Ratgeber

Wer zahlt noch was? Tagesgeld-Zinsen bröckeln

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Im Schnitt liegt der Tagesgeldzinssatz für 5000 Euro derzeit bei 1,35 Prozent.

(Foto: Lupo/pixelio.de)

Spätestens nach der Leitzinssenkung der EZB war absehbar, dass auch Tagesgeld an Attraktivität einbüßen würde. Etwa jede dritte Bank zahlt Anlegern jetzt weniger Zinsen. Immer noch gibt es Angebote von 2,4 Prozent oder mehr, doch meist sind die nicht ohne Tücken. Interessant bleiben die Konten der Bank of Scotland und der ING Diba.

Parken Banken überschüssiges Geld bei der  Europäischen Zentralbank (EZB), bekommen sie dafür seit Anfang Juli überhaupt keine Zinsen mehr. So gesehen sind Bankkunden noch ganz gut dran: Ein halbes Prozent ist für sie fast immer drin, wenn sie ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto lassen. Viel ist das freilich nicht: Angesichts einer Inflationsrate von aktuell 1,7 Prozent fällt die Rendite am Ende negativ aus.  Doch auch mit den besseren Tagesgeld-Angeboten wird der Inflationsausgleich zunehmend schwerer.

Konten mit Zinssätzen über zwei Prozent sind rar geworden, denn viele der Banken, die bei Tagesgeldvergleichen bislang weit oben mitspielen, haben die jüngste Leitzinssenkung zum Anlass genommen, ihre Guthabenzinsen herabzusetzen. Lockte die Volkswagen Bank etwa kürzlich noch Neukunden mit 2,3 Prozent, so zahlt sie jetzt nur noch zwei Prozent. Die sind immerhin bis zum 15. Januar des nächsten Jahres sicher, danach gibt es aber – nach aktuellem Stand - nur noch 1,30 Prozent. Für Anleger, die sich längerfristig binden möchten, dürften Angebote wie das der MoneYou interessanter sein: Die Niederländer unterscheiden nicht zwischen Neu- und Bestandskunden. Für alle Sparer gibt es bis auf weiteres 2,35 Prozent Zinsen, statt wie bisher 2,45 Prozent.  

Mit diesem Abzug liegt die MoneYou genau im Schnitt: Insgesamt hätten mehr als 30 von 90 Banken ihre Tagesgeldzinssätze in den letzten Wochen gemindert, meldet die Finanzberatung FMH, im Mittel um 0,1 Prozentpunkte.  Etwas geringer fiel die Änderung bei der von Österreich aus betreuten DenizBank aus: Statt 2,3 Prozent gibt es hier jetzt noch 2,25 Prozent. Deutlicher der Sprung bei der niederländischen NIBC direct: Von 2,30 Prozent rutschten die Zinsen auf 2,10 Prozent.

Startbonus bringt Rendite

Auch die ING Diba hat ihren Zinssatz deutlich nach unten korrigiert: Bestandskunden müssen sich mit 1,25 Prozent zufriedengeben, Neukunden bekommen immerhin noch zwei Prozent garantiert für sechs Monate, plus einem Bonus von 20 Euro bei der Kontoeröffnung. Am Begrüßungsgeld hält auch die Bank of Scotland fest: 30 Euro überweist sie bei Kontoeröffnung als Startguthaben. Sie werden dann zusammen mit den anderen Einlagen ebenfalls mit zwei Prozent verzinst – um 0,3 Punkte schlechter als bisher. Bei den Schotten sind Wechselfaule gut aufgehoben, weil Neu- und Bestandskunden gleich behandelt werden: Der Zins gilt für alle, so lange, bis er geändert wird.

Dank dem einmaligen Bonus verteidigen die Bank of Scotland und die ING Diba ihre Spitzenplätze im Zinsvergleich – und das trotz der deutlichen Zinssenkung. Wer etwa 10.000 Euro für drei Monate bei der Bank of Scotland parkt, hat am Ende dank Bonus rund 80 Euro zusätzlich auf dem Konto, bei der ING Diba sind es 70 Euro. Ein Konto ohne Bonus, das mit 2,5 Prozent verzins wird, bringt dagegen nur knapp 63 Euro. Der Renditevorteil schrumpft allerdings bei größeren Anlagesummen und längeren Laufzeiten. Bei einem Guthaben von 25.000 Euro oder mehr sind 30 Euro Bonus nur noch Peanuts.

Nicht zu viel und nicht zu wenig

Anleger, die nur auf den Zins achten, finden immer noch Angebote von 2,40 Prozent oder mehr. Etwa bei der niederländischen RaboDirect, die seit Ende Juni auf dem deutschen Markt mitmischt. Ihr Tagesgeld-Angebot ist ohne Tücken, bei anderen sollte man hingegen genau auf die Konditionen achten. So zahlt etwa die GEFA Bank satte 2,5 Prozent und garantiert diese auch für sechs Monate. Auch mit dem Folge-Zinssatz von zwei Prozent kann man aus heutiger Sicht zufrieden sein. Zinsen fließen aber nur, solange mindestens 10.000 Euro auf dem Konto liegen. Sinkt der Kontostand darunter, gibt es keinen Cent.

Wer weniger anzulegen hat, könnte es mit dem Tagesgeld der Wüstenrot-Bausparkasse versuchen. Die verzinst Einlagen ab dem ersten Euro sechs Monate lang mit 2,44 Prozent. Für alles, was über 10.000 Euro hinausgeht, gibt es aber nur noch 1,11 Prozent. Vielversprechender erscheint da das Angebot von Cortal Consors: Auf bis zu 50.000 Euro garantiert der Online-Broker Neukunden 2,40 Prozent Zinsen – und das für ganze zwölf Monate.

Damit ist das Cortal-Consors-Tagesgeld durchaus eine flexible Alternative zum zwölfmonatigen Festgeld. Die besten Angebote in diesem Bereich bewegen sich bei 2,50 Prozent, MoneYou liegt mit 2,55 Prozent an der Spitze. Wer sich für zwei Jahre bindet, kann bis zu drei Prozent herausholen. Auch hier geht die Tendenz deutlich nach unten: Weil der Festgeld-Markt nicht so stark umkämpft ist wie der fürs Tagesgeld, drehen die Banken nach Einschätzung der FMH noch bereitwilliger an der Zinsschraube. 

Tagesgeld im Vergleich

Festgeld im Vergleich

Quelle: ntv.de

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