der Webseite des Fachanwaltes Jochem Schausten vom Deutschen Anwaltverein (DAV) suchen mehrere tausend Betroffene Rat. Spätestens dann, wenn sie Post von den Sozialbehörden bekommen haben: "Der erste Schritt ist ja regelmäßig der, dass für die Eltern Sozialhilfe beantragt wird, weil sie sich diese Kosten nicht mehr leisten können. Dann kommt der Sozialhilfeträger auf die unterhaltspflichtigen Kinder zu und fordert von denen Auskunft über deren Einkommen und deren Vermögen. Und dann ermittelt auch der Sozialhilfeträger, wie hoch die Unterhaltsverpflichtung sein kann."

In einem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Köln ist die Hälfte der Bewohner auf das Sozialamt und somit auch auf Unterhaltszahlungen ihrer Kinder angewiesen. Zu Unterhalt verpflichtet sind in der Regel nur die Kinder, und auch nur dann, wenn ihr Einkommen ausreichend groß ist, erläutert Jochem Schausten vom DAV: "Als Unterhaltspflichtiger kann ich sowohl aus meinem Einkommen, also dem regelmäßigen Einkommen, als auch aus meinem Vermögen heraus unterhaltspflichtig sein. Deswegen muss ich sowohl über meine Einkünfte als auch über mein Vermögen vollumfänglich Auskunft erteilen."

Kompliziertes Berechnungsverfahren

Die Höhe der Unterhaltsleistungen wird nach einem recht komplizierten Verfahren berechnet - ein Beispiel: Ein unverheirateter Mann hat ein Einkommen von 2.200 Euro netto im Monat. Davon werden abgezogen: die Ausgaben für eine Lebensversicherung, die Rate für einen Kredit und die Kosten für den Öffentlichen Nahverkehr. Unter dem Strich bleibt ein anrechenbares Einkommen von 1.900 Euro.

Von diesem Betrag steht dem Mann für seine Lebensführung ein Betrag von 1750 Euro zu. Somit verbleiben 150 Euro, die er als Unterhalt an seine pflegebedürftige Mutter zahlen müsste. Wer eine selbstgenutzte Immobilie hat, muss sich diese auch als Einkommen anrechnen lassen.

Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern. Das Einkommen des Mannes beträgt 3.200 Euro, das der Ehefrau 400 Euro. Für die Nutzung des eigenen Hauses wird ein Wohnwert von 630 Euro hinzugerechnet. Somit beträgt das anrechenbare Einkommen 4.230 Euro.

Abgezogen werden davon aber die Finanzierungskosten des Hauses von 1.200 Euro. Und auch der Unterhalt für die Kinder schlägt zu Buche. Somit vermindert sich das anrechenbare Einkommen auf 2.368 Euro.

Dem Paar steht zur eigenen Lebensführung ein Betrag von 2.880 Euro zu. Es bleibt also kein Geld für Unterhaltsleistungen übrig. Das Paar muss nichts zahlen.

Zahlungsbescheid genau prüfen

Wer einen Zahlungsbescheid erhält, sollte diesen nicht einfach hinnehmen, rät Jochem Schausten vom DAV: "Bei den Bescheiden, bei den konkreten Zahlungsaufforderungen der Sozialämter sind nach unseren Erfahrungen 60 bis 80 Prozent der Bescheide falsch. Aber wir müssen dabei sagen, dass sie nicht immer zu Ungunsten der Betroffenen falsch sind, manchmal sind sie auch zu Gunsten der Betroffenen falsch. Deswegen ist es immer wichtig, dass man diesen Bescheid überprüfen lässt."

Wer die Bescheide kritisch prüfen lässt, handelt nicht lieblos gegenüber den Eltern. Er nimmt nur sein Recht in Anspruch.

Quelle: n-tv.de