Ratgeber

Sechs Wochen bis zum Sepa-Start Umstellung ist fast geschafft

Verspätete Gehaltszahlungen, Liquiditätsengpässe und Extra-Kosten - Anfang des Jahres drohte die Sepa-Umstellung ein heilloses Chaos im Zahlungsverkehr vieler Unternehmen anrichten. Die EU-Kommission zog die Notbremse und verschob den Sepa-Start. Hat das etwas gebracht?

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Nach anfänglicher Trägheit haben viele Unternehmen in den letzte Monaten doch noch auf Sepa umgestellt.

(Foto: imago stock&people)

Das neue europäische Zahlungsverfahren Sepa setzt sich nach Einschätzung der Bundesbank in Deutschland allmählich durch. "Für die meisten Unternehmen, öffentlichen Kassen und Vereine sind Sepa-Zahlungen inzwischen der Normalfall", sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele. Nachzügler mahnte Thiele, die verbleibenden Wochen bis zum 1. August zur Umstellung auf das einheitliche Zahlungsverfahren zu nutzen: "Eine weitere Fristverlängerung wird es nicht geben."

Vom 1. August 2014 an dürfen Unternehmen und Vereine Lastschriften und Überweisungen in Euro nur noch im Sepa-Format mit der internationalen Kontonummer IBAN tätigen. Ursprünglich war der 1. Februar 2014 der Stichtag. Damals war die Umstellung aber noch nicht weit genug fortgeschritten. Um ein Zahlungschaos zu vermeiden, verlängerte die EU-Kommission die Frist kurzerhand Anfang Januar um sechs Monate. Verbraucher kann das ohnehin noch kalt lassen: Sie dürfen noch bis zum 1. Februar 2016 die alten Kontonummern und Bankleitzahlen nutzen, die Konvertierung übernimmt die Bank. IBAN und BIC brauchen Privatpersonen vorerst nur bei Auslandsüberweisungen.   

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurde im Mai bei fast 90 Prozent der Überweisungen in Deutschland das neue Verfahren genutzt, berichtet die Bundesbank. Bei den Lastschriften lag der Sepa-Anteil bei gut 82 Prozent. Damit hat Deutschland nach anfänglichen Schwierigkeiten zu den europäischen Partnern aufgeschlossen. Der Euro-Zahlungsverkehrsraum Sepa ("Single Euro Payments Area") umfasst inzwischen 34 Länder, darunter die 28 EU-Staaten. Ziel ist, Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen grenzüberschreitend zu standardisieren und so zu beschleunigen.

Nichtstun wird teuer

"Nachzügler, die sich noch gar nicht mit Sepa beschäftigt haben, haben ein Problem", betonte Thiele. Diese Firmen müssten dann gegebenenfalls kostenpflichtige Konvertierungsangebote von Banken in Anspruch nehmen. Betroffene Unternehmen und Vereine sollten die verbleibende Zeit zur Umstellung des Zahlungsverkehrs zu nutzen, um Liquiditätsengpässen und Zahlungsverzug vorzubeugen, empfiehlt die Bundesbank. Ab dem 1. August dürfen Kreditinstitute Aufträge von Firmen nur noch im Sepa-Format annehmen.

Die Bundesbank geht aber davon aus, dass es sich bei den Totalverweigerern um Einzelfälle handelt. "Gallische Dörfer sind mir in diesem Zusammenhang nicht bekannt", so Thiele. Europaweit laufe bei Sepa noch nicht alles rund. So akzeptierten in einzelnen Fällen Unternehmen manche IBAN aus anderen europäischen Staaten nicht. Das widerspreche dem Gedanken des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums. "Manche Anfangsschwierigkeiten bei Sepa müssen noch ausgeräumt werden, aber das ist bei einem technischen Großprojekt eher die Regel".

Quelle: ntv.de, ino/dpa