Ratgeber

Langsam wird's ernst Was Sepa für Verbraucher heißt

Noch 73 Tage, dann startet der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum. Muss man bei Überweisungen dann immer die Iban angeben? Warum erscheinen manche Buchungen jetzt schon im Voraus auf dem Kontoauszug? Was ist mit Kundenkonten bei Online-Händlern? Ein Überblick.

Sepa – das war bis jetzt vor allem ein Thema für Firmen und Vereine, nichts womit sich Privatkunden dringend befassen müssten. Denn die meisten Umstellungen, die der einheitliche europäische Zahlungsverkehr mit sich bringt, werden automatisch von den Banken durchgeführt. Und doch gibt es Änderungen, etwa auf dem Kontoauszug, aber auch beim Bezahlen, auf die sich Verbraucher einstellen sollten. Das sollte man jetzt wissen:

Muss ich jetzt immer die Iban nutzen?

Nicht unbedingt. Für Überweisungen innerhalb Deutschlands gibt es eine Übergangsfrist. Bis zum 31. Januar 2016 kann man noch die alte Kontonummer und Bankleitzahl nutzen. Die Konvertierung übernimmt die Bank.

Überweisungen in andere Länder Europas funktionieren aber nur noch mit der Iban. Bis zum 31. Januar 2016 muss man zusätzlich die Bic (Bank Idenitifier Code) angeben, eine elfstellige Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Nach dem Stichtag kann man auf diese internationale Bankleitzahl verzichten.

Die Iban selbst hat in Deutschland übrigens 22 Stellen. Die meisten davon dürfte man sich einfach merken können: Es handelt sich um die Kombination aus der bisherigen Bankleitzahl und Kontonummer. Dazu kommt der Ländercode DE und eine Prüfnummer.

Was ist mit Einzugsermächtigungen und Daueraufträgen?

Daueraufträge laufen wie gewohnt weiter, die Umstellung übernimmt die Bank. Einzugsermächtigungen in ihrer bisherigen Form gibt es gar nicht mehr. Sie werden zu sogenannten Sepa-Basislastschriftmandaten und unterscheiden sich in einigen Punkten von der normalen Einzugsermächtigung. Für Bankkunden sind die Änderungen aber nur auf den zweiten Blick zu erkennen. Erteilte Einzugsermächtigungen werden automatisch in die neue Form übertragen.

Was ist neu an der Sepa-Lastschrift?

Bei herkömmlichen Einzugsermächtigungen erlaubt der Kunde dem Zahlungsempfänger, den fälligen Betrag vom Konto abzubuchen. Beim Sepa-Lastschriftmandat gibt er gleichzeitig den Auftrag an die Bank, die Zahlung durchzuführen. Die Lastschrift ist also von vornherein genehmigt und deshalb entfällt auch die Möglichkeit, ihr im Nachhinein zu widersprechen. Nach den alten Regeln war das bis zu sechs Wochen nach Rechnungsabschluss möglich. Doch schon im Juli 2012 wurde das Verfahren umgestellt. Seitdem gilt sowohl für die "alte" Einzugsermächtigung als auch für die Sepa-Lastschrift: Bis zu acht Wochen nach der Kontobelastung kann man sich den abgebuchten Betrag erstatten lassen. Juristisch ist das ein Unterschied, das Ergebnis ist das gleiche: Das Geld landet wieder auf dem eigenen Konto. Für nicht autorisierte, missbräuchliche Abbuchungen gilt eine Erstattungsfrist von 13 Monaten.

Das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) im Einzelhandel, also die Zahlung per  EC-Karte und Unterschrift,  ist in seiner bisherigen Form eigentlich nicht Sepa-konform. Trotzdem kann das Verfahren zunächst wie gehabt weiter genutzt werden. Bis zum Februar 2016 können Kunden auf diese Weise weiter Einzugsermächtigungen an der Kasse erteilen. In veränderter Form bleibt das Lastschriftverfahren auch danach erhalten.   

Was hat es mit der "Vorabinformation" auf sich?

Bankkunden sollen sich auf Abbuchungen vorbereiten können, etwa dafür sorgen, dass das Konto die nötige Deckung aufweist. Deshalb müssen sie vom Lastschrifteinreicher im Voraus über Betrag und Fälligkeitsdatum informiert werden. Diese "Pre-Notification" gilt für die Miete ebenso wie für die Mobilfunkrechnung oder die Kartenzahlung beim Einkaufen. 14 Tage vor dem Fälligkeitstermin muss die Ankündigung vorliegen, es sei denn, es wurde etwas anderes vereinbart. Das dürfte etwa bei Online-Bestellungen oder bei Kartenzahlungen regelmäßig der Fall sein.  

Die Vorabinformation kann auf verschiedenen Wegen übermittelt werden, etwa per Brief, per E-Mail oder telefonisch. Manchmal findet man sie auch auf dem Kontoauszug. Taucht etwa die Miete schon Mitte des Monats auf dem Kontoauszug auf, bedeutet das nicht, dass das Geld tatsächlich schon abgebucht wurde, sondern dass die Zahlung demnächst ansteht. Fast unsichtbar ist die Pre-Notification, wenn sie in den Vertrag aufgenommen wird. So können Händler beispielsweise den Vermerk auf der Rechnung unterbringen. Bei wiederkehrenden Lastschriften mit gleichen Beträgen reicht es aus, vor der ersten Lastschrift die zukünftigen Fälligkeitstermine zu nennen.

Ändert sich jetzt was beim Online-Shopping?

Bis jetzt ist es sehr einfach, online per Lastschriftverfahren zu bezahlen: Man gibt seine Bankverbindung an und der Verkäufer bucht ab. Beim Sepa-Verfahren müssen die Händler nun erst ein Mandat vom Kunden einholen, also eine Einwilligungserklärung. Ursprünglich war vorgesehen, dass diese in Papierform vorgelegt und handschriftlich unterzeichnet werden muss. Das ist bei Bestellungen übers Internet natürlich unrealistisch. Die Kreditwirtschaft-Verbände haben das Verfahren deshalb modifiziert und auch die elektronische Signatur als beweissicheres Verfahren zugelassen. In der Praxis dürften sich die meisten Händler wohl damit begnügen, das Mandat einfach online einzuholen, ohne zusätzliche Legitimation. Das ist nicht rechts- und beweissicher, aber die praktikabelste Methode.

Wer bereits ein Konto in einem Online-Shop hat, muss sich um nichts weiter kümmern: Die bestehenden Einzugsermächtigungen können nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs einfach in Sepa-Lastschriftmandate umgewandelt werden (Az. : XI ZR 236/07). Kunden, die bislang schon abbuchen lassen, müssen also normalerweise nichts weiter veranlassen. Auch bei Paypal erfolgt die Umstellung in der Regel automatisch.

Quelle: ntv.de