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Einkommensteuererklärung 2020 So Versicherungen zum Steuersparen nutzen

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Alle Steuerpflichtigen können nicht nur Belastungen für die Basisabsicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung, sondern auch für "sonstige Vorsorgebeiträge" von der Steuer absetzen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Mit den richtigen Angaben in der Steuererklärung sparen Steuerzahler dank verschiedener Versicherungen. Potenzial für Vorteile bietet sich außerdem für Versicherte mit einer Riester- oder Rürup-Rente. Wann Sie profitieren, erfahren Sie hier.

Es gibt 1000 Wege, um bei der Steuererklärung die eigene Steuerlast zu mindern und Geld zu sparen. Manche der Möglichkeiten sind besser bekannt als andere. Zu den weniger bekannten Ansätzen und Wegen gehören Steuervorteile, die sich aus Versicherungen ergeben. Wie Sie Ihre Steuererklärung auch in dieser Hinsicht optimieren, erfahren Sie im Beitrag.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Die schlechte Nachricht zuerst: Zahlen Steuerpflichtige über 1900 Euro (Arbeitnehmer) beziehungsweise 2800 Euro (Beamte und Selbstständige) für die Kranken- und Pflegeversicherung, dann haben sie die Höchstgrenze der Vorsorgeaufwendungen ausgereizt. Weitere Belege zusammenzusuchen, können sie sich dann sparen, denn zusätzliche Versicherungsbeiträge lassen sich nicht geltend machen. Jetzt die gute Nachricht: Es gibt ein paar Möglichkeiten, um die Steuerlast trotz der Höchstgrenze der Vorsorgeaufwendungen zu optimieren.

Wer Beiträge vorauszahlt, kann Steuern sparen

Laut einem Anwendungsschreiben aus dem Bundesfinanzministerium gilt: Bis zur Höhe von drei Jahresbeiträgen dürfen private Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge im Voraus gezahlt werden. Der auf die sogenannte Basisabsicherung entfallende Anteil der PKV-Beiträge können Steuerzahler somit in demjenigen Jahr steuerlich geltend machen, in dem sie ihn bezahlt haben.

Der Hintergrund: Alle Steuerpflichtigen können nicht nur Belastungen für die Basisabsicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung, sondern auch für "sonstige Vorsorgebeiträge" von der Steuer absetzen. Für Letztere gilt eine Maximalgrenze von 1900 Euro (für Arbeitnehmer und Beamte) beziehungsweise von 2800 Euro (für Selbstständige). Und auch das nur, sofern dieser Rahmen nicht schon durch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgefüllt ist. Das führt dazu, dass das Finanzamt in der Regel kaum sonstige Beiträge vom Finanzamt anerkennt.

Zahlen Versicherte ihre PKV-Beiträge nun im Voraus, schöpfen sie zwar die Höchstgrenze in dem Jahr voll aus, in dem die Vorauszahlung anfällt. In den folgenden Jahren besteht dann aber der volle Spielraum und kann für sonstige Versicherungen wie private Zusatzversicherungen genutzt werden. Der finanzielle Vorteil aus diesem Vorgehen kann mehrere Tausend Euro betragen.

Ein weiterer Tipp: Auch sogenannte Beitragsentlastungstarife sind steuerlich absetzbar. Zahlungen dafür kann man in Höhe von drei Jahresprämien ebenfalls im Voraus ansetzen.

Versicherungsbeitrag für das Kind absetzen

Egal, ob gesetzlich oder privat: Die monatlichen Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung können Steuerpflichtige als Sonderausgabe in ihrer Steuererklärung eintragen - auch die Beiträge für ihr Kind.

Voraussetzung dafür ist, dass sie einen Anspruch auf Kindergeld oder den -freibetrag für ihr Kind haben, zum Unterhalt verpflichtet sind und sie die Beiträge auch tatsächlich bezahlt haben. Die Beiträge tragen Eltern in der Anlage Kind unter dem Punkt "Kranken- und Pflegeversicherung" ein.

