Ratgeber

Die Irrtümer des Erbens Testament richtig gestalten

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Ein selbst verfasstes Testament muss immer handschriftlich zu Papier gebracht werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit dem Tod beschäftigt sich wahrscheinlich keiner gerne. Allerdings sollte man dies zumindest alle paar Jahre wieder tun, wenn man Streit nach dem eigenen Ableben unter den Erben vermeiden will. Laut Schätzungen werden jährlich 150 Milliarden Euro vererbt, aber nur jeder Dritte hat ein Testament verfasst. Was ebenfalls schlimm ist: Nur etwa zehn Prozent der hinterlassenen Testamente sind fehlerfrei formuliert. Ist dies nicht der Fall, sind Streitigkeiten unter den Erben vorprogrammiert.

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass ein Testament von einem Notar aufgesetzt werden muss. Das ist nicht der Fall, wenngleich bei komplizierten Testamentswünschen die Beratung durch einen Experten sinnvoll ist. Das hat natürlich seinen Preis. Fertigt zum Beispiel ein Notar ein gemeinschaftliches Testament für Eheleute an, die über Vermögenswerte in Höhe von 500.000 Euro verfügen, erhält der Notar dafür 1920,66 Euro zuzüglich Schreibauslagen und sonstige Auslagen wie Porto, Telefon- und Faxgebühren.

Jeder kann letzten Willen selbst schreiben

Diese Gebühr lässt sich sparen, wenn man sein Testament selbst verfasst. Während der Notar das Testament maschinenschriftlich verfassen darf, müssen privat erstellte Testamente handschriftlich niedergeschrieben werden. Bei Eheleuten ist es ausreichend, wenn ein Ehepartner das Testament handschriftlich verfasst und der andere dies lediglich unterschreibt. Schon die Unterschrift ist eine Fehlerquelle. Vor- und Nachnamen müssen voll ausgeschrieben werden. Besteht ein Testament aus mehreren Blättern, sollte der Verfasser jedes Blatt nummerieren, datieren und mit seinem vollen Namen unterschreiben.

Wer sein Testament selbst verfasst, sollte dafür sorgen, dass es im Todesfall auch gefunden wird. Das Testament selbst sollte besser nicht in den eigenen Wohnräumen sondern beim Amtsgericht hinterlegt werden. Das ist ebenfalls günstiger, als wenn dies ein Notar übernimmt. Wie oft man ein Testament verfasst oder dies überarbeitet, ist jedem selbst überlassen. Gültig ist letztlich im Todesfall das Testament, welches das jüngste Datum trägt. Aber: Gemeinschaftlich verfasste Testamente können auch nur gemeinschaftlich widerrufen werden. Die Grundelemente sind also: "Testament" als Überschrift, handschriftliche Abfassung, Ort und aktuelles Datum sowie Unterschrift mit vollem Vor- und Nachnamen.

Testament bricht nicht Gesetze

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Recht und Gesetz bricht auch das Testament nicht.

(Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de)

Ein Irrglaube ist, dass man mit einem Testament die gesetzlichen Regeln völlig aushebeln kann. Grundsätzlich können nur Menschen oder juristische Personen wie Vereine, Gesellschaften oder Stiftungen erben. Seinem Haustier kann man nichts hinterlassen. Man kann höchstens mit Hilfe einer Klausel im Testament dafür sorgen, dass eine im Testament bedachte Person das hinterlassene Vermögen auch dafür einsetzen muss, dass es dem Haustier bis zum Ableben gut geht.

Genauso wenig kann man mit einem Testament seine Familie vollständig enterben. Das Gesetz garantiert den nächsten Angehörigen einen Pflichtteil. Allen Kindern des Verstorbenen, unabhängig davon ob ehelich, nichtehelich oder adoptiert und Ehegatten sowie eingetragenen Lebenspartnern steht in der Regel als Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils zu. Sind die direkten Nachfahren schon verstorben, treten die Enkel bzw. die Urenkel an deren Stelle. Eine Enterbung ist nur dann möglich, wenn der Pflichtteilsberechtigte dem Testamentsschreiber nach dem Leben trachtet oder ihm gegenüber eine schwere Straftat begeht.

