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Delfine sind das geringste Problem Thunfisch mit gutem Gewissen?

Dosenthunfisch hat nicht das beste Image - und das zu Recht, wie die Zeitschrift Öko-Test festgestellt hat. Denn auch wenn fast alle Hersteller mit delfinfreundlichen Fangmethoden werben, kann von Nachhaltigkeit keine Rede sein.

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Roher Thunfisch kann sehr teuer sein. Bonito in der Dose gibt's zum Schleuderpreis.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ob als Steak, als Carpaccio oder in Form von Sushi – Thunfisch kann eine Delikatesse sein. Und ein Massenprodukt: Rund zehn Dosen Thunfisch verspeist jeder Deutsche im Jahr, meist kommen sie vom Discounter und kosten weniger als 80 Cent. Ein schlechtes Gewissen haben die Käufer kaum noch, seit auf fast jeder Dose ein Aufdruck delfinfreundliche Fangmethoden verspricht. 

Dabei sollte man sich keinen Illusionen hingeben, warnt die Zeitschrift Öko-Test: Ist das Delfin-Problem auch begrenzt, so ist der Thunfischfang meist alles andere als nachhaltig. Werden weiterhin jedes Jahr 4,5 Millionen Tonnen Thunfisch aus den Weltmeeren geholt, sind manche Bestände bald ausgebeutet. Und allen anderslautenden Beteuerungen des Handels zum Trotz scheinen viele Fischereien das Thema nicht ernst genug zu nehmen. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Nachhaltigkeitsanalyse, die Öko-Test zusammen mit dem WWF durchgeführt hat. 24 Sorten Dosenthunfisch haben die Ökotester ins Labor geschickt und auf ihre Etiketten hin überprüft. Fazit: Ob ein Thunfisch nachhaltig gefischt wurde, kann der Verbraucher an den Angaben auf der Thunfischdose in der Regel gar nicht erkennen.

Problematischer Beifang

Nur auf zwei Dosen waren alle nötigen Angaben zu Fanggebieten und Methoden vollständig aufgedruckt. In diesem Punkt versagte selbst das einzige MSC-Produkt im Test. Das Label soll eigentlich nachhaltige Fischerei garantieren, genauere Informationen sollten gerade hier also kein Problem sein. Beim MSC kann man wenigstens auf die strengen Zertifizierungskriterien vertrauen.  Manche Labels wie "Dolphin Safe" bzw. "delphinschondend/delphinfreundlich gefangen" können eher als Irreführung der Verbraucher gesehen werden. Denn zum einen steckt in den Dosen meist die Thunfischsorte Skipjack, bei der Delphinbeifang ohnehin nie ein Problem war. Zum anderen dürfen auch Fische, die mithilfe von Lockbojen gefangen werden, das Siegel tragen. Doch Lockbojen ziehen neben Thunfischen auch andere Tiere wie Meeresschildkröten, Hochseehaie und Schwertfische an. Und dieser Beifang wird schwer verletzt oder getötet ins Meer zurückgeworfen.

Neben dem Nachhaltigkeitsproblem gibt auch die Schadstoffbelastung oft Anlass zur Sorge. Öko-Test warnt vor dem hohen Quecksilbergehalt des Thunfischs. Das giftige Schwermetall reichern die Tiere im Laufe ihres Lebens nach und nach an. Ausgerechnet im Bio-Thunfisch Pan Do Mar fanden die Tester die höchsten Werte. Die Höchstgrenzen waren zwar auch hier nicht überschritten, allerdings hat der Gesetzgeber die Messlatte beim Thunfisch auch sehr viel tiefer angesetzt als bei den meisten anderen Fischen. Schwangere und Stillende sollten deshalb nur wenig oder besser keinen Thunfisch essen, so die Öko-Testempfehlung.

Quelle: n-tv.de, ino

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