Ratgeber

Ausgefallene und verspätete Flüge Was Reisende fordern können

Die Reisenden stehen am Flughafen, doch die gebuchten Flüge sind verspätet, fallen aus oder die Kunden werden umgebucht. Verbraucher haben dann auf Grundlage der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche gegen die Airline - allerdings nicht immer.

Reisende erhalten nur dann eine Entschädigung für eine erhebliche Flugverspätung, wenn sie auch mit der verspäteten Maschine geflogen sind. Foto: Boris Roessler

Reisende erhalten nur dann eine Entschädigung für eine erhebliche Flugverspätung, wenn sie auch mit der verspäteten Maschine geflogen sind.

(Foto: dpa)

Die Reisenden stehen am Flughafen, doch die gebuchten Flüge sind verspätet, fallen aus oder die Kunden werden umgebucht. Verbraucher haben dann auf Grundlage der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche gegen die Airline - allerdings nicht immer.

Wann besteht grundsätzlich Anspruch auf Entschädigungen?

Der Passagier hat immer nur dann einen Anspruch auf Entschädigungszahlungen, wenn die Fluggesellschaft für die Verspätungen, Umbuchungen oder Flugannullierungen auch verantwortlich ist. Dies gilt zumeist bei technischen Pannen oder Verspätungen wegen Dienstzeitüberschreitungen von Crews, nicht aber bei höherer Gewalt wie Streiks, wetterbedingten Verspätungen oder Luftraumsperrungen zum Beispiel wegen Aschewolken aus Vulkanen.

Verbraucher sollten deshalb noch am Flughafen den Grund für die Flugplanänderung erfragen und diesen schriftlich und mit Zeugen festhalten. Vor allem beim Thema Schnee und Eis gilt: Haben Airlines ihre Flugzeuge nicht rechtzeitig enteisen lassen, tragen sie eine Mitschuld an der Verzögerung.

Wie sind Annullierungen von Zubringerflügen geregelt?

Wird ein direkter Zubringerflug gestrichen und kommt der Passagier deshalb auch mit dem anschließenden Fernflug verspätet ans Ziel, müssen Airlines ihren Kunden laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs für beide Flüge eine Ausgleichszahlung leisten.

Wie ist die Höhe der Ausgleichszahlungen geregelt?

Ist die Airline für Verspätungen, Umbuchungen und Flugausfälle verantwortlich, haben Reisende einen Anspruch auf Entschädigungen, die mit wachsender Flugdistanz steigen: Ab einer dreistündigen Verspätung für Flüge über 3500 Kilometer gibt es 600 Euro. Bei Strecken zwischen 1500 und 3500 Kilometern müssen Airlines 400 Euro zahlen und bei kürzeren Strecken 250 Euro.

Was gilt, wenn Fluggesellschaften nicht verantwortlich sind?

Fluggesellschaften müssen bei Verspätungen oder Flugausfällen wegen außergewöhnlicher Umstände zwar keinen Ausgleich zahlen. Passagiere haben aber Anspruch auf eine Versorgung mit Essen und Getränken, ein kostenloses Telefonat und falls nötig auch auf eine Hotelübernachtung. Dies gilt bei kürzeren Strecken ab zwei Stunden Wartezeit, bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern ab drei Stunden und bei Langstreckenflügen nach einer vierstündigen Wartezeit.

Brauchen Betroffene einen Anwalt, um Ansprüche durchzusetzen?

Fluggesellschaften zahlen ungern. Ganz ohne Unterstützung stehen Verbraucher deshalb womöglich auf verlorenem Posten. Sie können sich aber an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Voraussetzung: Betroffene Verbraucher müssen sich vorher schon um eine Einigung mit der Airline bemüht haben. Wurde ihnen dann eine abschließende Antwort erteilt oder hat sich die Fluggesellschaft acht Wochen lang nicht gemeldet, kann der Kunde die SÖP einschalten.

Ein Alternative sind aufs Reiserecht spezialisierte Anwaltsportale wie etwa flightright.de. Sie setzen Ansprüche ohne finanzielle Vorleistungen der Betroffenen durch und führen notfalls auch Prozesse mit den Airlines. Dafür behalten sie bei Erfolg etwa ein Drittel der erstrittenen Ausgleichszahlungen als Honorar ein.

Quelle: n-tv.de, Jürgen Oeder, AFP

Mehr zum Thema