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Montag, 03. Dezember 2012

Das fliegende Auge: Was dürfen Drohnen?

Kleine unbemannte Flugroboter sind inzwischen in vielen militärischen Einsätzen an der Tagesordnung. Doch mehr und mehr rücken sie auch ins Interesse der Privatnutzer. Mit dem Smartphone lassen sich Mini-Kameras in den Himmel schicken, und die Drohnen der Zukunft gehorchen sogar auf Handzeichen...

Kleine unbemannte und ferngesteuerte Fluggeräte, kurz: Drohnen, sind schon längst keine Filmphantasie mehr. Rasend schnell entwickelt sich hier der Fortschritt – mehr und mehr erobern sich die kleinen Flugkünstler ihren festen Platz in unserem Alltag…

Professionelle Drohnen

Wer sich ein Bild über die enormen Fortschritte der Drohnentechnologie machen will, muss die Firma Microdrones im westfälischen Siegen besuchen. Der nach eigenen Angaben "Weltmarktführer" bei den "Drohnen bis 5 kg" hat dort eine ehemalige Kirche als Firmensitz bezogen und baut wahre High-End-Drohnen, die aber auch Fluglaien schnell beherrschen lernen.

Daniel Knoche, Sales Manager microdrones GmbH, Siegen: "Ich habe jetzt die Knüppel losgelassen, sie ist im sog. Position hold und bleibt jetzt genau an der Position. Wenn wir jetzt Wind hätten, gleicht die Microdrone das automatisch aus, d.h. sie fliegt auch dann noch, wenn der Hobbypilot längst einpackt."

Statt auf Hobbypiloten setzt Microdrones auf professionelle Anwendungen wie die Kontrolle von Stromleitungen oder schwer zugänglichen Gebäuden wie Windkrafträder und Sendemasten. Die teuerste Variante der Siegener kostet rund 40.000 Euro, ihr größtes Ausdauer-Modell schafft ohne Unterbrechung 90 Minuten in der Luft und kann sich dabei bis zu einem Kilometer vom Piloten am Boden entfernen.

Gigantische Möglichkeiten, die längst auch in Hollywood entdeckt worden sind…

Daniel Knoche, Sales Manager microdrones GmbH, Siegen: "Die Microdrone ist auch im Filmbereich in der Anwendung. Sie bietet die Perspektive von oben, die sonst nur teure Hubschrauber oder Kräne bieten, Und mit der Drohne starte ich quasi aus dem Kofferraum heraus."

Auch an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ist man fasziniert von den Drohnen und benutzt sie für die Forschungen zur intelligenten Steuerung. So ist es im Labor der Flying Machine Arena gelungen, für einen Drohnenschwarm eine erstaunliche Tanzchoreographie zu programmieren.

Prof. Raffaello D’Andrea, Professor "Dynamic Systems and Control" am Swiss Federal Institute of Technology, ETH Zürich: "Unser Ehrgeiz ist es, diese Flugobjekte Dinge tun zu lassen, die sie noch nie zuvor getan haben. Sie lernen, indem wir sie immer wieder das gleiche tun lassen, um so noch exakter zu werden. Unsere Herausforderung ist dabei, unsere Handlungsanweisungen für sie weiter zu verbessern."

Wie beeindruckend diese Forschungsergebnisse sind, zeigt auch die Drohne, die mit einem Badmintonschläger ausgerüstet ist und sich als perfekter Spielpartner entpuppt. Dank der aufwendigen Kameratechnik, die auch für Trickfilmaufnahmen in Hollywood verwendet wird, gelingt es der Drohne ganz ohne Fernsteuerung, den Ball zu orten und entsprechend zu reagieren.

Angela Schoellig/Doktorantin am Swiss Federal Institute of Technology, ETH Zürich: "Wir haben es mal probiert mit einem Hobbypiloten, der den Quadrokopter mit Hand gesteuert hat statt mit dem Computer. Er hat es 50 Mal probiert und hat es kein einziges Mal geschafft, den Ball überhaupt zu treffen, geschweige denn, ihn in die richtige Richtung zurück zu spielen. Das zeigt, wie schwierig diese Aufgabe ist."

Auch das Netz-Ballspiel des Drohnentrios fasziniert seine Zuschauer. Und auch hier spielen die beteiligten Drohnen völlig autonom ohne Fernsteuerung des Forschungsteams, indem sie den Ball mit dem Netz gemeinsam hochwerfen und wieder auffangen. Diese Versuche lassen erahnen, welche neuen Möglichkeiten auch außerhalb des Labors schon bald Realität werden könnten…

Prof. Raffaello D’Andrea/Professor "Dynamic Systems and Control" am Swiss Federal Institute of Technology, ETH Zürich: "Der Weg vom Labor zu Produktlösungen wird immer kürzer. Auch, weil die Hardware auch für Drohnen immer preiswerter wird. Und dank unserer Software-Fortschritte halte ich es für möglich, dass diese Anwendungen schon in zwei drei Jahren in einem Spielzeugladen zu kaufen sind."

"Drohnen-Spielzeug"

Drohnen-Spielzeug, das heute schon seine Fans findet: Wie das kamerataugliche Modell des Elektronikfachmarktes Conrad mit Videobrille, die Bilder von der Drohnen-Kamera live anzeigt und über Headtracking sogar die Kamera steuern kann.

Auch der AR-Quadrokopter des französischen Herstellers Parrot zählt - mit Steuerung und Videoanzeige übers Smartphone - zu den Bestsellern im Consumer-Markt. Der Preis: ebenfalls rund 300 Euro.

Bleibt die Sorge der Datenschützer vor dem Eingriff in die Intimsphäre, wenn per Drohne aus unerwarteter Perspektive mehr und mehr gefilmt wird. Bei Profi-Anbieter Microdrones ist das jedoch kein Thema.

Daniel Knoche/Sales Manager microdrones GmbH, Siegen: "Sie dürfen in Deutschland in allen Bundesländern grundsätzlich auch gewerblich ein solches Produkt einsetzen. Sie müssen sich für das jeweilige Bundesland eine Aufstiegsgenehmigung beschaffen, die Sie – sinnvollerweise – bei Höhe und Entfernung ein wenig einschränkt, aber nicht wirklich beschneidet. D.h., Sie können überall in Deutschland fliegen."

Und solange das als Schutz von unbeteiligten Dritten ausreicht, wird der Siegeszug der Drohnen wohl weiter anhalten.

Quelle: n-tv.de