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Der Zusatzbeitrag kommt Was Versicherte wissen müssen

Es zeichnete sich schon im Dezember ab: Der Zusatzbeitrag kommt. Damals errechnete der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung ein Defizit von rund vier Milliarden Euro und die ersten Kassen räumten ein, dass sie ohne zusätzliche Einnahmen wohl nicht auskommen würden. Bis dahin hatte kaum ein Anbieter laut über Zusatzbeiträge nachgedacht. Stattdessen versuchen mehrere Kassen, die Kosten durch Fusionen in den Griff zu bekommen. Manche nützten auch den Spielraum bei der Kürzung freiwilliger Zusatzleistungen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch mit Sparen allein scheinen die Kassen nicht weiterzukommen. Mit der Deutschen BKK und der DAK haben nun die ersten großen Kassen angekündigt, die Möglichkeit des Zusatzbeitrags nutzen zu wollen. Gemeinsam mit weiteren Kassen laden sie am Montag zu einer Veranstaltung mit dem vielsagenden Titel "Finanzentwicklung in der GKV - Einstieg in den Zusatzbeitrag". Nicht nur für die insgesamt 5,25 Millionen Versicherten von Deutscher BKK und DAK dürfte es in den nächsten Wochen teurer werden. Experten rechnen damit, dass mehr als 12 von rund 50 Millionen Krankenversicherten noch im ersten Halbjahr 2010 stärker zur Kasse gebeten werden.

Der schlimmste Fall

Kassen, die mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, dürfen pauschal bis zu acht Euro von jedem Versicherten verlangen – unabhängig von dessen Einkommen. Der Zusatzbeitrag kann noch weiter steigen, darf aber insgesamt nicht mehr als ein Prozent des Bruttomonatsgehalts betragen. Der Arbeitgeber bleibt dabei außen vor. Bei einem Bruttoeinkommen von 3500 Euro sähe die Rechnung so aus:

Regulärer Arbeitnehmeranteil (7,9 Prozent): 276,50 Euro

Maximaler Zusatzbeitrag: 35 Euro

Die Krankenkasse kann also bis zu 311,50 Euro vom Arbeitnehmer verlangen. Mitversicherte Kinder und Partner sind vom Zusatzbeitrag ausgenommen.

Bleiben oder gehen

Will eine Kasse Zusatzbeiträge erheben, muss sie das spätestens einen Monat vorher ankündigen. Bis der Betrag das erste Mal fällig wird, haben die Versicherten ein außerordentliches Kündigungsrecht. Davon können auch Jene gebrauch machen, die erst innerhalb der letzten 18 Monate beigetreten sind. Normalerweise ist eine Kündigung innerhalb dieser Bindungsfrist ausgeschlossen. Pech haben Mitglieder, die mit Wahltarif versichert sind. Wer sich beispielsweise für einen Selbstbehaltmodell oder einen Kostenerstattungstarif entschieden hat, ist damit im Regelfall für drei Jahre an die Kasse gebunden – auch wenn diese die Beiträge erhöht.

Ein Sonderkündigungsrecht gilt übrigens auch, wenn die Kasse ihre Rückerstattungen reduziert beziehungsweise ganz einstellt. Auch das gibt es nämlich: Kassen, die weniger ausgeben als sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten, können ihre Versicherten an den Überschüssen beteiligen. So zahlten im letzten Jahr die G&V BKK, die hkk und die BKK ALP plus zwischen 50 und 72 Euro an ihre Mitglieder zurück.

Quelle: n-tv.de

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