Vermächtnisnehmer und Erben

Viele Testamente führen zu Streit, weil sie nicht vollständig sind. Da wird beispielsweise das Tafelsilber Tante Hilde vermacht, das Auto dem Enkel Paul und die Ferienwohnung der Nichte Sandra. Der restliche Nachlass bleibt unerwähnt. Neben der Unvollständigkeit werden hier Vermächtnis und Erbe durcheinander geworfen. Deshalb muss der Testamentsschreiber klar formulieren, wer Erbe und wer nur Vermächtnisnehmer sein soll, da der Erbe in rechtlicher Hinsicht in die Fußstapfen des Verstorbenen tritt.

Mit dem Vermächtnis bestimmt der Erblasser, wem er einzelne Dinge aus seinem Vermögen hinterlassen will, ohne dass diese Erben werden. Die Erben sind verpflichtet, die Vermächtnisgegenstände herauszugeben. Erben hingegen erhalten einen Anteil am Gesamtvermögen. Für die anfallende Erbschaftssteuer - wenn Freibeträge überschritten werden - ist es übrigens unerheblich, ob es sich um einen Erben oder Vermächtnisnehmer handelt.

Teilungsordnung berücksichtigen

Möchte beispielsweise ein verwitweter Partner ein Testament für seine drei Kinder aufsetzen, ist es wenig sinnvoll darin zu schreiben, dass jedes Kind ein drittel des Gesamtvermögens erben soll. Das ist laut gesetzlicher Erbfolge ohnehin der Fall. Besteht die Erbmasse beispielsweise aus einem Haus, einem Ferienhaus und Bargeld, entsteht wahrscheinlich Streit darüber, welches Kind was bekommen wird. Das kann mit einer Teilungsanordnung unterbunden werden. Das Haus soll Kind 1, das Ferienhaus Kind 2 und das Bargeld Kind 3 bekommen. Da Haus, Ferienhaus und Bargeld nicht den gleichen Wert haben, findet zwischen den Kindern eine Ausgleichszahlung statt, so dass alle ein Drittel des Nachlasses erhalten. Soll kein Wertausgleich stattfinden, muss dies im Testament vermerkt werden. Der gesetzliche Pflichtteil sollte dabei allerdings nicht unterschritten werden.

Unsicherheit besteht auch immer, wenn eine Person, die unter Betreuung steht, ihr Testament nochmals ändert. Die Möglichkeit besteht generell, außer der betreuten Person fehlt die notwendige Einsichtsfähigkeit und sie kann die Tragweite der Entscheidung nicht mehr einschätzen. Erbt aufgrund des neuen letzten Willens der Betreuer, ist Ärger vorprogrammiert. Um böse Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Testierfähigkeit eines Angehörigen schon zu Lebzeiten per Gutachten eines Facharztes überprüfen zu lassen.

Vor- und Nacherbschaft

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Durch Vor- und Nacherbschaft können die direkten Nachkommen begünstigt werden.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Viele sorgen sich auch, dass der Ehepartner nach dem eigenen Tod nochmals heiratet und dann einen Teil des eigenen Vermögens erbt, obwohl man dies lieber den eigenen Kindern zukommen lassen würde. Diese Sorge ist begründet, da die gesetzliche Erbfolge dies vorsieht. Verhindern kann man dies, indem man im Testament eine Vor- und Nacherbschaft anordnet. So kann man beispielsweise den Ehepartner zum Vorerben und Alleinerben erklären und die Kinder zu Nacherben. Der Nacherbfall kann dann zum Beispiel an die Bedingung der Wiederverheiratung und den Tod geknüpft werden.

Als Vorerbe darf der überlebende Partner nicht frei über die Erbschaft verfügen. Wesentliche Teile der Erbschaft dürfen weder verschenkt, verkauft oder beliehen werden. Die Vor- und Nacherbschaft kann auch im Scheidungsfall von Interesse sein. Der geschiedene Partner kann als Vorerben das eigene Kind einsetzen und als Nacherben das Enkelkind. Damit würde verhindert, dass im Todesfall des eigenen Kindes der geschiedene Partner aus der Erbmasse noch einen Anteil erhält.

Quelle: ntv.de

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