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Extra-Zahlungen boomen So klappt's mit der Rente mit 63

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Die Rente mit 63 geht meist mit hohen Einbußen einher.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Die gesetzliche Rente war lange eine Lachnummer. Doch mangels Zinsen am Kapitalmarkt erlebt sie eine Renaissance. Immer mehr Menschen zahlen Sonderbeiträge in die Rentenkasse, um frühzeitig die Füße hochlegen zu können, ohne gleichzeitig Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. So geht's.

Der Glaube an die Gemeinschaft ist wieder gestärkt. Heißt: die umlagefinanzierte Altersvorsorge in Form der gesetzlichen Rente wird wieder wertgeschätzt. Vor allem mangels Alternativen am Kapitalmarkt. Und so kommt es, dass immer mehr Bürger Extra-Beiträge in die Rentenkasse einzahlen, damit sie ohne Abschläge früher in Rente gehen können. 

Laut der "Süddeutschen Zeitung" stieg die Zahl der Versicherten, die mit Extra-Beiträgen spätere Rentenminderungen ausglichen, zwischen 2017 und 2018 um 50 Prozent auf 291 Millionen Euro.

Und das aus gutem Grund, denn dem Blatt zufolge können gesetzlich krankenversicherte Rentner mit einer Rendite zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr rechnen. Bei privat Krankenversicherten sind es etwa drei bis vier Prozent. Wer sein Geld in eine private Rentenversicherung investiert, kann aktuell nur mit einem Garantiezins von 0,9 Prozent rechnen. Da scheint es deutlich attraktiver, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu leisten.

Flexirentengesetz macht's möglich

Grundsätzlich darf dies jeder, der 16 Jahre alt ist, in Deutschland wohnt, hier nicht versicherungspflichtig ist und keine volle Altersrente bezieht. Was auch für Deutsche gilt, die im Ausland wohnen. Besonders Mütter und Väter, die nie in die Rentenkasse eingezahlt und sich stattdessen der Kindererziehung gewidmet haben, profitieren. Sie bekommen pro Kind, das ab 1992 geboren wurde, drei Jahre Kindererziehungszeit gutgeschrieben. Müttern und Vätern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, werden seit 2014 zwei Jahre fiktive Beitragszahlung angerechnet - bisher war es nur ein Jahr. Doch das ist zumindest bei einem Kind nicht ausreichend, um in den Genuss einer gesetzlichen Rente zu kommen. Zur Mindestversicherungszeit von fünf Jahren zählen neben Kindererziehungs- auch Pflegezeiten, Zeiten aus Versorgungsausgleich, Arbeitslosigkeit, längerer Krankheit, Schulausbildung oder Studium. Versicherte sind also gut beraten, ihren Versicherungsverlauf genau zu prüfen. Hier kann die Zahlung von freiwilligen Beiträgen den Rentenanspruch sichern.

Und - jetzt kommt der Clou - durch das Flexirentengesetz können auch Versicherte seit Juli 2017 schon vom 50. Lebensjahr an mit freiwilligen Beiträgen Rentenminderungen bei vorzeitigem Ruhestand mit 63 kompensieren. Dies ist für jene, die 35 Versicherungsjahre aufweisen der früheste Zeitpunkt, aus dem Berufsleben auszusteigen und gleichzeitig die gesetzliche Rente zu kassieren.

Einige Zehntausend Euro fällig

Aber jeder Monat, der früher als vor dem gesetzlichen Renteneintritt mit 67 Jahren in den Ruhestand gegangen wird, kostet Versicherte 0,3 Prozent Abzug. Wer also bereits mit 63 in Rente gehen möchte, muss sich mit 14,4 Prozent weniger zufriedengeben. Bedacht werden sollte auch, dass die Rentenkürzung ein Leben lang erhalten bleibt. Sie fällt nicht weg, sobald der Versicherte sein reguläres Rentenalter erreicht hat.

Ein Teil der Abschläge kann durch freiwillige Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung ausgeglichen werden. Allerdings nur für Zeiten, in denen keine Arbeitslosigkeit bestand. Ein Jahr früher abschlagsfrei aufzuhören, kostet Versicherte ab dem Jahrgang 1964, bei einer angestrebten Rente von 1000 Euro zum Beispiel rund 8500 Euro. Für mehrere Jahre kommen so leicht einige Zehntausend Euro zusammen. Entgeltpunkte, welche durch die verkürzte Arbeitsdauer fehlen, lassen sich aber nicht ausgleichen.

Kein Geld zurück

Abgesehen davon kann der Ausgleichsbetrag über die Jahre bis zum 63. Lebensjahr gestreckt werden. Solche Teilzahlungen sind nicht nur leichter zu schultern, sondern auch steuerlich sinnvoll. Denn die Beiträge können jedes Jahr ganz oder zumindest teilweise im Rahmen der Altersvorsorgeaufwendungen bei der Steuer abgesetzt werden. Bei einer nachträglichen Zahlung für das Jahr 2019 kann die Beitragshöhe zwischen dem Mindestbeitrag von 83,70 Euro und dem Höchstbeitrag von 1283,40 Euro monatlich gewählt werden.

Die Ausgleichszahlung kann auch dann geleistet werden, wenn der Versicherte gar nicht früher in Rente gehen möchte. Denn mit der Zahlung halten sich Versicherte lediglich die Option auf eine abschlagsfreie vorzeitige Rente offen. Wer dann doch bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten möchte, kann dies tun. Das zusätzlich eingezahlte Geld gibt es aber nicht bar zurück, sondern nur in Form einer dann höheren Rente.

Um wie viele Euro die freiwilligen Zahlungen die gesetzliche Rente tatsächlich erhöhen, lässt sich bei dem neuen Rechner der Stiftung Warentest hier errechnen. Aber auch die Deutsche Rentenversicherung steht für Auskünfte, Beratung und Prognosen zur Verfügung. 

Quelle: ntv.de