Ratgeber

Küchenschimmel und Gammelfleisch Verbraucher mit Smileys schützen

In Potsdam beraten die Verbraucherschutzminister über ein einheitliches Hygiene-Bewertungssystem für die Gastronomie. Ein Smiley-System nach dänischem Vorbild könnte kommen. In Berlin läuft bereits ein Pilot-Projekt.

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Noch gut oder schon verdorben? Die Lebensmittelkontrolleure schauen genau hin.

(Foto: dpa)

Jede Woche stellen amtliche Lebensmittelkontrolleure unzählige Verstöße gegen Hygiene-, Gesundheits- oder Deklarationsvorschriften fest. Doch in welchen Betrieben, geschmuddelt und betrogen wird, erfahren die Verbraucher nicht. Die Überwachung der Betriebe, die Lebensmittel verarbeiten oder verkaufen, ist Aufgabe der Bundesländer und Kommunen. Die Kontrolleure entnehmen Proben, die sie zur Analyse in Labore geben. Die Häufigkeit der Kontrollen hängt davon ab, welche möglichen Risiken von den in bestimmten Branchen verarbeiteten Lebensmitteln ausgehen können.

Die Proben werden auf verschiedene Inhaltsstoffe, Keime und die Einhaltung gesetzlich festgelegter Höchstmengen untersucht. Über 1,2 Millionen Lebensmittelbetriebe gibt es bundesweit. 2008 wurden 934.580 Kontrollbesuche in 541.711 Betrieben durchgeführt. In 126.643 Betrieben wurden Verstöße festgestellt. Das heißt, dass in fast jedem vierten Betrieb Verstöße festgestellt wurden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel erhält die Daten aus der Lebensmittelüberwachung von den Bundesländern und fasst diese in einem Jahresbericht zusammen. Dieser wird zwar veröffentlicht, bringt dem Verbraucher aber herzlich wenig, denn es werden keine Namen genannt.

Vorhandene Daten besser nutzen

Die Idee ist, diese Daten zu nutzen, um sowohl Betriebe zu loben und um Wiederholungstäter dem Verbraucher transparent zu machen. Hierzu schlagen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg ein einheitliches Kennzeichnungssystem vor. Dieses soll auf der derzeitigen Verbraucherministerkonferenz in Potsdam erörtert werden. Konkrete Maßnahmen sind noch nicht bekannt. Man könnte sich aber an einem bestehenden Smiley-System in Dänemark orientieren.

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Stufenmodell des Projekts "Smiley" in Pankow.

(Foto: ideenmanufaktur.net)

Das Smiley-System gibt es in Deutschland schon im Berliner Bezirk Pankow und in abgemilderter Form auch in Nordrhein-Westfalen. Dort werden nur Betriebe genannt, die gut abgeschnitten haben. In Pankow werden Smileys an Betriebe und gastronomische Einrichtungen vergeben, die bei der amtlichen Lebensmittelkontrolle eine überdurchschnittliche Qualität und Hygiene nachgewiesen haben. Um dies sichtbar zu machen, erhalten zum Beispiel Restaurants einen Aufkleber mit einem Logo, der im Eingangsbereich platziert werden kann, und eine Urkunde. Außerdem hält der Bezirk eine Positivliste bereit, die alle ausgezeichneten Betriebe enthält.

Negativliste bei mehrfachem Versagen

In Pankow wird allerdings auch eine Negativliste veröffentlicht. Hier werden nicht nur Betriebe genannt, die bei der Kontrolle durchgefallen sind, sondern die Mängel werden auch stichwortartig und mit Fotos dokumentiert. Wer auf dieser Liste landet, hat bei der Kontrolle nicht nur einmal versagt. Wurden beim ersten Besuch gravierende Mängel festgestellt, finden eine angemeldete Nachkontrolle und eine Anhörung statt. Sind die gravierenden Mängel bei der Nachkontrolle nicht mehr vorhanden, wird auf eine Veröffentlichung verzichtet. Erst wenn sich der Betreiber uneinsichtig zeigt und die beanstandeten Mängel nicht abstellt, landet der Betrieb auf der Negativliste, die veröffentlicht wird.

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Ausgezeichnete Betriebe können sich mit einem Aufkleber und einer Urkunde schmücken.

(Foto: Bezirksamt Pankow)

Für die Betreiber ist zuvor schon klar, was die Kontrolleure unter die Lupe nehmen werden. Diese arbeiten einen Bewertungsbogen ab, der allen zugänglich ist. Die Kontrolle umfasst 28 Punkte aus den Bereichen Bauhygiene, Einrichtung und Ausstattung, betriebliches Eigenkontrollsystem, Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften, Zuverlässigkeit des Unternehmers, Entsorgung der Abfälle und Hygienemanagement, wobei letzteres doppelt gewichtet wird. Werden 90 Prozent der Punkte erreicht, kann ein Smiley vergeben werden. Dabei können die Betreiber noch Bonuspunkte erhalten, wenn beispielsweise für Gemüse und Fleisch getrennte Lebensmittelspülen verwendet werden oder eine regelmäßige Kontrolle des Reinigungs- und Desinfektionserfolges durch mikrobiologiesche Probenahmen erfolgt. Auf diese Weise können Defizite in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Kritik von Dehoga

In Pankow liegt die Beanstandungsquote im Gastronomiebereich bei ungefähr 30 Prozent. Ein Großteil der gerügten Betriebe hat hier mit Hygienemängeln zu kämpfen. Dieser hohen Quote soll das Smiley-System entgegenwirken.

Ganz ohne Kritik kommt das Smiley-System allerdings nicht aus. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) lehnt das Verfahren ab. Der Lobbyverband fürchtet Wettbewerbsverzerrungen, da nicht alle Betriebe gleichzeitig getestet würden und ein fehlender Smiley auch einfach den Grund haben könne, dass noch keine Kontrolle stattgefunden hat.

Quelle: n-tv.de

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