Wenn das Kind selbst Versicherungsnehmer ist

Ist das Kind selbst Versicherungsnehmer, kommt es aus steuerlicher Sicht auf die genauen Umstände an. Es gibt zwei Varianten: Entweder ist das Kind selbst zwar Versicherungsnehmer, die Eltern erstatten ihrem Sprössling aber die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. In diesem Fall können die Eltern die Kosten im Rahmen der Sonderausgaben absetzen. Wichtig ist, dass sie zum Unterhalt verpflichtet sind und die Kosten tatsächlich übernommen haben.

Die zweite Variante: Das Kind ist Versicherungsnehmer und die Eltern übernehmen nur Kost und Logis, nicht aber die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. In diesem Fall können sie die Kosten nicht in ihrer Steuererklärung eintragen. Das hat der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Gericht für Steuern, im März 2018 entschieden.

Die Finanzverwaltung sieht das aktuell lockerer: Am 3. April 2019 veröffentlichte das Bundesfinanzministerium ein sogenanntes BMF-Schreiben und erklärte, dass es nicht darauf ankäme, ob die Beiträge in Form von Bar- oder Sachunterhaltsleistungen geleistet werden. Mein Tipp: Auch wenn Eltern nur Kost und Logis übernommen haben, sollten sie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung in ihrer Steuererklärung eintragen.

Riester-Rente kann schon heute lohnen

Mittlerweile sorgen über 16 Millionen Deutsche mit einem Riester-Vertrag zusätzlich für das Alter vor. Sie profitieren von der staatlichen Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen, die ich im Folgenden näher erläutere.

Zum einen profitieren Riester-Sparer von einer staatlichen Grundzulage in Höhe von 175 Euro, die jährlich gezahlt wird, wenn der Riester-Vertrag abgeschlossen ist. Für Eltern winkt zudem eine Kinderzulage, die vom Geburtsjahr des oder der Kinder abhängt: Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, gibt es eine Zulage von 185 Euro, für Kinder, die nach 2008 das Licht der Welt erblickten, sind es 300 Euro.

Außerdem fördert der Staat gezielt Bürger mit geringen Einkommen (Hinweis: Ein Wert ist nicht klar definiert - bis maximal 20.000 Euro brutto ist eine gute Peilung). Denn die geplante Erhöhung der Grundzulage macht Riester insbesondere für diese Gruppe unter den Steuerzahlern noch attraktiver.

Doch auch Besserverdienende kommen in den Genuss eines Steuervorteils: Wer circa 50.000 Euro und mehr verdient, profitiert von der sogenannten Günstigerprüfung. Hier prüft das Finanzamt automatisch, ob die Zulagen oder der Sonderausgabenabzug vorteilhafter sind.

Sollen die Riester-Beiträge zusammen mit den staatlichen Zulagen steuerlich abgesetzt werden, muss dem Versicherer die Erlaubnis vorliegen, die Höhe der eingezahlten Beiträge elektronisch an die Finanzverwaltung zu melden. Bei der Einkommensteuererklärung müssen Versicherte dann zusätzlich die Anlage "AV" ausfüllen.

Steuervorteile durch die Rürup-Rente

Für Rürup-Sparer beträgt der anrechenbare Höchstbetrag deutlich mehr als 2100 Euro. 2019 liegt der als Sonderausgaben abzugsfähige Freibetrag bei 24.305 Euro pro Jahr (bei Verheirateten: 48.610 Euro). Das Finanzamt erkennt 2019 zudem 88 Prozent der geleisteten Aufwendungen als Sonderausgaben an, das entspricht 21.388 Euro.

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Dieser Prozentsatz steigt jedes Jahr, bis Sparer 2025 ihre Beiträge zu 100 Prozent geltend machen können (bis zum Höchstbetrag). Die Steuerersparnis durch die Rürup-Rente ist daher immens.

Die Beiträge für den Rürup-Vertrag werden bei der Steuererklärung in der Anlage "Vorsorgeaufwand" eingetragen. Wie bei der Riester-Rente gilt hier: Der Anbieter muss die entsprechenden Daten elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln.

Besonders gut Verdienende können ihre hohe Steuerlast durch die absetzbaren Beiträge deutlich senken. Angestellte müssen hierbei beachten, dass die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlten Anteile zusammen mit den Rürup-Beiträgen nicht den Freibetrag von 24.305 Euro übersteigen.

Daniel Schollenberger ist Steuerexperte des Portals Steuertipps.de von Wolters Kluwer.

Quelle: ntv.de