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Garantie oder Gewährleistung Was hilft im Schadensfall weiter?

Über seine Rechte sollte jeder informiert sein - auch beim Einkauf. Doch leider ist es mit der Rechtskundigkeit bei vielen Verbrauchern nicht so gut gestellt. Laut einer Untersuchung kennt die Mehrheit den Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung nicht. Mit bösen Folgen. Denn Hersteller und Handel wissen das oft zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Deutschland erlebt einen wahren Fahrradboom. Fast jeder zweite Deutsche benutzt das Zweirad regelmäßig. Die Verkaufszahlen steigen ständig. Für fast zwei Milliarden Euro kaufen die Deutschen pro Jahr Fahrräder.

Auch unser Reporter Paul Reifferscheid hat sich einen neuen Drahtesel zugelegt und freut sich drüber: "Das könnte jetzt eine wunderbare Fahrradbeziehung werden. Jedenfalls wenn einem zwei Begriffe geläufig sind: Garantie und Gewährleistung."

Garantie ist freiwillig

Die Unterschiede erklärt Christian Kerner vom Deutschen AnwaltVerein( DAV): "Garantie ist die freiwillige Leistung eines Herstellers oder Verkäufers zur Funktionstüchtigkeit eines Produktes. Gewährleistung ist das gesetzliche Recht des Käufers über die Mangelfreiheit eines Produktes."

Ob aus dem Neuerwerb eine echte Fahrradliebe wird, entscheidet sich nach dem Kauf. Je regelmäßiger man in die Werkstatt muss, desto unzufriedener wird meist der Käufer. Und auch nach einer Wartung oder Reparatur bleibt man vom Fehlerteufel oft nicht verschont, weiß Paul Reifferscheid: "Typischer Fall von blöd gelaufen. Kaum war die Beleuchtung repariert, war sie auch schon wieder ausgefallen. Und da fragt man sich, wie oft muss man eigentlich einem Betrieb die Möglichkeit geben, einen Schaden zu beheben?"

Dreimal muss man einem Händler die Möglichkeit zur Nachbesserung geben. Das sieht die Gewährleistung vor. Das gilt auch für Reparaturen: "Wenn der Händler das repariert hat, und es ist ein Fehler entstanden, dann muss der Händler erneut nachbessern und muss auch für den Fehler einstehen.", so Christian Kerner vom DAV.

Gewährleistung meist zwei Jahre

Garantiefälle sind bei Rädern seltener als Gewährleistung. Für die Gewährleistung ist der Händler verantwortlich, die Garantie gewährt der Hersteller. "Die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt in der Regel zwei Jahre, bei gebrauchten Sachen ein Jahr. Garantieleistungen, die als freiwillige Leistungen des Herstellers oder Verkäufers hinzukommen, die können wesentlich länger sein. Die können auch bis zu drei oder fünf Jahren dauern.", so Christian Kerner vom DAV.

Kleinere Servicearbeiten übernimmt immer öfter der Fahrradhändler. Doch einen platten Reifen hat man trotzdem häufiger als gewünscht. "Man hat gerade einen neuen Schlauch in den Reifen bauen lassen, und 500 Meter weiter, um die nächste Ecke, war der Reifen schon wieder platt. Wer kommt denn jetzt für den Schaden auf?", fragt sich unser Reporter Paul Reifferscheid.

Christian Kerner vom DAV kennt die Antwort: "Wenn nicht klar, wodurch der Schaden entstanden ist, muss derjenige den Schaden beweisen, der den Schaden hat. Das ist in der Regel der Käufer."

In der Werkstatt werden die Mechaniker schnell fündig. Eine kleine Glasscherbe im Reifenmantel hat den Schlauch zerstört. "Es kann sein, daß wir diese Scherbe nicht gefunden hatten beim Nachschauen und Kontrollieren des Reifens. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass sie sich 500 Meter weiter oder auch einen Kilometer weiter eine neue Scherbe zugezogen haben. In solch einem Fall einigen wir uns mit dem Kunden, weil niemand weiß, wer ist eigentlich der Schuldige. Und dann teilen wir uns den Aufwand: Wir übernehmen die Montagekosten, der Kunde den Schlauch oder umgekehrt.", so Wilfried Schneider von Schneider Radsport.

Das nennt man dann nicht Gewährleistung sondern Kulanz.

Quelle: n-tv.de