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Krankenkasse pleite Was Versicherte tun müssen

Das Gesundheitssystem steuert auf ein Rekorddefizit von elf Milliarden Euro oder mehr zu. Auch manche Krankenkasse ist alles andere als gesund. Versicherte müssen im Pleitefall schnell handeln.

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Mit der Erhebung eines Zusatzbeitrags kann die Abwärtsspirale für die Krankenkasse beginnen.

(Foto: dpa)

Bereits bei drei Gesetzlichen Krankenkassen sind die Finanznöte so groß, dass sie drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung anmelden mussten. Bei der City BKK, der BKK für Heilberufe und der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK) handelt es sich zwar mit zusammen weniger als 400.000 zahlenden Mitgliedern um vergleichsweise kleine Krankenkassen. Manche Experten sehen aber schon eine "Kaskade von Kassenpleiten" voraus.

Gerüchte gab es auch schon um Finanzstärke des Schwergewichts DAK. Sie gehört zu den größten deutschen Krankenkassen und war eine der ersten, die aufgrund der finanziellen Situation einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten gefordert hat. Das blieb nicht ungestraft. Aufgrund der Beitragserhöhung sollen bereits fast 150.000 Kunden bei der DAK gekündigt haben. Für die Kasse ist dies ein Dilemma, den durch die verlorenen Kunden erhöht sich wieder der finanzielle Druck, der durch die Beitragserhöhung abgefedert werden sollte.

Versicherungsschutz bleibt erhalten

Geht eine Krankenkasse wirklich in die Insolvenz, müssen sich die Versicherten keine Sorgen machen. Wenn eine Krankenkasse wegen Überschuldung geschlossen wird, ist der Versicherungsschutz nicht gefährdet. Bereits begonnene medizinische Behandlungen werden bezahlt. Ärzte und Krankenhäuser müssen also nicht um die Begleichung ihrer Rechnungen bangen. Neue Leistungen können aber bei der betroffenen Kasse nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Muss eine Kasse wegen Zahlungsunfähigkeit schließen, springt finanziell die Kassen-"Familie" ein: Bei einer Betriebskrankenkasse ist das der BKK-Verband. Entsprechendes gilt für die anderen Kassenarten. Würde die "Familie" durch die Hilfeleistung selbst überfordert, müsste das gesamte System der Gesetzlichen Krankenkassen einspringen.

Zwei Wochen Zeit zum Wechseln

Wenn eine Kasse geschlossen wird, müssen Versicherte von der Kasse über den Zeitpunkt der Schließung informiert werden. Vom Zeitpunkt der Schließung haben sie zwei Wochen Zeit, sich bei einer anderen Kasse eigener Wahl anzumelden. Dies wird Betroffenen dringend empfohlen. Die neue Kasse ist zur Aufnahme des Kassenwechslers verpflichtet. Es kann also niemand in eine Versicherungslücke fallen - und niemand aus dem System der Krankenversicherung herausfallen, wie eine Sprecherin des Spitzenverbandes der Krankenkassen betont.

Wenn der Versicherte die Frist verpasst, meldet der Arbeitgeber den Versicherungspflichtigen bei einer Krankenkasse an, und zwar möglichst bei einer Kasse, bei der der Betroffene schon einmal versichert war. Ist dies dem Arbeitgeber nicht bekannt oder er kann dies nicht herausfinden, entscheidet er allein. Bei Arbeitslosen ist dafür das Jobcenter zuständig, bei Rentnern die Rentenversicherung. Bei freiwillig Versicherten beträgt die Ummeldefrist sogar drei Monate.

Zahl der Krankenkasse sinkt drastisch

Komplette Schließungen von Krankenkassen waren in der Vergangenheit die Ausnahme. Allerdings nimmt die Zahl der Gesetzlichen Krankenkassen auch ohne Schließungen seit Jahren kontinuierlich ab, weil es eine Vielzahl von Zusammenschlüssen gibt. Gab es zur Jahresmitte 2008 noch 217 Kassen, so waren es Anfang April diesen Jahres noch 166.

Ob jetzt eine Pleitewelle für viele Krankenkassen droht, ist noch offen. Die Gefahr wird im GKV-Spitzenverband derzeit als gering eingeschätzt. Doch Experten wie der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, prophezeien "Dominoeffekte", wenn eine Kasse pleite geht und andere im Verbund mitreißt. "Zehn bis 15 Wackelkandidaten" gebe es, die auch nicht durch Fusionen gerettet werden könnten. Lauterbach spricht von "unverkäuflichen Bräuten, die einfach niemand mehr haben will".

Quelle: n-tv.de, akl/dpa

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